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Abspaltungen von Metro, Axel Springer, Siemens und mehr: Chancen im heißen IPO-Sommer

Jahrelang haben wir häufiger von Aktienrückkaufprogrammen gehört, als von interessanten Börsengängen. Dieser Trend scheint sich nun zu drehen. In den kommenden Monaten wird eine Reihe von neuen Unternehmen auf dem Börsenzettel erscheinen, darunter Vapiano, Healthineers und Metro-Saturn. Lies hier, auf was jetzt zu achten ist.

Axel Springer Classifieds

Der traditionsreiche Verlag Axel Springer (WKN:550135) will seine diversen Onlineportale versilbern. Am 27.6. findet eine große Investorenveranstaltung statt, um über Classifieds zu informieren. Wer sich für die Rubriken-Branche interessiert, der hat somit bald eine Alternative zu Scout24 (WKN:A12DM8). Insbesondere wenn es um das Thema Immobilien geht, leisten sich die beiden seit Jahren einen harten Wettbewerb um die Marktführerschaft.

Die Aktien von Scout24 haben sich bisher eher mäßig entwickelt und das Unternehmen wird derzeit mit 3,7 Mrd. Euro (23.06.) bewertet. Classifieds könnte in eine ähnliche Größenordnung vorstoßen und ich könnte mir vorstellen, bei einem fairen Preis zuzuschlagen.

Siemens Healthineers

Es ist etwas still geworden um die Healthcare-Division von Siemens (WKN:723610). Auf die bereits letztes Jahr erfolgte Ankündigung sind bislang keine konkreten Aussagen zum Börsengang gefolgt. Offenbar will man die Tochter erst noch richtig hübsch machen, um das Maximum herauszuholen.

So wurde Anfang Juni berichtet, dass man durch verschiedene Maßnahmen 1,5 Mrd. Euro an Kosten einsparen will. Außerdem wurde die Akquisition der kalifornischen Medicalis abgeschlossen, ein Unternehmen, dass auf Software für die klinische Entscheidungsunterstützung spezialisiert ist. Gemeinsam mit einem Fraunhofer-Institut soll daneben die Innovationskraft rund um die intelligente diagnostische Bildauswertung gestärkt werden.

Es wird spannend, in welcher Form Healthineers an die Börse gebracht wird. Bislang werden noch alle Optionen offengehalten. Dass Siemens bei dem Deal zu den Gewinnern gehören wird, erscheint mir ziemlich sicher. Als Anleger sollten wir genau hinsehen, wie attraktiv das Paket letztlich wirklich ist. Siemens-Spin-offs entwickelten sich in der Vergangenheit sehr unterschiedlich (vergleiche Artikel vom Februar 2016).

METRO Warehouse & Foodservice und CECONOMY

Ähnlich wie Siemens schmiedet auch METRO (WKN:725750) bereits seit mindestens letztem Jahr an einer Abspaltung. METRO wird den Plänen zufolge die Elektronikmärkte behalten und zu CECONOMY, das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft soll zukünftig unabhängig unter METRO Warehouse & Foodservice laufen.

Ich denke, dass METRO damit auf jeden Fall attraktiver für Anleger wird. Die Elektro-Fachhandelsgruppe Media Saturn gilt als Marktführer in Europa und treibt seine Internationalisierung stetig voran. Ähnliches gilt auch für den Großhändler METRO Cash & Carry.

Lediglich real,- wirkt etwas schwach auf der Brust. Mit seinen 285 Hypermärkten ist die Kette Nummer 5 im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Die Top 4 sind jeweils mehr als dreimal so groß. Selbst durch die Übernahme aller kleineren Wettbewerber wäre man immer noch wesentlich kleiner. Ein verstärkter Fokus auf die anspruchsvolle Kundschaft soll zukünftig trotzdem auskömmliche Margen sichern. Da will man offensichtlich der früheren Schwestergesellschaft Galeria Kaufhof das Wasser abgraben.

Zunächst müssen aber die Gerichte noch das OK für die Aufspaltung geben. Danach muss man sehen, wie sich die Bewertungen einpendeln. Je nachdem lassen sich vielleicht gute Einstiegskurse abgreifen.

PLAY Communications

In Polen sitzt mit PLAY ein schnell wachsender Konkurrent der Deutschen Telekom (WKN:555750) in den Startblöcken. Die Nummer 2 im polnischen Mobilfunkmarkt hat über 14 Millionen Kundenverträge und machte 2016 gut 6 Mrd. Zloty Umsatz, das sind knapp eineinhalb Mrd. Euro zum aktuellen Umrechnungskurs.

Die Verkäufer sind Tollerton Investments und Telco Holdings. Sie heben die Stabilität und gute Entwicklung der polnischen Wirtschaft hervor und betonen die hohe Dynamik des schlanken Geschäftsmodells. Außerdem ist eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik geplant. Auch wenn es wohl etwas aufwändiger wird, an die Aktien zu kommen, könnte sich ein Blick über die Oder lohnen.

Vapiano

Das innovative Gastronomiekonzept Vapiano hat sich in Deutschland durchgesetzt. Beliebte frisch zubereitete mediterrane Gerichte zum fairen Preis, angenehmes Ambiente und der Einsatz von Technik zur Optimierung der Prozesse heben es von der Konkurrenz positiv ab.

Mit den eingesammelten Millionen vom Börsengang soll jetzt auch die Internationalisierung beschleunigt werden. Obwohl das Restaurantgeschäft schwierig ist, bieten sich hier für Anleger durchaus Chancen.

Außerdem: Das Scale-Segment nimmt Fahrt auf

Die Deutsche Börse (WKN:581005) hatte vor einigen Monaten ein neues Qualitätssegment für kleinere aufstrebende Unternehmen namens Scale geschaffen. Ähnlich wie die großen Indices hat auch dieser Neuling zuletzt einen Rekord nach dem anderen überboten. Etwa 18 % ging es hoch seit März.

Die zunehmende Aufmerksamkeit zieht ständig neue Unternehmen an, die in das Segment wechseln wollen. Nun steht mit der NAGA Group ein weiterer Börsengang an. Die Hamburger betreiben Handelsplattformen, die Aspekte von sozialen Netzwerken aufgreifen. Der 59 Megabyte schwere Wertpapierprospekt ist bereits veröffentlicht.

Bei noch sehr geringen Umsätzen und anfallenden Verlusten dürften die Kriterien für die Aufnahme in das Segment nur mit Mühe erfüllt worden sein. Ist FinTech also das neue DotCom? Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Auf alle Fälle gilt es, vor dem Zeichnen das Geschäftsmodell im Detail zu verstehen.

Das ist beim ebenfalls laufenden Börsengang des Wohnimmobilienentwicklers Noratis leichter. Das scheint ein stabiles, wenn auch etwas langweiliges Geschäft zu sein.

Augen auf!

Wenn jetzt bald wieder zahlreiche neuen Namen auf dem Börsenzettel zu lesen sind, dann sollten wir uns vielleicht das eine oder andere Unternehmen dahinter genauer anschauen. Gerade bei solchen Frischlingen gibt es oft Chancen auf hohe Kursgewinne. Aber Achtung: Während vielleicht sogar ein Jackpot darunter ist, muss man damit rechnen, auch vereinzelt auf Nieten zu stoßen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.