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Ich kann nicht glauben, dass Mastercard 920 Millionen USD für dieses Fintech bezahlt hat

Bildquelle: Flickr-User Fooleditorial.

Seit dem Börsengang im Jahr 2006 spielt sich bei Mastercard (WKN:A0F602) eine unglaubliche Rallye ab. Das Unternehmen konnte den Investoren seither 2750 % Rendite bringen – wenn man damals glücklich und weitsichtig genug war, gekauft zu haben. Wie die meisten Investoren wissen, ist Mastercard ein Zahlungsnetzwerk, dass bei Karten- und digitalen Zahlungen eingesetzt wird. Jedes Mal, wenn eine der Karten benutzt wird, um einen Kauf zu tätigen, bekommt Mastercard eine Transaktionsgebühr. Abhängig davon, ob diese Transaktion im Heimatland der ausgebenden Bank stattfand, wird im In- oder Ausland noch einmal eine Gebühr fällig. Im letzten Quartal konnte Mastercard damit etwa 85 % seiner Umsätze generieren.

Die verbleibenden 15 % Umsatz entfielen auf die Sparte Anderes, die mehrere Dienstleistungen angefangen von Schutz vor Betrug und Datenanalyse bis hin zu Consulting und dem Management von Kundentreue-Programmen unter sich vereint. Dieses Segment ist verglichen mit den anderen Umsatzquellen von Mastercard relativ klein, doch es wächst sehr schnell. Im zweiten Quartal 2017 erhöhten sich die Umsätze um 18 % im Jahresvergleich.

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Letzten Sommer verkündete Mastercard, man würde das Londoner Fintech VocaLink Holdings Limited für etwa 920 Millionen US-Dollar kaufen. Nachdem im April die britischen Aufsichtsbehörden grünes Licht gegeben hatten, ging der Kauf im Mai über die Bühne. VocaLink bietet Überweisungen in Echtzeit, was auch unter dem Namen Fast ACH bekannt ist. Dieser Dienst wird in den wichtigsten Finanzmärkten weltweit angeboten. Dazu zählen Großbritannien, Singapur und Thailand. Durch eine Partnerschaft mit Clearing House wird VocaLink diesen Dienst Ende des Jahres auch in die Vereinigten Staaten bringen.

Warum Mastercard VocaLink möchte

Mastercard glaubt, dass VocaLink dem Unternehmen helfen wird, zu einem Anbieter aus einer Hand zu werden, der jeder Bank oder jedem Händler wertvolle Dienste anbietet, bei denen die Konkurrenten nicht mithalten können. Dabei hat Mastercard besonders seinen Erzrivalen Visa Inc (WKN:A0NC7B) im Blickpunkt. Während der Telefonkonferenz zum zweiten Quartal beschrieb CEO Ajay Banga die Vorteile wie folgt:

VocaLink und Fast ACH vervollständigen unseren Zahlungsdienst MasterCard Send. Es erleichtert das Senden von Geld fast in Echtzeit … für praktisch alle Debitkarten-Konten in den USA … Wir verfügen jetzt über eine Kombination an Produkten, von denen wir glauben, dass die Kunden diese möchten. Durch diesen Prozess können wir noch mehr neue Zahlungsströme abwickeln. Wir haben die Kartentechnologie, bereits seit Jahren. Wir haben MasterCard Send und jetzt Fast ACH. Damit kann Mastercard zum Anbieter für alle Dienste werden, für Kunden, Banken, Händler und Regierungen.

War diese Übernahme wirklich nötig?

Einige werden diese Übernahme in Frage stellen. Auf die Frage, ob VocaLink einen Nachteil für Visa im Vergleich zu Mastercard darstellen würde, antwortete Visa-CEO Al Kelly, dass es diesen Nachteil nicht gäbe, weil Visa selbst bereits ähnliche Möglichkeiten entwickelt habe. Auf der jährlichen J.P. Morgan Global Technology, Media, and Telecom Conference sagte Kelly Folgendes:

VocaLink, nun, jemand würde Mastercard fragen, was die Logik dahinter ist und was der Plan ist? Wir glauben, dass wir eine perfekte Antwort auf VocaLink haben, und das ist Visa Direct.

Kelly fügte hinzu, dass Visa Direct sogar besser wäre als VocaLink, da es ein globales System wäre, während sich ACH nur auf einzelne Länder konzentriere. Er fügte hinzu, dass Visa von VocaLink nicht besonders beeindruckt gewesen wäre.

Wenn das stimmen sollte, dann ist die Übernahme von VocaLink durch Mastercard etwas seltsam, da Mastercard ja schon einen ähnlichen Dienst wie Visa Direct in Form von MasterCard Send hat. Die Analysten stellten verschiedene Fragen, warum die Übernahme nötig wäre. Nachdem die Frage durch die Erklärung der Fähigkeiten von VocaLink mehrmals beantwortet worden war, antwortete Banga, dass die B2B-Möglichkeiten für Fast ACH enorm wären.

Ansichten eines Fools

Banga sagte, dass Mastercard hinter dem stehen würde, was man mit MasterCard Send erreichen könne, aber dass diese Lösungen nicht ausreichen würden. Er sprach davon, welches Zahnungsvolumen VocaLink in Großbritannien abgewickelt habe:

Allein in Großbritannien werden über diese Echtzeit-Plattform etwa 1,4 Milliarden Transaktionen pro Jahr abgewickelt. Der Wert dieser Transaktionen beträgt 1,5 Billionen US-Dollar. Wenn wir uns die normalen Kartentransfers und MasterCard Send ansehen, dann ist das nur ein Bruchteil davon.

Für einen Außenstehenden ist es praktisch unmöglich zu sagen, ob Mastercard oder Visa hier Recht hat. Die Aktionäre von Mastercard können zumindest sagen, dass die ersten Ergebnisse vielversprechend aussehen. Im letzten Quartal konnte Mastercard einige große Verträge an Land ziehen, die das Unternehmen angeblich nicht über den niedrigen Preis, sondern über ein differenziertes Angebot gewinnen konnte. Ob Visa dasselbe liefern kann oder nicht, ob Mastercard Bankportfolios und Händler mit Fast ACH für sich gewinnen kann, bleibt die Frage. Die Investoren werden die Übernahme von VocaLink an diesen zukünftigen Ergebnissen messen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Visa und Mastercard.

Dieser Artikel wurde von Matthew Cochrane auf Englisch verfasst und am 24.08.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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