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Dieser Öl-Tycoon denkt, dass die Prognosen der US-Regierung zu optimistisch seien

Foto: The Motley Fool.

Anfang des Monats veröffentlichte die amerikanische Energieinformationsbehörde Energy Information Administration (EIA) ihren aktuellen kurzfristigen Energieausblick. In diesem Bericht hat die EIA ihre Ölpreisprognose für 2017 gekürzt und die Erwartungen für das Wachstum der Ölproduktion in diesem und dem nächsten Jahr gesenkt.

Aber ein Öl-CEO, Harold Hamm von Continental Resources (WKN:A0JEP5), sagte, der Bericht sei so unrealistisch, dass er die Ölpreise verzerre. Er glaubt, dass die EIA die Disziplin der Schieferölproduzenten übersehen hat, was zu einem deutlich geringeren Produktionswachstum im nächsten Jahr führen sollte als von der EIA erwartet. Diese geringere Produktion sollte theoretisch zu hören Ölpreisen und mehr Gewinnen für Continental führen.

Die Uneinigkeit

In dem Bericht wird prognostiziert, dass die Ölförderung in den USA in diesem Jahr bei durchschnittlich 9,3 Millionen Barrel pro Tag liegen wird. Damit würde ein neuer Rekord für die Ölproduktion in den USA aufgestellt und der Jahresdurchschnitt von 9,6 Millionen Barrel pro Tag aus dem Jahr 1970 übertroffen werden. Bemerkenswert an dieser Prognose ist jedoch, dass die Zahlen einen Rückgang um 1 % bzw 0,7 % gegenüber dem vorherigen Ausblick der EIA darstellen.

Der Rückgang ist vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Schieferölproduzenten vor kurzem Budgetkürzungen angekündigt haben, die das Wachstum verlangsamen werden. So hatte z. B. Whiting Petroleum (WKN:590101) ursprünglich erwartet, in diesem Jahr 1,1 Milliarden US-Dollar für Bohrungen auszugeben. Damit hätte die Fördermenge bis Ende des Jahres um 23 % gesteigert werden sollen. Nachdem der Ölpreis in der ersten Jahreshälfte bei etwa 40 US-Dollar stand, beschloss das Unternehmen aber 150 Millionen US-Dollar aus dem Etat zu streichen und zwei Bohrplattformen nicht weiter zu bewirtschaften. Damit solle das Budget wieder ausgeglichen werden, da man davon ausgegangen war, dass Öl sich im mittleren 50er-Dollarbereich befinden würde. Die Wachstumsrate soll damit nur noch 14 % betragen. Unterdessen hatte Pioneer Natural Resources (WKN:908678) im Permian-Becken einige Probleme im letzten Quartal. Damit ist das Unternehmen hinter dem eigenen Zeitplan zurück. Das Unternehmen entschied sich aufgrund des schwachen Ölmarktes dafür, diese Bohrungen gleich auf das nächste Jahr zu verschieben. Infolgedessen kürzte Pioneer 100 Millionen US-Dollar aus seinem Budget, und erwartet nun ein Produktionswachstum am unteren Ende des erwarteten Ausblicks von 15-18 %.

Dass die EIA ihre Prognose etwas gesenkt hat, um diese und andere Ereignisse mit einzubeziehen, geht Hamm nicht weit genug. Seine Ansicht nach wird die Produktion in den USA um die Hälfte dessen steigen, was die EIA erwartet. Er erklärte vor kurzem Bloomberg, dass diese übertriebene Schätzung einen Beitrag dazu leistet, dass der Markt fürchtet, zu viel zu produzieren. Das beschränke seiner Meinung nach den Ölpreis. Er glaubt, wenn die EIA den Markt nicht durch diese Überschätzung des Produktionswachstums verzerren würde, der Ölpreis auch 60 US-Dollar pro Barrel steigen könnte.

Er hat recht, aber er sollte auch nicht reden

Hamm kritisiert nicht als Erster die Prognosefähigkeit der Regierung. Die Energiemärkte sind zwar bekanntlich schwer vorhersehbar, die EIA hat jedoch eine richtig schlechte Bilanz. Tatsächlich hat die EIA die Ölproduktion in 43,2 % der Fälle überschätzt und lag im Durchschnitt um 11,9 % daneben.

Wenn wir das in Betracht ziehen, dann könnte Hamm recht haben. Allerdings sollten wir auch erwähnen, dass seine Erfolgsbilanz in Bezug auf Prognosen ebenso schlecht ist. Ende 2014 sagte er voraus, dass die OPEC ihre Produktion reduzieren würde, bevor die Preise weiter fielen. Es kam anders, als die OPEC die eigene Produktion sogar noch erhöhte. 2016 dachte er, dass der Ölpreis bei in 69 bis 72 US-Dollar bis Jahresende stehen würde, was natürlich auch nicht passiert war.

Wir sollten auch erwähnen, dass Hamms Unternehmen nicht gerade viel Disziplin zeigt. Anstatt auf die Bremse zu treten, erwartet Continental bis zum Jahresende 24 bis 31 % mehr im Jahresvergleich zu produzieren. Zuerst war man von einem Wachstum von 19 bis 24 % ausgegangen. Darüber hinaus ist das Unternehmen auf einem guten Weg, um die Produktion im nächsten Jahr um 18 % zu erhöhen.

Die Sache mit den Prognosen

Hamm könnte recht haben, dass die EIA zu optimistisch ist. Es wäre zumindest nicht das erste Mal, dass diese Regierungsagentur in die falsche Kristallkugel geblickt hat. Aber Hamm hat auch nicht gerade eine klare Sicht auf die Zukunft, wenn es um Prognosen geht. Das hat den Investoren seines Unternehmens auch schon geschadet.

Hamms Beschwerde über diese Prognose ist aber eine gute Erinnerung für die Investoren, dass man diese Prognosen am Energiemarkt nicht zu ernst nehmen sollte. Die meiste Zeit sind sie nämlich falsch. Stattdessen sollte man sich darauf konzentrieren, in Ölaktien mit geringen Kosten zu investieren, die eine starke Bilanz haben. Denn diese Unternehmen können auch dann Gewinne machen, wenn die Prognosen sich als falsch herausstellen sollten.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und am 25.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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