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Gazprom: Die bedrohliche Flüssiggas-Konkurrenz aus Amerika

Die neuen Sanktionen aus den USA sollen russischen Rohstoffunternehmen das Leben schwer machen und prompt kommt in Litauen die erste Lieferung Flüssiggas aus den USA an. Als ob die Aktionäre von Gazprom (WKN:903276) nicht schon genug Sorgen hätten, müssen sie sich nun auch noch Gedanken über die bedrohliche Konkurrenz aus Amerika machen.

Hier erfährst du mehr darüber.

Was für eine Verdrängung der russischen Energielieferer spricht

Auf den ersten Blick sieht alles nach einer klaren Verdrängungsstrategie aus. Die neuen von den USA verhängten Sanktionen richten sich konkret gegen den Ausbau russischer Exportinfrastruktur und machen kaum ein Geheimnis daraus, dass man sich dadurch auch einen Vorteil für die eigene Wirtschaft erhofft.

Die soll nämlich davon profitieren, dass man große Mengen Schieferöl- und gas weltweit exportiert. So hat Präsident Donald Trump auch bei seiner Rede in Polen im Juli betont, dass die USA vorhaben, ihre Lieferungen von Flüssiggas nach Europa zu steigern. Gerade in Osteuropa, wo die Angst vor der Übermacht Russlands und vor einer Abhängigkeit russischer Rohstofflieferungen besonders groß ist, hört man solche Pläne gerne.

Passend dazu hat nur kurze Zeit später Litauen seine erste Lieferung amerikanischen Flüssiggases erhalten. Das kleine Land will sich möglichst unabhängig von Russland und somit auch von Gazprom machen. Heißt das aber wirklich, dass amerikanisches Flüssiggas bald Gazprom den Rang ablaufen könnte? Es gibt berechtigte Zweifel.

Wieso alles halb so wild sein dürfte

Es ist wenig verwunderlich, dass es ein ganzes Stück teurer ist, Gas erst zu verflüssigen und dann um die halbe Erdkugel zu transportieren. Das heißt, die USA starten den Wettbewerb mit einem Kostennachteil, den sie kaum einholen können, da die dortigen Förderer schon jetzt am Rande der Profitabilität arbeiten. Außerdem ist es viel lukrativer, das Gas in anderen Teilen der Welt zu verkaufen, wo die Preise höher als in Europa liegen.

Auch scheinen viele die für den Transport von Flüssiggas vorhandene Infrastruktur zu überschätzen. Bisher hat die USA mit Sabine Pass in Louisiana nur ein einziges Flüssiggas-Terminal, das Gas ins Ausland exportiert. Weitere Terminals sind in Planung, allerdings ist es nicht einfach, die Infrastruktur hier in kurzer Zeit massiv auszubauen. Europa hat außerdem nur begrenzte Infrastrukturkapazitäten, um Flüssiggas abzunehmen.

Es spricht wenig dafür, dass amerikanisches Flüssiggas eine sinnvolle Alternative für einen großen Teil der russischen Gaslieferungen ist. Ein leicht bitterer Nachgeschmack bleibt trotzdem.

Ein bisschen mehr Wettbewerb und ein neues politisches Druckmittel

Einfach ersetzt werden Gazproms riesige Lieferungen also auf keinen Fall. Selbst mit zusätzlichen Flüssiggaslieferungen dürfte wahrscheinlich sogar noch wachsende Nachfrage in Europa zu finden sein. Ein kleiner Seitenhieb bleibt diese Entwicklung dennoch.

Für Verhandlungen wichtige Länder wie Polen oder Baltikum-Staaten, die allesamt Ostseezugang haben, haben dank amerikanischer Lieferungskapazitäten eine bessere Verhandlungsmacht. Das wird sich vielleicht bemerkbar machen, wenn es darum geht, neue Infrastrukturmaßnahmen genehmigt zu bekommen. Außerdem könnte es die Preismacht von Gazprom in Zukunft einschränken.

Da russisches Gas allerdings günstig ist und Europa auf die Lieferungen von Gazprom dringend angewiesen ist, sind die neuen Entwicklungen sicherlich keine Existenzbedrohung für den russischen Energieriesen.

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Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.