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Vor der Küste Brasiliens liegen 30 Milliarden Barrel Öl – und es ist auch noch super günstig

Bildquelle: Flickr-User glubork.

Der Einbruch der Rohölpreise und die folgende Stabilisierung bei unter 50 US-Dollar pro Barrel zwingt die Ölproduzenten zu größtmöglicher Effizienz. Es wurden nicht benötigte Vermögenswerte verkauft, kaum neue Großprojekte begonnen und die Deckungskosten für bestehende Vermögenswerte so schnell wie möglich gesenkt. Aktuelle Ölprojekte haben es mit neuem Offshore- und Tiefseeöl nicht gut gemeint. Diese beiden Bereiche gehören nämlich zu den teuersten der Industrie. Die einzige Ausnahme davon bildet vielleicht Brasilien.

Vor etwa zehn Jahren entdeckte das Land vor der südöstlichen Küste Milliarden von Barrel Öl. Im Jahr 2013 wurde eine zusätzliche Milliarde Barrel etwa 1.000 Meilen nördlich entdeckt. Einige Schätzungen sprechen sogar von 30 Milliarden Barrel.

Wenn die erste Produktion einen Anhaltspunkt liefert, könnte die brasilianische Offshore-Ölproduktion schon bei 40 US-Dollar oder weniger profitabel sein. Das wäre eine große Hilfe für den staatlichen Ölkonzern Petrobras (WKN:615375), der einen Großteil seines zukünftigen Wachstums in die Entwicklung von Offshore-Vermögenswerten investiert, während viele Konkurrenten zur selben Zeit genau das Gegenteil tun. Der Erfolg hängt aber stark davon ab, ob man die finanzielle und technische Hilfe internationaler Partner dafür bekommt. Darüber hinaus ist in Brasilien nichts einfach.

Brasilien öffnet sich

Petrobras weiß, dass dieses Öl auf den globalen Märkten sehr wettbewerbsfähig wäre. Ende letzten Jahres gab das Unternehmen gegenüber Bloomberg zu, dass das Produktionsvolumen höher war als erwartet. Damit konnten die Deckungskosten auf nurmehr 40 US-Dollar pro Barrel gesenkt werden. Das liegt nicht nur etwa auf demselben Niveau wie das amerikanische Schieferöl zum damaligen Zeitpunkt, das Management erwartet auch, dass die Kosten noch weiter gesenkt werden können.

Eine erhöhte Offshore-Produktion soll die Produktion des staatlichen Ölkonzerns bis zum Jahr 2021 um 34 % auf 2,77 Millionen Barrel pro Tag erhöhen. Die Offshore-Produktion umfasst zum aktuellen Zeitpunkt etwa 40 % der gesamten Produktion.

Petrobras Daten von YCharts.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es von größter Wichtigkeit, Investitionen von großen Ölkonzerne und deren Expertise an Bord zu holen. Brasiliens Bundesregierung passte in der Vergangenheit immer sehr gut auf das eigene Öl und die wirtschaftliche Entwicklung auf, begann vor Kurzem allerdings auch Konkurrenten zuzulassen.

Ein Gesetz aus dem Jahr 2016 sorgt dafür, dass Petrobras nicht mehr 30 % jedes Joint Ventures in dem Land besitzen und der primäre Betreiber sein muss. In der Zwischenzeit brachte die Regierung Vorschläge zur Reduzierung einiger Anforderungen vor. Dabei geht es um die Menge der Güter und Dienstleistungen, die im Land gekauft werden müssen, angefangen von Schrauben bis hin zum kompletten Schiffsrumpf. Darüber hinaus wurden die Kategorien vereinfacht. Beide Maßnahmen sollten es Petrobras erlauben, die strategische Entwicklung des Landes zu ändern. Das wird wichtig, da das Land ja seine Schulden in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar senken muss.

Was kommt als nächstes?

Bildquelle: Getty Images.

Die Investoren bekommen im September einen ersten Einblick, wenn die nächste Ausschreibung stattfindet. Was können sie dabei erwarten? Letzten Sommer verkaufte Petrobras 66 % eines großen Ölfeldes für 2,5 Milliarden US-Dollar an Statoil (WKN:675213). Dem folgte ein Memo, wonach die beiden Unternehmen ihre Partnerschaft in Zukunft weiter ausbauen möchten. Sie sind bereits Partner bei zehn inländischen Projekten, die sich entweder in Entwicklung oder schon in Produktion befinden.

Statoil ist aber nicht das einzige Unternehmen. Viele andere Ölproduzenten schauen gerade auf Brasilien mit seinem kostengünstigen Öl, um ihre Positionen zu diversifizieren. Ein paar Monate nach dem Verkauf der Entwicklungsrechte an Statoil verkündete Petrobras, man würde Vermögenswerte im Wert von 2,2 Milliarden US-Dollar an Total SA (WKN:850727) verkaufen. Der französische Energieriese bekam einen Anteil von 22,5 % und einen Anteil von 35 % an zwei Ölfeldern im Santos-Becken und wird für das zweite den Betrieb übernehmen.

In der Zwischenzeit ist Royal Dutch Shell (WKN:A0ER6S) in Brasilien gut positioniert, da das Unternehmen für 52 Milliarden US-Dollar die BG Group gekauft hat. Damit wird das Unternehmen mit 240.000 Barrel pro Tag (Stand Anfang 2016) zum zweitgrößten Ölproduzenten in Brasilien hinter Petrobras. Dieser Wert entspricht etwa 13 % der globalen Produktion des europäischen Energieriesen.

Das ist zwar beeindruckend, aber das war noch nicht alles. Royal Dutch Shell erwartet, dass die Produktion in Brasilien bis 2020 auf etwa 1 Million Barrel pro Tag steigen wird. Das Unternehmen besitzt 20 % der Kosten und der eventuellen Gewinne der Entwicklung des massiven Libra-Feldes, in dem 12 Milliarden Barrel Öl liegen könnte. Die brasilianische Regierung schätzt, dass die Kosten für die Erschließung 40 Milliarden US-Dollar betragen werden. Shell hat bisher nicht mit der Wimper gezuckt, da es wegen der Erdgasvorräte, die sich in dem Feld befinden und mit denen das Unternehmen sein Geschäft für Flüssigerdgas ausbauen möchte, auch ein Auge auf das Libra-Feld geworfen hat.

Was bedeutet das für die Investoren?

Die Investoren haben das vielleicht nicht auf dem Radar, aber vor der Küste Brasiliens braut sich etwas zusammen. Die Offshore-Exploration und die dazugehörigen Dienste haben in den letzten Jahren global keinen guten Status genossen. Die Investoren sollten sich aber keine zu großen Sorgen machen, wenn in der zweiten Jahreshälfte 2017 nur die Wörter Offshore und Öl öfter auftauchen. Viele große Ölunternehmen versuchen ihren Vorteil aus der aktuellen Situation in Brasilien zu ziehen. Wenn sie mit ihren Schätzungen richtig liegen, dann könnten sie an Tiefseeöl kommen, das wirklich günstig ist.

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The Motley Fool empfiehlt Statoil und Total.

Dieser Artikel wurde von Maxx Chatsko auf Englisch verfasst und am 08.07.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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