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6 der 12 weltweit größten Ölproduzenten gehören nicht der OPEC an

Jüngsten Daten zufolge produzieren die 14 OPEC-Mitglieder in etwa 40 % des globalen Ölangebots. Jedoch gehört nur die Hälfte der 12 größten Ölproduzenten der Welt dieser Organisation an.

Rang (2016) Land Durchschnittliche Ölproduktion pro Tag
1  Russland 10.551.497 Barrels
2  Saudi Arabien (OPEC) 10.460.710 Barrels
3  USA 8.875.817 Barrels
4  Irak (OPEC) 4.451.516 Barrels
5  Iran (OPEC) 3.990.956 Barrels
6  China 3.980.650 Barrels
7  Kanada 3.662.694 Barrels
8 Vereinigte Arabische Emirate (OPEC) 3.106.077 Barrels
9  Kuwait (OPEC) 2.923.825 Barrels
10  Brasilien 2.515.459 Barrels
11  Venezuela (OPEC) 2.276.967 Barrels
12  Mexiko 2.186.877 Barrels

Datenquelle: „U.S. ENERGY INFORMATION ADMINISTRATION“

Zusammen kamen diese zwölf Nationen im vergangenen Jahr für 73 % des weltweit geförderten Öls auf. Doch die sechs führenden Nicht-OPEC-Mitgliedsstaaten hatten enormes Gewicht im Markt. Sie produzierten soviel wie alle OPEC-Mitgliedsstaaten zusammen und machten 40 % der globalen Produktion im vergangenen Jahr aus. Nachfolgend ein genauer Blick auf die sechs Nationen, die helfen, die Dominanz der OPEC in Schach zu halten.

Nr. 12: Mexiko

Obwohl Mexiko immer noch zu den größten Ölproduzenten gehört, hat sein Output in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Seitdem die Erdölproduktion des Landes 2004 seinen Höhepunkt erreicht hatte, fiel sie aufgrund des natürlichen Reserveschwunds des Cantarell-Feldes sowie seiner Offshore-Quellen im Golf von Mexiko um 32 %. Da Mexiko nicht genug Kapital in die Erforschung neuer Quellen investiert hat, um diesen Schwund auszugleichen, führte es im Jahr 2014 eine Verfassungsreform durch, womit das Monopol des staatlichen Unternehmens PEMEX auf die Ölfelder des Landes beendet wurde. Damit sollten Investitionen von ausländischen Unternehmen angekurbelt werden. Außerdem bleibt Mexiko weiterhin ein wichtiger Lieferant für die USA: Vergangenes Jahr steuerte Mexiko ungefähr 7 % zum Ölimport der USA bei.

Nr. 10: Brasilien

Mexiko folgt dem Ansatz Brasiliens, das seine Ölfelder schon im Jahr 1997 für ausländische Investitionen freigegeben hat, um dem staatlich kontrollierten Petrobas (WKN:A0YBWD) zu helfen, die massiven Offshore-Ressourcen des Landes auszubauen. Im Großen und Ganzen ging der Plan auf: Brasiliens Öl-Output ist im vergangenen Jahrzehnt um über 40 % gestiegen. Und angesichts Petrobas’ Plan, in den kommenden fünf Jahren fast 75 Mrd. US-Dollar in den Ausbau seiner Offshore-Ölfelder zu investieren, scheint das Produktionswachstum nicht abbrechen zu wollen. Diese Investitionen sollten die Ölprodutkion des Unternehmens von 2,07 Mio. Barrels pro Tag in diesem Jahr bis 2020 auf 2,7 Mio. Barrels anheben.

Nr. 7: Kanada

Die meisten Amerikaner werden vermutlich überrascht sein zu hören, dass die USA mehr Öl aus Kanada importiert als aus allen OPEC-Mitgliedstaaten zusammen. In der Tat stammten im vergangenen Jahr 38 % der amerikanischen Erdölimporte von seinem kanadischen Nachbarstaat – 34 % der Importe entfielen auf OPEC-Staaten und nur 18 % auf Staaten aus der Region des Persischen Golfs.

