MENU

5 harte Fragen an Gilead Sciences zur Übernahme von Kite Pharma

Foto: The Motley Fool.

Die Führungskräfte von Gilead Sciences (WKN:885823) beantworteten letzte Woche auf der Citi Biotech-Konferenz mehrere Fragen zur bevorstehenden Übernahme von Kite Pharma (WKN:A116CA). John Milligan, CEO des Unternehmens, nahm jedoch nicht an der Diskussion teil.

Milligan sowie Gileads Leiter der Hämatologie und Onkologie, Alessandro Riva, standen am Montag bei der Morgan Stanley Healthcare Conference noch härteren Fragen über den Kite-Deal gegenüber. Das Top-Managementteam des großen Biotechs hat die fünf Schlüsselfragen zur Übernahme wie folgt beantwortet.

1. Warum war der Kauf von Kite für Gilead der richtige Schritt, wenn kein anderes Unternehmen geboten hat?

Hinter dieser Frage verbergen sich zwei grundlegende Fragen. Die spannendere lautet: Hat die Tatsache, dass nur Gilead für Kite geboten hat, Fragen über den Wert des kleinen Biotech-Vermögens aufgeworfen? Milligan sagte nur, dass er nicht sicher gewesen sei, warum niemand sonst hinter Kite her war, aber dass er wisse, dass “viele andere Firmen an diesen Technologien interessiert waren“, und bezog sich dabei auf Kites Zelltherapie mit chimären Antigenrezeptor-T-Zellen (CAR-T).

In Wahrheit sollte das Fehlen anderer Bieter den Wert von Kites Pipeline nicht in Frage stellen. Dass viele große biopharmazeutische Unternehmen 2017 nur zögerlich Übernahmen tätigen, hat einen gewichtigen Grund: Sie hoffen auf eine Steuerreform. Das hat nichts mit Vorbehalten der Zelltherapie gegenüber zu tun.

Milligans Antwort auf die umfangreichere Frage, warum der Kauf von Kite für Gilead der richtige Schritt war, war einfach. Er sagte, dass Gilead nach einem Onkologieprogramm suchte, das „unmittelbare und längerfristige Auswirkungen haben würde“. Kite passte super. Riva fügte hinzu, dass Kite „einen Weg darstellte, um in die nächsten Innovationen in der Krebsbehandlung zu investieren“.

2. Wird Gilead in eine Ecke gedrängt, wenn es um die Bezahlung der Leistung geht?

Novartis (WKN:904278) gab bekannt, dass es einen Pay-for-Performance- oder ergebnisorientierten Ansatz für die Preisgestaltung von Kymriah, der ersten zugelassenen CAR-T-Zelltherapie verwenden wird. Milligan wurde gefragt, wie sich die Entscheidung von Novartis auf Gileads CAR-T-Therapie Axi-cel auswirken könnte (vorausgesetzt, dass der Kite-Deal im November durchgeht und Axi-cel die Genehmigung erhält).

Ausgehend von Milligans Antwort auf die Frage scheint es, dass Gilead zögern könnte, die Preisgestaltung auf Pay-for-Performance-Basis zu wählen. Er betonte, dass Kymriah die Zulassung für eine andere Indikation als das diffuse große B-Zell-Lymphom (DLBCL) erhalten habe, das Kite zunächst mit Axi-cel im Visier habe. Milligan merkte an, dass es bei DLBCL länger dauern könnte. Aus diesem Grund äußerte er Vorbehalte, wie mit Axi-cel in der DLBCL-Indikation Pay-for-Performance Pricing umgesetzt werden könnte, und sagte, dass er „die Umsatzrealisierung nicht zu sehr erschweren wolle“.

3. Welcher Preis ist für Axi-cel nachhaltig?

Der Analyst von Morgan Stanley befragte Milligan zu einem verwandten Thema, nämlich welche Preisgestaltung im Krebsmarkt nachhaltig sei, und wies darauf hin, dass Novartis Kymriah mit 475.000 US-Dollar benennt. Milligans Antwort deutet darauf hin, dass Gilead und Kite einen ähnlich hohen Preis verlangen könnten.

Er erwähnte, dass Gilead die Preisgestaltung von Immunonkologie-Kombinationen (I-O) mit großem Interesse beobachte. Milligan erklärte, dass der Krebsmarkt für I-O-Medikamente jetzt „ein wenig wie HCV“ sei, wobei im Wesentlichen viele Patienten geheilt würden. Er sagte auch, dass Axi-cel „viele andere teure Chemotherapien“ ersetzen könnte.

