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Vergiss die Value-Prämie!

Foto: Matt Koppenheffer

In der Wissenschaft hat man über viele Jahre ein paar sogenannte Prämien in der Aktienwelt feststellen können. So wird sowohl kleinen Unternehmen als auch Value-Aktien eine langfristig bessere Performance zugeschrieben.

Was in der Theorie gut klingt, bringt Anlegern in der Realität aber nichts. Hier erfährst du, wieso die Value-Prämie in die Mottenkiste gehört.

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Es gibt Beweise für die Value-Prämie

Die Value-Prämie wurde 1992 von Eugene Fama und K. G. French entdeckt. Die Wirtschaftswissenschaftler zeigten, dass Aktien mit einem niedrigen Kurs-Buch-Verhältnis über lange Zeiträume bessere Renditen einbrachten als Aktien mit einem höheren Kurs-Buch-Verhältnis.

Wer sich einmal aktuell ansieht, wie sich amerikanische und internationale Value-Aktien langfristig entwickelt haben, findet darin die Bestätigung:

Index Rendite seit Ende 1974 in Prozent Überrendite in Prozent
MSCI USA Value  12,11 0,26
MSCI USA 11,85
MSCI World Value 11,95 1,00
MSCI World 10,95
MSCI Europe Value 11,84 0,44
MSCI Europe 11,40

Quelle: MSCI, Stand 31.07.2017, durchschnittliche jährliche Rendite inkl. Dividenden und in US-Dollar

MSCI verwendet zwar eine etwas andere Methodologie als Fama und French, aber um den aktuellen Stand zu messen, sind das die besten Daten. Die Value-Prämie ist also durchaus vorhanden. Mit 0,26 % in den USA, 0,44 % in Europa und 1 % in Industrieländern gab es einen respektablen Aufschlag auf langfristige Renditen. Dafür muss man sehr, sehr weit zurückgehen.

Das letzte Jahrzehnt war schmerzhaft

Die letzten zehn Jahre waren nämlich ziemlich undankbar für Value-Investoren:

Index Rendite der letzten zehn Jahre Überrendite in Prozent
MSCI USA Value  6,22 -1,58
MSCI USA 7,80
MSCI World Value 3,92 -1,12
MSCI World 5,04
MSCI Europe Value -0,12 -1,86
MSCI Europe 1,74

Quelle: MSCI, Stand 31.07.2017, durchschnittliche jährliche Rendite inkl. Dividenden und in US-Dollar

Wie man sieht gilt in den letzten zehn Jahren in allen drei Fällen, dass die Value-Prämie sich umgekehrt und ihren Anlegern unterdurchschnittliche Renditen gebracht hat. Ein Blick in die jüngeren, aber immer wichtigeren Indizes der Aktienmärkte in Asien und Schwellenländern bringt ähnliche Ergebnisse:

Index  Rendite seit Ende 1996  Überrendite in Prozent  Überrendite der letzten zehn Jahre
MSCI AC Asia ex Japan Value  5,27 0,09 0,35
MSCI AC Asia ex Japan 5,18
MSCI Emerging Markets Value 6,93 0,19 -0,38
MSCI Emerging Markets 6,74

Quelle: MSCI, Stand 31.07.2017, durchschnittliche jährliche Rendite inkl. Dividenden und in US-Dollar

In den letzten circa zwanzig Jahren konnte man winzige Überrenditen von Value-Aktien in Asien und Schwellenländern feststellen, allerdings bleibt nur in Asien die Value-Prämie auch in den letzten zehn Jahren erhalten.

Das macht alles noch schlimmer

Investoren stehen jetzt vor einem Dilemma. Sehr langfristige Analysen deuten auf eine Value-Prämie hin, allerdings haben die letzten zehn Jahre daran starke Zweifel aufkommen lassen. Niemand weiß so recht, ob die Value-Prämie wirklich wieder zurückkehren wird und wenn ja, wie lange diese auf sich warten lassen wird.

Für mich ist die Entscheidung, die Value-Prämie zu ignorieren, aber überraschend einfach – sie hat mit dem deutschen Steuersystem zu tun. Die genannte Prämie gilt nämlich für die gesamte Rendite von Aktien, also inklusive ausgeschütteten und wieder angelegten Dividenden.

Hier haben wir aber ein Problem. Value-Aktien schütten höhere Dividenden aus als die Vergleichsindizes. Das heißt, um die in der Theorie existierende Rendite zu erreichen müssen mehr Dividenden wieder angelegt werden, was allerdings mit Kosten verbunden ist, die im Modell nicht berücksichtigt werden.

Für deutsche Investoren ist die Situation sogar noch schlimmer, schließlich schnappt sich der Fiskus sofort etwas mehr als ein Viertel deiner Dividende in Form der Kapitalertragsteuer. Das bedeutet, dass dir gar nicht die volle Dividende zur Reinvestition zur Verfügung steht. Der bei Value-Aktien höhere Dividenden-Anteil an der Gesamtrendite verringert also aufgrund der Kapitalertragsteuer die Value-Prämie um ein ganzes Stück.

Nach Handelskosten und Steuernachteilen dürfte demnach nichts mehr von der Value-Prämie übrig bleiben, falls sie überhaupt wiederkehrt. Die Value-Prämie hat ausgedient.

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Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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