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Drei deutsche MicroCaps, die sich verdoppelt haben – bei Nr. 3 kann noch einiges gehen

Bild: Ralf Anders

Die Aktienmärkte legten über den Sommer eine Ruhepause ein, viele Aktien liegen auf Sicht von drei Monaten im Minus. Trotzdem gibt es auch jetzt noch zahlreiche bärenstarke Entwicklungen. Einige Nebenwerte haben sich über die letzten 12 Monate sogar mehr als verdoppelt. Hier sind drei davon, wobei ich die weiteren Aussichten sehr unterschiedlich einschätze.

Nr.1: GK Software (WKN:757142) bringt Händler auf Vordermann

Als Partner des Einzelhandels entwickelt GK Software Systeme für die Optimierung der Geschäftsprozesse. NETTO, Tchibo und EDEKA gehören genauso zum Kundenstamm wie Coop und Migros in der Schweiz oder X5 in Russland. Nach einem schwachen Geschäftsjahr 2015 läuft es jetzt wieder ausgezeichnet. 2,8 Mio. Euro Jahresgewinn und eine Eigenkapitalquote von 44 % Ende 2016 stellen eine gute Grundlage dar, auf der sich aufbauen lässt. Über eine starke Partnerschaft mit SAP (WKN:716460) zur Digitalisierung des Handels sollen internationale Chancen ergriffen werden, das sorgt für Fantasie.

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Wohl auch deshalb ist der Kurs über die letzten 12 Monate auf über 120 Euro geschossen, ein erstaunliches Plus von 169 % (Stand 08.09). Mittelfristig sollten laut Schätzungen dank des gut skalierbaren Geschäftsmodells Gewinne im niedrigen zweistelligen Millionenbereich drin sein. Das klingt plausibel und könnte den aktuellen Börsenwert von 230 Mio. Euro durchaus rechtfertigen. Aber ein Schnäppchen ist diese Aktie nicht mehr, würde ich sagen.

Nr.2: Vectron Systems (WKN:A0KEXC) macht klasse Kassen

Komplementär zur Software von GK sind die Kassensysteme von Vectron (nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Loks von Siemens). Deren Aktienkurs verdreifachte sich über wenige Monate. Seit Anfang Juni kam er wieder ein gutes Stück zurück, aber Vectron zählt immer noch zu den Stars des noch jungen Börsensegments Scale und in den letzten Tagen ging es nach Veröffentlichung der Halbjahreszahlen wieder steil nach oben.

Gerade bei Bäckerei-Ketten und der Gastwirtschaft ist man sehr erfolgreich unterwegs, obwohl die Wettbewerberlandschaft sehr fragmentiert ist. Das integrierte Kundenbindungsprogramm und eine 2016 akquirierte Kassensoftware, die mit mobiler Apple-Hardware funktioniert, sollen für weiteres Wachstum sorgen. Mit der Zweitmarke Duratec will man zudem auch in weniger anspruchsvollen Märkten Kunden gewinnen.

Hört sich doch eigentlich alles gut an, finde ich. Allerdings gibt es ein großes Aber: Das Unternehmen wird jetzt an der Börse mit gut 200 Mio. Euro bewertet (Stand 08.09), bei gerade mal 15 Mio. Euro Eigenkapital und Umsätzen von 19 Mio. Euro im letzten Halbjahr. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man dieses Kursniveau rechtfertigen will.

Nr.3: CO.DON (WKN:A1K022) macht Gelenke geschmeidig

In einer alternden und oft übergewichtigen Gesellschaft machen Gelenke und Bandscheiben immer mehr Menschen zu schaffen. Da die Medizin hierfür bisher nur unzureichende Lösungen in petto hat, eröffnet sich ein riesiger Markt für neue Ansätze. CO.DON hat sich auf die Zellzüchtung und regenerativen Therapieverfahren spezialisiert und hat damit offenbar zunehmend Erfolg. Bei der Arthrose-Prophylaxe strebt man nach der Marktführerschaft, nach Deutschland und Europa sollen Nordamerika und die ganze Welt erobert werden.

2016 hat das Management die Strategie neu ausgerichtet, um alle Ressourcen auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Schließlich schreibt CO.DON trotz steigender Umsätze weiterhin Verluste und ist noch regelmäßig auf Eigenkapitalerhöhungen angewiesen — gerade Ende August wurde die nächste angekündigt. Neben den teuren Zulassungsprozessen und der Forschung soll damit auch die Hinzunahme von ergänzenden Produktentwicklungsprojekten finanziert werden.

Die Aktie ist auf Monatssicht 15 % im Minus, aber auf Jahressicht stolze 163 % im Plus (Stand 08.09). Die aktuelle Marktkapitalisierung von 137 Mio. Euro wirkt noch absolut im Rahmen, wenn man darauf vertraut, dass CO.DON tatsächlich ein profitabler internationaler Spieler im Arthrose-Geschäft und darüber hinaus werden kann.

Und sonst?

Wenn man über solche MicroCaps schreibt, muss man schnell sein. Eigentlich wollte ich auch über 4SC (WKN:A14KL7) berichten. Das Biotech-Unternehmen forscht ähnlich wie Mologen (WKN:663720) an Molekülen, die sich beispielsweise im Kampf gegen diverse Krebsvarianten bewähren sollen. Beide Aktien waren zwischenzeitlich über 100 % gestiegen, aber der Kurs befindet sich jetzt wieder unterhalb dieser Marke. Bei solchen verlustschreibenden Unternehmen gilt „hopp oder top“: Der zukünftige Erfolg hängt zum großen Teil davon ab, ob der große Durchbruch gelingt oder eben nicht. Alternativ schlägt irgendwann ein Pharmariese zu, wie diesen Monat Merck & Co (WKN:A0YD8Q) bei Rigontec aus Martinsried.

Das Risikoprofil von CO.DON sehe ich ganz ähnlich. Hingegen sind Vectron und GK Software beide etabliert und profitabel, womit ihre Aussichten besser einschätzbar sind. Trotzdem ist auch bei diesen jetzt Vorsicht angesagt. Denn wenn ich wählen müsste, würde ich doch am ehesten auf CO.DON setzen, vor allem, wenn ich nach dem Sport mal wieder Knieschmerzen habe. Wer es solider mag, der kann sich beispielsweise WASGAU (WKN:701600) genauer anschauen, eine Back- und Metzgerei-Gigafactory aus Pirmasens, deren Aktien sich über die letzten 12 Monate ebenfalls fast verdoppelt haben.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple.

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