Auf der anderen Seite räumte Milligan ein, dass Gilead mit Krankenhäusern zusammenarbeiten müsse, um sicherzustellen, dass die Preisgestaltung für sie funktioniert. Er wies auch auf das Potenzial für eine indikationsbezogene Preisgestaltung hin, da es mehr Flexibilität für die Preisgestaltung bei Krankheiten gebe, die nur wenige Patienten betreffen.

4. Werden die hohen Herstellungskosten nicht die Marktchancen für CAR-T einschränken?

CAR-T-Therapien sind in der Herstellung teurer. Wird das die Marktchancen einschränken? Milligan glaubt nicht.

Er sagte, dass Kites Einrichtung in Kalifornien jährlich etwa 4.000 Patienten versorgen könne. Er fügte jedoch hinzu, dass zusätzliche Anlagen gebaut werden müssten – eine in den USA und eine in Europa. Die gute Nachricht, so Milligan, sei jedoch, dass der Bau dieser Produktionsanlagen nicht annähernd so teuer sei wie der biologischer Anlagen.

Milligan sagte auch, dass das Team von Kite bereits daran arbeite, den Herstellungsprozess zu verbessern. Durch Automatisierung und Prozessvereinfachung sehe er Möglichkeiten, die Produktionskosten und möglicherweise auch die Prozesszeiten zu senken.

5. Warum nicht bispezifische Antikörper anstelle von CAR-T?

Da eine ganze Reihe von CAR-T-Therapien in der Entwicklung Sicherheitsprobleme bekommt, wurde Milligan gefragt, warum sich Gilead nicht für ein Biotech-Unternehmen mit einem bispezifischen Antikörperprogramm entschieden habe. Einige Branchenbeobachter glauben, dass Bispecifics eine bessere Alternative zu CAR-T sein könnten. Milligan übergab die Antwort an Riva, der Gileads wissenschaftliche Bewertung der Kandidaten für potenzielle Übernahmeobjekte leitete.

Riva sagte, dass Bispecific-Antikörper für sehr gut halte — aber Zelltherapie sei besser. Er glaubt, dass es bei hämatologischen Tumoren und soliden Tumoren mehr Möglichkeiten mit Zelltherapie gebe als mit Bispezifika. Riva erklärte, dass die Übernahme von Kite Pharma Gilead Sciences „eine Plattform zur Einführung einer neuen Art der Krebsbehandlung“ biete.

Unterm Strich

Das alles sind berechtigte Fragen. Die Führungskräfte des Unternehmens gaben jedoch recht gute Antworten. Kite und die Zelltherapie scheinen für Gilead geeignet zu sein. Und die Übernahme von Kite sollte langfristig eine profitable Ergänzung sein.

Denen, die sich wünschen, dass Gilead eine andere Firma gekauft hätte, möchte ich sagen: Euer Wunsch könnte sich erfüllen. Gilead hat immer noch einen riesigen Bargeldbestand und einen enormen Geldfluss. Ich vermute, dass weitere Übernahmen kommen werden.

54 Investmenttipps von den besten Investoren der Welt

Zugegeben, wir sind etwas voreingenommen, wenn wir behaupten, dass die Investoren und Analysten unserer Motley Fool Niederlassungen auf der ganzen Welt zu den Besten gehören. Aber zumindest haben wir es mit ihrer Hilfe geschafft, den Markt konsistent zu schlagen. Jetzt haben wir unsere besten Leute weltweit nach ihren Tipps gefragt, wie jeder ein besserer Investor werden kann. In unserem neuesten, kostenlosen Sonderbericht erfährst du ihre Antworten. Klick hier, um deinen einfachen Zugang zu diesem Bericht zu erhalten.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Gilead Sciences.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 11.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Kostenlos: Aktientipps, Börsen-Nachrichten, Anlage-Erkenntnisse

Registriere dich kostenlos für den Newsletter "Bilanz Ziehen", deine wöchentliche E-Mail von The Motley Fool

Ich würde gerne E-Mails von euch zu Produktinformationen und –angeboten von The Fool und seinen Geschäftspartnern erhalten. Jede dieser E-Mail wird einen Link zum Abbestellen zukünftiger E-Mails beinhalten. Mehr Informationen dazu, wie The Fool persönliche Daten sammelt, speichert und handhabt finden sich in den Datenschutzhinweisen von The Fool.