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Habe ich die schlimmsten DAX-Aktien gefunden?

Foto: Getty Images

Im Mai habe ich über ein unkonventionelles Tool für deine Investing-Toolbox geschrieben: kununu.

Auf der kununu-Website findet man Unternehmensbewertungen von Mitarbeitern, sowie einen gesamten „kununu-Score“, der das Ergebnis von 13 verschiedenen Indikatoren ist.

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Ich finde, es ist keine Übertreibung zu sagen, dass der Erfolg eines Unternehmens von den gesamten Be-mühungen, den Fähigkeiten und dem Engagement der Mitarbeiter getragen wird. Daher betrachte ich die Info, die man auf kununu finden kann, als nützliche Ergänzung einer Investitionsanalyse.

Letztes Mal habe ich über die von kununu-Nutzern am besten bewerteten DAX-Unternehmen geschrieben. Lass uns dieses Mal einen Blick auf das Ende der Liste werfen.

Unternehmen kununu-Score (von 5)  Eigenkapitalrendite Jährliches Umsatzwachstum der letzten 3 Jahre
Henkel (WKN:604843) 2,89 14,5 % 5,9 %
Deutsche Post (WKN:555200) 3,03 23,9 % 1,9 %
Deutsche Börse (WKN:581005) 3,05 18,8 % 8,1 %
Linde (WKN:648300) 3,18 8,4 % 1,0 %
thyssenkrupp (WKN:750000) 3,21 5,8 % 1,3 %

Quelle: kununu (Bewertungen von 01.01.2017 bis 30.06.2017), S&P Global Market Intelligence.

Ich habe in der Tabelle den kununu-Score mit ein paar anderen wichtigen Kennzahlen – Eigenkapitalrendite und Umsatzwachstum – verglichen. Interessant ist hier, zu sehen, dass schlimme Bewertungen nicht unbe-dingt Hand in Hand mit lausigen finanziellen Kennzahlen gehen. Die Frage wäre aber, ob diese Ergebnisse trotz der unglücklichen Mitarbeiter zustande kamen, oder ob die Ergebnisse aus der Vergangenheit stam-men, als Mitarbeiter noch zufriedener und motivierter waren.

Bleibt die Frage, wie wir diese Infos nutzen sollen? Sollen wir diese Aktien wegen der schlechten Bewertung nun einfach aus dem Depot werfen?

Beunruhigende Zeichen

Lass mich zunächst betonen, dass eine geringere Bewertung auf kununu für sich allein kein Grund ist eine Aktie zu verkaufen.

Dennoch…

sollten wir überlegen was so eine Bewertung bedeutet. Die Mitarbeiter, die täglich, monatlich und jährlich verantwortlich für den weiteren Aufbau und Erfolg des Unternehmens sind, sind gleichzeitig sehr unzufrie-den mit ihrer Arbeit und/oder dem Arbeitgeber. Die Folge davon könnte sein, dass sie nicht hart oder effek-tiv arbeiten, oder dass sie einfach das Unternehmen verlassen, um eine bessere Stelle zu finden.

Vielleicht denkst du jetzt, dass die schlechten Bewertungen einfach nur eine Gruppe von mürrischen Mitar-beitern repräsentiert. Darauf würde ich antworten: Ja, und?

Warum gibt es diese Griesgrame? Und warum dominiert eine solche Gruppe nicht bei beispielsweise Daimler – was über einen kununu-Score von 3,93 verfügt? Anders gesagt, du solltest diese Kennzahl nicht einfach so unter den Tisch kehren. Unzufriedene Mitarbeiter sind für Investoren ein Grund zur Sorge.

Ein näherer Blick auf die Bewertung

Wie erwähnt bestehen die kununu-Scores aus 13 verschiedenen Bewertungskriterien, und die spezifischen Schwächen eines jeden Unternehmens zu verstehen, kann uns als Investoren helfen.

So hat zum Beispiel Henkel die schlechteste Bewertung aller DAX-Unternehmen in der Kategorie „Vorge-setztenverhalten“. Auch bei „Work-Life-Balance“. Und „Arbeitsbedingungen“. Und „Karrie-re/Weiterbildung“. Ich nehme an, du verstehst, worauf ich hinaus will.

Das Unternehmen hat eine nicht übermäßig schlechte (aber noch nicht gute) Bewertung bei „Image“, und ist in Ordnung was „Umwelt/Sozialbewusstsein“ angeht. Glauben wir aber, dass diese Fakto-ren die Mitarbeiter langfristig halten können, wenn sie mit ihrer Karriereentwicklung und Work-Life-Balance unzufrieden sind?

Am anderen Ende lässt sich die Deutsche Börse finden, die kürzlich nicht mit ihrem kununu-Score glänzte, aber trotzdem bewerten Mitarbeiter das Unternehmen ziemlich gut bei „Vorgesetztenverhalten“ (4,14) – nah an der Spitze der Liste – „interessante Aufgaben“ (4,0) und „Gehalt/Sozialleistungen“ (4,29). Das könn-te vielleicht wichtiger sein, als niedrige Bewertungen in den Kategorien „Kommunikation“ und „Um-welt/Sozialbewusstsein“.

Was sie wirklich aussagen

Es kann auch interessant sein, die Mitarbeiterbewertungen selbst zu lesen. Das kann dabei helfen, besser zu verstehen, was genau beim Unternehmen gut oder schlecht läuft.

Wenn man das tut, sieht man klarer, worum sich die Mitarbeiter sorgen. Um beim Beispiel der Deutschen Börse und von Henkel zu bleiben, scheint es, als ob man sich in den Kommentaren zur Deutschen Börse eher über die Richtung des Unternehmens sorgt, sowie die interne Kommunikation. Die Mitarbeiter schei-nen mit dem Status quo durchaus zufrieden zu sein, sorgen sich aber um die Zukunft.

Bei Henkel scheint es anders zu sein. Die Mitarbeiter erwähnen nur selten die Zukunft, sie schreiben vor allem über ihre aktuelle Unzufriedenheit und darüber, wieviel momentan schief läuft. Das merkt man an Kommentaren wie „Der Mitarbeiter als Maschine“ und „Überholter Führungsstil, schlechte work-life-Balance“. Auch ein Beispiel wie „Große Worte kleine Schritte“ sollte daran erinnern, dass es als Manage-ment oftmals leicht ist etwas in Aussicht zu stellen, ohne danach auf Worte auch Taten folgen zu lassen.

Mehr Information, besseres Investieren

Garantiert werden einige das hier lesen und es als ziemlich unbrauchbar für Investitionsentscheidungen abtun. Harte Zahlen sind es nicht, und schwarz-weiß ist es auch nicht.

Aber Investieren ist eben niemals schwarz-weiß. Gute Investoren sammeln Informationen aus vielen ver-schiedenen Quellen, um sich ein umfassendes Bild zu machen. Bilanzen und Kennzahlen sind ein Teil, Aus-sagen und Pläne des Managements können ein weiterer Teil sein, sowie was Analysten und Journalisten schreiben und, ja, auch die Erfahrungen und Ansichten von Mitarbeitern – die in der Vergangenheit für In-vestoren ziemlich schwer zu finden waren – können ein weiterer Teil des Puzzles sein.

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Matt besitzt Aktien von Linde und Daimler. The Motley Fool empfiehlt Linde und Daimler.

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