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Wie das Rüstungsgeschäft und die LKWs den Volkswagen-Konzern wieder stabilisieren

Der Wolfsburger Konzern wird in der Regel am Erfolg seiner Automarken wie Volkswagen (WKN:766403), Audi und Porsche gemessen. Weil die in letzter Zeit eine ziemliche Achterbahn erleben, ist es gut zu wissen, dass es noch weitere Geschäftsbereiche gibt, die für Stabilität sorgen. Das gilt insbesondere für die Töchter MAN und Scania.

Der Erfolg der globalen Nutzfahrzeugplattform

Es war ein mühsamer Prozess, aus Scania, MAN und der eigenen Bus-und-LKW-Fertigung in Resende (Brasilien) eine Einheit zu formen. Interne Rivalitäten sorgten immer wieder für Verzögerungen, sodass erst nach und nach sichtbare Synergien gehoben werden konnten. Das schlägt sich jetzt endlich auch in den Halbjahresergebnissen nieder. Scania meldete zum ersten Halbjahr 2017 Rekorderlöse und steigende Gewinne und auch bei MAN Truck & Bus lagen fast alle wichtigen Kennzahlen im grünen Bereich.

Vor allem der Auftragseingang war stark und lässt ein starkes Jahresergebnis erwarten. Neben Europa spielte der sich erholende brasilianische Markt eine wichtige Rolle für beide Marken. Damit es mit dem Wachstum auch in Zukunft weitergeht, wurde zum einen die Präsenz in wichtigen asiatischen Märkten ausgebaut und zum anderen über eine strategische Allianz mit Navistar International (WKN:886965) der Zugang zum amerikanischen Markt gesichert. Somit deckt das Netzwerk heute fast den ganzen Globus ab und kann es mittlerweile ganz gut mit dem Marktführer Daimler (WKN:710000) aufnehmen.

Das ist doch schon mal eine gute Grundlage. Dass die großen Nutzfahrzeuge von der sogenannten Dieselproblematik nicht betroffen sind, ist ebenfalls positiv. Als Anleger sehe ich es immer gern, wenn es Lichtblicke gibt, während es anderswo brennt. Bei zu einseitig ausgerichteten Unternehmen sind die Risiken ungleich höher. Ich denke da beispielsweise an den pleitegegangenen Airbag-Hersteller Takata.

Das ist aber noch nicht alles — hier sind noch zwei weitere positive Aspekte, die MAN und Scania einbringen:

Alternativen zum Diesel als Chance

Im PKW-Bereich bewegt sich VW in einem Minenfeld, wenn es um die Elektrifizierungsstrategie geht. Gehen es die Wolfsburger zu schnell an, droht Selbstkannibalisierung. Gehen sie es hingegen zu langsam an, könnten sie Marktanteile verlieren. Außerdem gibt es eine unüberschaubare Vielfalt an Designvarianten und es muss sich erst noch herauskristallisieren, was wirklich erfolgreich am Markt einschlägt.

Bei LKWs ist die Situation wesentlich entspannter. Zwar gibt es auch dort Prototypen, die den Elektromotor propagieren, aber auf absehbare Zeit wird sich der Diesel sicherlich noch gut behaupten können. Falls ein alternativer Antrieb sich durchsetzen sollte, dann wäre es wahrscheinlich eher einer, der auf Erdgas basiert.

Wie ich in einem anderen Artikel vom 5. Dezember 2016 herausgearbeitet habe, würde der MAN-Konzern von einer solchen Entwicklung außerordentlich profitieren, weil er rund um das Thema Flüssigerdgas (LNG) eine Menge Technologie im Portfolio hat, darunter zum Beispiel Kompressionsanlagen. Auch die passenden LKWs sind schon längst entwickelt. Die Motorentechnik unterscheidet sich dort ja auch nur in Details vom Diesel, weshalb der Wandel ohne Schwierigkeiten bewältigt werden könnte.

Selbst wenn sich zudem das geopolitische Umfeld zum Schlechten wandelt, sieht es für die VW-Aktie nicht so übel aus:

Verteidigungstechnik als zusätzlicher Risikopuffer

Auf reine Rüstungshersteller setze ich ehrlich gesagt nicht so gerne. Dass diese hochschnellen, wenn irgendwo ein Krieg entbrennt, hinterlässt ein ungutes Gefühl, denn darauf will ich nicht hoffen. Da freue ich mich lieber über Dinge wie die Errichtung eines Offshore-Windparks. Als nüchterne Depotabsicherung können solche Aktien trotzdem nützlich sein. Eine ähnliche Absicherung hat der VW-Konzern bereits serienmäßig eingebaut.

Sollten Konflikte Handelswege abschneiden oder die Nachfrage nach Autos und Nutzfahrzeugen einbrechen lassen, dann stehen die Chancen gut, dass es zumindest beim Sicherheits- und Militär-Geschäft weiterhin gut läuft. Scania und MAN haben dafür ein recht breites Lösungs-Portfolio im Angebot (bei MAN im Joint Venture mit Rheinmetall (WKN:703000) namens RMMV), darunter Transportfahrzeuge mit Panzerung, spezielle LKWs mit Rettungsausrüstung und Motoren für Patrouillen- und Kriegsschiffe.

Scania hat beispielsweise in diesem Jahr langjährige Verträge mit dem dänischen und irischen Militär abgeschlossen, bei denen es unter anderen um die Lieferung von speziell ausgerüsteten Trucks geht. Auf diesem Gebiet besteht eine gesunde halb-interne Rivalität mit RMMV.

Irgendwas geht immer

Der VW-Konzern mag derzeit seine Probleme haben. Allerdings stecken in diesem Marken-Universum auch viele etwas versteckte Chancen, welche ausgleichend wirken. Die stattlichen Gewinne aus dem schnell wachsenden Geschäft mit LKWs, Ausrüstung und Bussen können die Wolfsburger derzeit gut gebrauchen, und für Investoren ist es beruhigend, dass dieser Sparte selbst kriegerische Konflikte und technologische Umbrüche nur wenig anhaben können.

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Ralf Anders besitzt Wertpapiere auf Daimler. The Motley Fool empfiehlt Daimler.