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Aptuit-Übernahme: Finger weg von Evotec!?

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Evotec ist zweifelsohne ein hervorragendes Biotech-Unternehmen mit großer Expertise in der Arzneimittelforschung, den es als Service für Pharmaunternehmen anbietet. Der Trend der Pharmaindustrie zur Auslagerung bestimmter Forschungsaktivitäten an dafür spezialisierte Unternehmen hält an, so dass nichts gegen das Geschäftsmodell von Evotec spricht. Wo aber liegt der faire Wert des Unternehmens?

Was macht Evotec eigentlich?

Evotec (WKN:566480) ist ein Auftragsforschungs-Unternehmen, das im Auftrag von Pharmafirmen Forschung betreibt und für diesen Service bezahlt wird. Zudem kommen noch Meilensteinzahlungen hinzu, gerade wenn aus dieser Forschung Wirkstoffe hervorgebracht werden, die in klinischen Studien getestet werden oder gar die Marktzulassung erhalten.

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Der Vorteil des Geschäftsmodells von Evotec besteht im geringen finanziellen Risiko und einer damit verbundenen Stabilität. Anders als Biotech-Unternehmen, die selbst Medikamente zulassen, sind die Einnahmen aber auch deutlich geringer. Damit ist die Kursphantasie natürlich auch sehr begrenzt.

Pharmafirmen schätzen die Möglichkeit der Auslagerung von Forschungsaktivitäten, da sie selbst nicht die Experten einstellen müssen, um an das Knowhow zu kommen. Zudem können sie jederzeit Projekte stoppen, wenn die Ergebnisse enttäuschen und haben dann keine Mitarbeiter auf der Gehaltsliste, bei denen sie nicht wissen, was sie mit ihnen nun anfangen sollen. Skat spielen ist auch keine Lösung.

Wie hat sich Evotec bisher entwickelt?

Von 2010 bis Mitte 2016 dümpelte die Evotec-Aktie so um die drei Euro herum und machte nach Verlusten in den Vorjahren in 2015 Gewinne. Seitdem ging es positiv weiter, sodass gegenüber 2015 der Reingewinn um 63 % von ca. 17 auf 27 Mio. Euro in 2016 stieg.

Seit Mitte 2016 ging dann die Rallye los, und die Evotec-Aktie hatte sich in der Spitze bis über 14 Euro im Juli mehr als verdreifacht. Durch die finanziell bessere Entwicklung sowie weitere positive Nachrichten war ein grundsätzlicher Anstieg der Aktie sicher gerechtfertigt. Und auch im ersten Quartal 2017 folgten weitere gute Neuigkeiten wie z.B. der Einstieg von Novo A/S als neuer strategischer Langzeitinvestor.

Woher nun kam dieser Hype der Aktie? Durch die Vielzahl an Kooperationen und ein Voranschreiten in der Entwicklung von Medikamentenkandidaten konnte Evotec die Einnahmen signifikant verbessern. So erhöhten sich die Meilensteinzahlungen in Q1 2017 gegenüber Q1 2016 um 34 % auf 50,2 Mio. Euro. Gleichzeitig stiegen die Forschungsaufwendungen mäßig um 6 % auf 4,7 Mio. Euro.

Für 2017 ist ein Wachstum größer 15 % geplant, das auf Forschungskooperationen wie z.B. der mit Bayer zur Identifizierung von Wirkstoffen gegen Endometriose basiert. Diese Kooperation wurde aufgrund erfolgreicher Ergebnisse nun kürzlich bis Ende 2018 verlängert.

Aber es gibt auch Rückschläge: Janssen Pharmaceuticals, Tochter von Johnson & Johnson (WKN:853260), ist aus der Entwicklung von Wirkstoffen gegen Alzheimer ausgestiegen, und auch die am weitesten fortgeschrittene Kooperation mit Roche (WKN:855167) steht auf wackeligen Beinen.

Man verstehe mich nicht falsch – Evotec ist eine auf seinem Fachgebiet herausragende Firma mit hervorragenden Referenzen und bewiesener Expertise. Zudem liegen Misserfolge nicht an Evotec, sondern sind natürlicher Teil der Forschung. Es gibt immer Erfolge und Rückschläge – das ist normal.

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Ist Evotec fair bewertet?

Der springende Punkt für uns Investoren ist nun aber, ob Evotec fair bewertet ist. Von jüngeren forschenden Pharmaunternehmen, die selbst Medikamente entwickeln wie z.B. Medigene (WKN:A1X3W0), Kite Pharma (WKN:A116CA) oder Juno Therapeutics (WKN:A12GMP) kennen wir, dass sie ohne Produkt am Markt deutlich überbewertet scheinen.

Was ist der Unterschied? Bei den zuletzt genannten Firmen klingeln die Kassen, wenn einer ihrer Wirkstoffe die Marktzulassung bekommt. Häufig genug handelt es sich um Blockbuster, d.h. sie erwirtschaften Umsätze jenseits einer Milliarde US-Dollar. Deshalb sind solch hohe Bewertungen der großen Kursphantasie geschuldet.

Wie ist das bei Evotec? Als Auftragsforschungs-Unternehmen geht Evotec weniger Risiko ein, wodurch auch die Einnahmen überschaubar bleiben. Aus diesem Grund sind hohe Bewertungen aus meiner Sicht nicht zu rechtfertigen.

Zudem kann sich der Trend der Auslagerung von Forschungsaktivitäten in der Pharmaindustrie durch äußere Umstände auch wieder ändern, sodass Projekte nicht weitergeführt werden. Dies hätte direkte Konsequenzen für Evotec.

Kürzlich, am 12. Juli, hat die DZ-Bank den fairen Wert von Evotec von 7,80 Euro auf 8,30 Euro angehoben, mit der Begründung, dass zahlreiche neue Forschungsvereinbarungen abgeschlossen wurden. Allerdings würden sich diese erst mittel- bis langfristig positiv auswirken.

Wenn wir auf bestehende Kooperationen wie z.B. mit Boehringer Ingelheim zurückblicken, so besteht die Kooperation im Bereich Onkologie seit 2009. Das verwundert wenig, wenn man weiß, dass die Medikamentenentwicklung durchschnittlich zwölf Jahre dauert.

Für 2017 ist Evotec mit einem KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von über 60 bewertet. Nehmen wir ein Wachstum von 15 % pro Jahr an, so ergäbe sich ein PEG (Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis) von vier. Im allgemeinen wird ein PEG von eins als fair bewertet gesehen, so dass Evotec doch deutlich überbewertet erscheint.

Aus diesem Grund kann ich persönlich die Bewertung der DZ-Bank nachvollziehen und werde in Evotec erst dann investieren, wenn die Aktie einen deutlichen Rücksetzer macht. Langfristig gesehen ist Evotec auf einem guten Weg, aber zum jetzigen Zeitpunkt sage ich „Finger weg von Evotec“!

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Stefan Graupner besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Johnson & Johnson. The Motley Fool empfiehlt Juno Therapeutics.

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