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Vergiss Solarworld! Hier sind 3 Chemie-Aktien, die wirklich vom Solarmarkt profitieren

Bildquelle: First Solar.

Die Solarindustrie ist ein schwieriges Geschäft mit wenig Differenzierungsmöglichkeiten und knallhartem Preiskampf. Wer in Modulhersteller investiert, der braucht Nerven aus Stahl. Auf Jubeljahre folgt regelmäßig die große Ernüchterung.

Wer vom Photovoltaik-Boom profitieren möchte, ohne unkalkulierbare Risiken einzugehen, der sollte sich vielleicht etwas weiter vorne in der Zuliefererkette umsehen. Ich habe mal eine Reihe von Spezialchemikern daraufhin abgeklopft, wie stark sie dort engagiert sind und dabei drei Favoriten identifiziert: Evonik Industries (WKN:EVNK01), Wacker Chemie (WKN:WCH888) und die Merck KGaA (WKN:659990).

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So steht es aktuell um die Solarbranche

Ehrlich gesagt, geht es derzeit mal wieder drunter und drüber. Die traurigen Ereignisse rund um das letzte europäische Zugpferd Solarworld (WKN:A1YCMM) sind ja nur die Spitze des Eisbergs. Auch Suniva und eine Handvoll weiterer Unternehmen suchten in den letzten Monaten Gläubigerschutz, während andere durch einschneidende Maßnahmen fast verzweifelt versuchen, das Schlimmste abzuwenden.

Bedenklich sind auch die massiven Verluste, welche die großen amerikanischen Modul-Hersteller First Solar (WKN:A0LEKM) und SunPower (WKN:A1JNM7) schreiben. Viele Aktien erlebten eine Achterbahnfahrt in den letzten Monaten und Jahren.

Aber wo es Verlierer gibt, da gibt es auch Gewinner. Die chinesischen Hersteller dominieren längst die globale Top 10 und einige davon sind derzeit richtig profitabel. Zu diesem Erfolg trägt immer stärker der Heimatmarkt bei. Dort werden riesige Farmen am laufenden Band errichtet, zum Teil sogar kreativ etwa in Form eines Pandas. Zuletzt wurde ein wegweisendes Megaprojekt mit schwimmenden Modulen weitgehend fertiggestellt, wofür ein überfluteter Kohletagebau genutzt wird.

Der Verband der chinesischen Solarindustrie meldete einen Rekordzubau in Höhe von 24,4 GW für das erste Halbjahr 2017. Das ist mehr als in Europa im gesamten Boomjahr 2011. Die Preise mögen also am Boden liegen und viele Anbieter in Bedrängnis bringen, aber das Absatzvolumen explodiert geradezu.

Weil Solarmodule ohne Spezialchemikalien und Hochleistungsmaterialien nicht gefertigt werden können, bestehen gute Geschäftsmöglichkeiten für Lieferanten. Mittlerweile ist der Markt groß genug, um auch bei diversifizierten Chemiekonzernen einen Unterschied zu machen.

Solarzulieferer Nr. 1: Evonik

Der einst auf sehr unterschiedlichen Säulen basierende Konzern entspricht heute wieder weitgehend der alten Degussa und hat eine Menge Produkte und Dienstleistungen für die Solarindustrie im Köcher. Darin befinden sich Rohmaterialien für die Herstellung von Solarsilizium und die Verkapselung, Ätzchemikalien sowie Material für Schutzfolien und -schalen. Auch mit einer speziellen Variante des bruchfesten PLEXIGLAS als Frontabdeckung will man bei den Herstellern punkten.

Das ist doch schon einiges, wie ich finde. Noch wesentlich stärker in der Branche engagiert ist aber wohl das nächste Unternehmen.

Solarzulieferer Nr. 2: Wacker Chemie

Wacker ist bekannt für seine führende Position rund um Silicone. Das robuste und flexible Material kann extrem vielseitig eingesetzt werden, darunter auch zum Verkleben und Vergießen von Solarzellen und Anschlussdosen.

Zudem liefern die Münchener hochreines Polysilizium, das als Grundstoff in die Herstellung von Solarwafern eingeht. 2016 übernahm Wacker damit sogar die Weltmarktführung. Der langanhaltende Preisverfall ließ zwar die Gewinne schrumpfen, aber weil die Kosten ebenfalls heruntergefahren werden, soll die operative Margen zukünftig wieder oberhalb von 30 Prozent liegen.

Sollte der Photovoltaikmarkt wie erwartet in den nächsten Jahren stark expandieren, dann wird Wacker bestimmt zu den großen Gewinnern gehören, genauso wie mein drittes Unternehmen, das bereits an der nächsten Generation von Solarzellen arbeitet.

Solarzulieferer Nr. 3: Merck

Der Wissenschaftskonzern forscht nicht nur an besseren Medikamenten und Produkten für die Laborversorgung, sondern hat auch einen exquisiten Geschäftsbereich rund um Hochleistungsmaterialien für Hightech-Anwendungen.

Egal ob organische, kristalline oder extravagante farbstoffsensibilisierte Solarzellen: Merck liefert stets spezielle Produkte, welche die Leistungsfähigkeit verbessern oder die Herstellungskosten senken.

Zuletzt meldete der führende Modul-Hersteller JinkoSolar (WKN:A0Q87R), dass er gemeinsam mit Greatcell Solar an der Industrialisierung von Perowskitsolarzellen forschen will. Diesem neuartigen Typ wird eine großartige Zukunft vorausgesagt.

Nun ist es so, dass Greatcell Solar bisher Dyesol hieß — und deren Entwicklungspartner und Lieferant von Elektrolytsystemen ist niemand anderes als Merck. Damit stehen die Chancen für stark wachsende Geschäfte über die nächsten Jahre wohl nicht schlecht.

Möglichkeiten gibt es viele

Im Solarmarkt kann man als Anleger in die verschiedensten Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette investieren. Aber bei den meisten von ihnen drücken sich die erheblichen Nachfrageschwankungen immer mal wieder in gefährlichen Verlusten aus. Das ist für langfristig orientierte Anleger nicht optimal.

Ein günstigeres Risikoprofil lassen sich bei Spezialchemikern finden, welche die Wafer-, Zell- und Modulhersteller beliefern. Sie profitieren vom wachsenden weltweiten Zubau und haben durch ihr breites Produktspektrum und vielfältige Zielmärkte bessere Möglichkeiten, um ihre Kapazitäten anzupassen.

Wacker mit seiner starken Marktposition bei Polysilizium halte ich für eine sehr solide Wahl. Noch etwas mehr Zukunftsfantasie sehe ich allerdings bei Merck, deren Hightech-Materialien in einigen Jahren eine ganz wichtige Rolle spielen könnten.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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