Mehr als die Hälfte des kanadischen Outputs kommt aus der Ölsandregion des Landes. Im Gegensatz zu Erdöl, das in flüssiger Form aus dem Boden gepumpt wird, hat das Öl aus dieser Region eine teerartige Konsistenz namens Bitumen. Es wird extrahiert, indem es entweder mit einer Mischung aus Sand, Wasser und Lehm versetzt wird oder indem es in einen flüssigen Zustand geschmolzen und dann extrahiert wird. Dann kann es in Öl verarbeitet und veredelt werden. Es ist ein kostenaufwendiger Prozess, der massive Vorab-Investitionen erfordert. So investieren beispielsweise der führende kanadische Ölproduzent Suncor Energy (WKN:A0NJU2) und seine Partner zwischen 12,8 Mrd. und 13.2 Mrd. US-Dollar in den Bau der „Fort Hills“ Ölsandabbauanlage in Alberta. Suncor Energy begann mit dem Bau der Anlage im Jahr 2013, als Erdöl noch für über 100 US-Dollar je Barrel gehandelt wurde. Das erste Erdöl-Barrel der neuen Anlage soll aber erst Ende dieses Jahres gefördert werden – zu einer Zeit, in der das Barrel vermutlich nur noch halb so viel wert sein wird wie zu Beginn des Baus der Anlage. Aber Suncor glaubt, dass „Fort Hills“ in den kommenden 50 Jahren 194.000 Barrels pro Tag fördern kann.

Bildquelle: GETTY IMAGES.

Nr. 6: China

China galt lange als Netto-Erdölexporteur. Doch aufgrund der rasanten wirtschaftlichen Expansion des Landes ist es nun der weltweit größte Erdölimporteur und für ungefähr ein Viertel des weltweiten jährlichen Ölkonsums verantwortlich. Angesichts des unersättlichen Hungers nach Öl investiert das Reich der Mitte intensiv in die Ausweitung seines Ölfördervolumens, das in den vergangenen 20 Jahren um 50 % gewachsen ist. Schätzungen zufolge befindet sich die Produktion des Landes auf bestem Wege, bis Ende dieses Jahrzehnts 5 Millionen Barrels pro Tag zu erreichen. Dieser erhöhte Output ist auf zahlreiche Maßnahmen zurückzuführen, einschließlich fortschrittlicher Techniken zur Erweiterung von älteren Ölfeldern und neuer Explorationsmaßnahmen.

Nr. 3: Die Vereinigten Staaten

Die USA haben sich in den vergangenen Jahren mit Hilfe neuer Fracking-Methoden und Horizontalbohrungen von Schieferformationen in dieser Liste nach oben gearbeitet. Diese zwei Techniken, die vor allem in großen Ölregionen wie dem Permian-Becken in Texas zum Einsatz kommen, haben in den jüngsten Jahren für einen Ölproduktionsboom gesorgt. Der US-Output soll in den kommenden Jahren noch viel stärker steigen. Laut der US-Energieinformationsbehörde soll die Erdölproduktion des Landes im nächsten Jahr 10 Millionen Barrels pro Tag erreichen und damit den 1970 aufgestellten Rekord, als Förderer wie EOG Resources (WKN:877961) drastisch in Schiefer-Projekte investierten, brechen. EOG Resources rechnet damit, seinen Output dieses Jahr um 18 % und anschließend bis 2020 um jährlich 15-25 % zu steigern, solange der Erdölpreis sich in Regionen von 50-60 US-Dollar pro Barrel bewegt.

Nr. 1: Russland

Zwar ist Saudi Arabien derzeit mit Abstand der größte Erdölproduzent der OPEC und das Land mit den größten Ölressourcen der Welt, jedoch landete das Königreich gemessen an der durchschnittlichen täglichen Produktion im vergangenen Jahr in diesem Ranking nur auf dem zweiten Platz, nachdem Russland das höchste Output der letzten drei Jahrzehnte produzierte. Dies wurde vor allem durch Investitionen der zwei größten Ölförderer des Landes, Rosneft and Lukoil, vorangetrieben, um die riesigen Ölreserven des Landes zu erschließen und die von Sanktionen und einem niedrigen Ölpreis herbeigeführten Umsatzverluste wettzumachen. Obwohl Russlands Ölproduktion 2017 aufgrund seiner Entscheidung, mit der OPEC bei einer koordinierten Produktionsdrosselung zu kooperieren, fallen sollte, ist sie angesichts einiger gigantischer Ölprojekte der großen Ölförderer des Landes noch auf bestem Wege, bis 2020 kontinuierlich zu steigen.

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The Motley Fool hält Aktien von  EOG Resources.

Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und am 13.7.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.