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HUSUM Wind: Neuer Aufbruch statt Katerstimmung für Nordex, Vestas und Co.

Schwertransport Nordex-Gondel
Foto: Nordex SE

Wenn es um Windkraft geht, dann ist die Euphorie früherer Jahre erst mal verflogen. Nicht wenige reden sogar von einer handfesten Krise. In diesen Tagen trifft sich die Branche auf der traditionellen HUSUM Wind zur Leistungsschau und Bestandsaufnahme. Ich denke, es gibt durchaus Grund für mehr Optimismus.

Die Gründe der Krise

Vor allem Nordex (WKN:A0D655) steht immer wieder im Mittelpunkt, wenn es um die derzeitigen Schwierigkeiten der Windindustrie geht. Zuletzt ist der Kurs unter die Zehn-Euro-Marke abgetaucht, ein Niveau, das wir vor vier Jahren zuletzt gesehen haben. Genauso wie beim direkten Konkurrenten Senvion (WKN:A2AFKW) werden Arbeitsplätze abgebaut. Das ist man in der langjährigen norddeutschen Boom-Branche nicht gewohnt.

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Die Schuld dafür wird vor allem den neuen Spielregeln gegeben, welche die Regierungen in vielen relevanten Absatzmärkten aufgestellt haben. Statt gut kalkulierbarer auskömmlicher Renditen für die Projektentwickler, werden die Preise für die Kilowattstunde jetzt immer häufiger im Versteigerungsverfahren ermittelt. Das drückt entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf die Margen.

Dass in Deutschland zusätzlich die Ausbaugeschwindigkeit gedrosselt wurde und das Preisniveau an der Leipziger Strombörse weiterhin schwach bleibt, kommt noch hinzu. Schon werden Befürchtungen laut, dass der Windenergie ein ähnliches Desaster drohen könnte, wie seinerzeit der nach Asien abgewanderten Solarbranche.

Viele wetten deshalb auf weiter sinkende Kurse: Allein die großen Leerverkäufer haben rund 10 Prozent des Aktienbestands von Nordex auf den Markt geworfen, in der Hoffnung sie irgendwann noch billiger zurückkaufen zu können.

Warum es Grund für Hoffnung gibt

Aber ist die Lage wirklich so kritisch? Gerne wird auch das Argument der gestiegenen Wettbewerbsintensität angeführt. Dabei gab es schon immer eine knallharte Auslese. Große Namen wie BARD, Fuhrländer oder DeWind wurden aus dem Markt gedrängt und ambitionierte asiatische Spieler gaben entnervt auf. Mittlerweile ist die Konzentration über zahlreiche Fusionen so hoch, dass sich die Situation für die Hersteller auf absehbare Zeit eher verbessern sollte.

Dass diese sich an neue Marktgegebenheiten anpassen müssen, ist kurzfristig unschön. Aber wenn man etwas weiter in die Zukunft schaut, müsste sich das alles einpendeln, denn es ist weder damit zu rechnen, dass die gesamte Industrie dauerhaft mit Verlusten arbeitet, noch, dass die globale Nachfrage einbricht oder neuer Wettbewerb plötzlich größere Marktanteile abgreift. Denn während Solarmodule kostengünstig um die ganze Welt verschifft werden können, werden für die überdimensionierten Windturbinen viele lokale Ressourcen und Know-how gebraucht und da tun sich die Asiaten schwerer.

Hoffnung macht auch das in HUSUM heiß diskutierte Thema Sektorkopplung. Dabei geht es um die intelligente Verknüpfung von Strom mit dem zunehmend elektrifizierten Verkehr sowie der Gas- und Wärmeversorgung. Daran wird derzeit viel geforscht und sobald sich brauchbare Lösungen etablieren, erwarte ich neuen Schub für die Windkraft. Wenn die Industrie nämlich beweisen kann, dass mehr Windkraft weder extreme Investitionen in die Netze erforderlich macht, noch Mehrkosten für die Verbraucher bedeutet, dann wird die Politik auch wieder einen beschleunigten Ausbau zulassen.

Was die Margen angeht, wird immer auf den Preisdruck verwiesen, aber andererseits kommen ja auch die Kosten ständig runter. Mehr Standardisierung und Industrialisierung, höher integrierte Komponenten, 3D-Druck, stärker automatisierte Wartung sowie immer bessere Entwicklungswerkzeuge und Prozesse: All das hilft dabei, dass die Hersteller mittelfristig trotz sinkender Preise profitabel bleiben können.

Zusätzlich Stabilität verleiht das wachsende Servicegeschäft und wachsende Turbinengrößen erhöhen den Ertrag je investiertem Euro: Eine ganze Reihe von Herstellern, einschließlich Nordex, präsentiert in Husum neue Onshore-Modelle der 4 MW-Klasse, wobei Siemens Gamesa (WKN:A0B5Z8) sogar schon bei 5 MW angekommen ist und Enercon seit Längerem mit 7,5 MW experimentiert.

Der Rückenwind kommt zurück

Insgesamt sehe ich daher keinen Grund für übertriebenen Pessimismus. Im Moment befinden wir uns in einer Übergangsphase und die Anlagenbauer müssen sich an veränderte Marktbedingungen anpassen. Das könnte noch ein paar weniger erfreuliche Quartale für den ein oder anderen Wettbewerber bedeuten. Aber mittel- bis langfristig bleiben die Aussichten ausgezeichnet.

Auch ein Blick auf den Chart des langjährigen Marktführers Vestas (WKN:913769) zeigt, dass es um die Branche insgesamt wohl keineswegs so schlimm steht: Auf Sicht von fünf Jahren ist die Aktie satte 1.300 Prozent im Plus. Ein Sturm mag die Husumer Messe ein bisschen verweht haben, aber die Windkraftindustrie wird das aktuelle Unwetter nicht umhauen.

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Ralf Anders besitzt Aktien von Senvion. The Motley Fool empfiehlt Nordex.

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