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Investieren ist ein faszinierendes Geschäft

Foto: Getty Images

Das ist meine 3.382ste Kolumne auf Fool.com.

Und hier sind die wichtigsten Dinge, die ich in den letzten neun Jahren gelernt habe…

Handelsgebühren fallen. Investmentkosten nicht. Indexfonds kosten jetzt fast gar nichts mehr. Das ist ein großer Gewinn für die Investoren, aber die emotionalen Kosten des Investierens sind immer noch unverändert hoch. Der massive Anstieg bei den Finanzmedien ist auch gut, aber auch das hat einen Nachteil: Wir werden mit immer mehr Schlagzeilen bombardiert, die die Gier, Angst und Zweifel in uns ansprechen und daher wird es auch leichter als jemals zuvor, abgelenkt zu werden und in Euphorie, Verwirrung und Pessimismus zu verfallen. Alles Wertvolle hat auch einen Preis. Der höchste Preis beim Investieren sind die Emotionen, wenn man sich unwohl fühlt und nicht weiß, was die Zukunft bringen wird – wenn man sich fragt, ob man auch das Richtige tut. Diese Kosten sind größer als die Gebühren, die an die Berater gehen und ihre Währung sind Stresshormone statt Dollar oder Euro. Viele Investoren erkennen, dass der Preis zu hoch für sie ist und geben auf. Aber wenn man den Preis bezahlt, dann ist der Gewinn immer noch so hoch wie früher.

Der Großteil des Investierens beschränkt sich darauf, katastrophale Fehler zu vermeiden. Wenige „gute” Entscheidungen sind nötig, um im Lauf der Zeit, gute Ergebnisse zu erzielen. Das ist eine neue Entwicklung in der Welt des Investierens. In der Vergangenheit bedeutete erfolgreiches Investieren ein Insider zu sein, mit Zugang zu den Produkten und Informationen. Heute haben alle die nötigen Werkzeuge zur Hand, egal wie viel oder wenig man investiert. Fonds mit niedrigen Kosten, Nachrichten, Offenlegungsklauseln und Tracking-Software. Jeder kann das nutzen. Alles, was du tun musst, ist einen kühlen Kopf behalten und es nicht zu verpatzen. Das ist die einzige Fähigkeit, die man heutzutage braucht.

Die meisten Investmentfehler und der größte Frust kommen davon, einen Marathon in einer Stunde laufen zu wollen. Diversifiziertes Investieren ist so einfach. Die Unternehmen machen Gewinne und über einen langen Zeitraum kommen diese Gewinne den Aktionären zugute. Wenn du es dabei belässt – und das solltest du auch – dann ist das Investieren so eine einfache Sache, dass man nicht viel tun muss. Aber anstatt die Gewinne im Lauf der Zeit wachsen zu lassen, versuchen viele in der Investmentbranche den Prozess zu beschleunigen. Das macht man, indem man versucht zu erraten, was andere Investoren als nächstes tun werden und zu versuchen, ihnen einen Schritt voraus zu sein. Das ist aber milliardenfach schwerer als wahres Investieren und das ist auch der Grund für die meisten Investmentfehler. Es ist aber für viele potenziell zu lukrativ, um es auszulassen.

Fortschritt passiert zu langsam, um ihn zu bemerken; Rückschläge passieren zu schnell, um sie zu ignorieren. Der Markt hat 2008 schnell 38 % verloren und das war eine Riesensache. Bücher wurden darüber geschrieben und Anhörungen im Kongress wurden abgehalten. Wir werden noch in Jahrzehnten darüber sprechen. Der Markt verdreifachte sich dann zwischen 2009 und 2015 und kaum jemand hat mit der Wimper gezuckt. Man musste den Leuten schon die Zahlen zeigen, damit sie es glauben konnten. Das ist aber eine normale Sache: Rezessionen passieren in Monaten, Erholungen brauchen Jahre. Es kann Jahrzehnte dauern, bis Unternehmen wertvoll werden, aber ein Bankrott passiert über Nacht. Der Schmerz tut mehr weh als derselbe Gewinn gut tut, aber der Zeitunterschied zwischen Fortschritt und Rückschlägen erklärt, warum es so viele Pessimisten gibt, wenn im Lauf der Zeit doch alles besser wird.

Wenige Dinge sind wertvoller als die Möglichkeit, Fehler zu machen. Sich eine große Diskrepanz zwischen dem, was passieren könnte und dem was passieren muss, damit du deine Ziele erreichst, leisten zu können, ist unbezahlbar. Langfristiger Erfolg hat mehr damit zu tun, immer wieder mit den Schultern zu zucken, wenn sich die Welt unvorhersehbar zeigt, als immer recht zu haben.

„Mach nicht alles” ist meist der beste Rat für die meisten Leute, aber es ist intellektuell nicht interessant genug für viele. Die meisten Dinge weisen eine positive Korrelation zwischen Aufwand und Ergebnis auf. Das Investieren ist ein Feld, wo die Korrelation negativ ist, besonders bei Amateuren. Je höher dein IQ, desto schwerer ist es das zu akzeptieren.

Niemand ist klüger als das Kollektiv von Millionen anderer Investoren. Einige sind aber etwas geduldiger und weniger emotional. Hier befindet sich das Potenzial für einen Vorteil den anderen gegenüber. Vor dreißig Jahren war das Investieren ein analytisches Spiel, weil die Information nicht vorhanden und Computer nicht die Welt nach falsch bewerteten Vermögenswerten durchkämmt haben. Das hat sich inzwischen geändert. Die meisten analytischen Gelegenheiten werden jetzt voll ausgenutzt. Aber es gibt immer noch eine Möglichkeit, einen Vorteil gegenüber den anderen zu erlangen, wenn man geduldig ist und sich richtig verhält.

Es gab nie eine bessere Zeit, um zu investieren. Niemals in der Geschichte. Mehr Leute haben Zugang zu erstklassigen Diensten als jemals zuvor. Das ist so wichtig und wir wenden nicht genug Zeit auf, um zu erkennen, wie gut es ist.

Danke für wunderbare neun Jahre.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 30.08.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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