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Nordex hängt am Tropf von Großaktionär ACCIONA

Wenn Nordex (WKN:A0D655) in letzter Zeit neue Aufträge meldet, dann taucht als Projektentwickler häufig ein Name auf: ACCIONA Energía. Deshalb habe ich mal ein paar Fakten zusammengetragen, um zu verstehen, wie stark die Abhängigkeit vom Großaktionär mittlerweile ist.

Die strategische Allianz

Mit der Übernahme von ACCIONA Windpower (AWP) wollte sich Nordex 2015 in die Spitzengruppe der Windturbinenhersteller katapultieren. Bei der Transaktion wechselte auch der Großaktionär. Susanne Klatten verkaufte die meisten ihrer Anteile zum stolzen Kurs von 26 Euro an ACCIONA (WKN:865629), welche nun 29,9 % hält.

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Dabei bleibt es, denn noch bis Ende 2018 haben sich die Spanier verpflichtet, keine weiteren Anteile zu erwerben. Eine Aufstockung mit anschließendem Übernahmeangebot steht also erst mal nicht an, selbst wenn ACCIONA wollte. Immerhin hat auch sie von der alten Nordex einen guten Preis für AWP bezahlt bekommen, sodass sich der Schaden für sie in Grenzen hält. Allerdings floss nur etwa die Hälfte in bar, der Rest in neuen Aktien.

Deshalb dürfte das ACCIONA-Management erst mal nicht sonderlich erfreut sein über den Geschäftsverlauf der letzten zwei Jahre. Das hat man sich wohl anders vorgestellt. Denn nicht nur die Marken AWP und Nordex sollten sich perfekt ergänzen, sondern auch die Aktivitäten von ACCIONA Energía und dem fusionierten Nordex-Konzern.

Einer der Hauptgründe für den Zusammenschluss, mit denen die Verantwortlichen ihre Aktionäre zu überzeugen versuchten, bestand darin, dass ACCIONA als strategischer Aktionär Rückendeckung geben kann. Durch die Zusammenlegung von Kompetenzen und Ressourcen sollte Mehrwert geschaffen werden.

Denn ACCIONA Energía beherrscht die gesamte Wertschöpfungskette, von Windsimulationen und Prüfanlagen bis hin zum Bau und Management von Windparks. In Navarra betreibt das Unternehmen eine der modernsten Überwachungszentralen für Erneuerbare Energien. Dort laufen aus insgesamt 18 Ländern die Betriebsdaten von etwa 8.000 Windturbinen zusammen. Hinzu kommen unter anderem Solar-, Biomasse- und Wasserkraftprojekte.

Was Nordex davon hat

Schaut man sich den Verfall des Aktienkurses von Nordex an, dann scheint es auf den ersten Blick so, als ob das Zusammenspiel nicht so richtig funktionieren würde. Dabei legt sich ACCIONA Energía ganz schön ins Zeug für den Windmühlenbauer: Erweiterung eines Parks in Australien, Errichtung von 31 Anlagen in Texas, Hybrid-Pilotanlage mit Batteriespeicher in Spanien, Markteintritt in Mexiko mit 210-Millionen-Euro-Projekt — und das ist nur eine Auswahl der letzten Monate. Immer kommen dabei Turbinen von Nordex zum Einsatz, üblicherweise aus der AWP-Linie.

Rund eine Milliarde Euro will der Gesamt-Konzern in diesem Jahr investieren. Ein guter Teil fließt in neue Windenergie-Kapazitäten. Zuletzt wurde mit der spanischen Telefónica (WKN:850775) vereinbart, dass ACCIONA für eine 100-prozentige Versorgung mit Erneuerbarer Energie sorgen wird. Auch das dürfte neue Projekte für Nordex nach sich ziehen.

Hängt Nordex also am Tropf von ACCIONA?

Offensichtlich ist, dass die Umtriebigkeit des treuen spanischen Partners den Konzern derzeit operativ stabilisiert. Insbesondere die Marke AWP ist weiterhin eng mit der früheren Mutter verwoben und braucht die von ACCIONA Energía entwickelten Projekte. Solange das Zusammenspiel allerdings so funktioniert, muss man sich dort kaum Sorgen machen.

Damit liegen die Probleme vor allem bei der Marke Nordex, die auf eigene Faust Aufträge ergattern muss und dabei derzeit sichtbar Probleme hat. Die drei Miniaufträge aus Frankreich wären etwa für Vestas (WKN:913769) wohl keine eigene Meldung wert gewesen. Wenn sich das Auftragsbuch wirklich wieder richtig füllen soll, dann sollten also die angekündigten Investitionen in verbesserte Produkte dringend Erfolge zeigen. Ein Schritt in diese Richtung war auch bereits die Übernahme des dänischen Rotorblattherstellers SSP Technology im Februar.

Hilfreich wäre natürlich auch eine allgemeine Belebung der Nachfrage, welche für die nächsten ein bis drei Jahre erwartet wird, je nachdem, welcher Experte befragt wird. Zumindest diese Zeit muss jetzt also überbrückt werden. Mit dem Abarbeiten des, dank ACCIONA-Tropf wohl höchstens langsam abschmelzenden Auftragsbestands, in Höhe von gut 1,6 Mrd. Euro zum 31. März sollte das gelingen.

Auch wenn es im Moment akquiseseitig vielleicht nicht so toll läuft, denke ich, dass die Nordex-Aktie nicht lange auf dem aktuell stark reduzierten Niveau verharren wird. Sobald die Marktnachfrage anzieht, dürfte auch Nordex wieder auf einen profitablen Wachstumspfad einschwenken.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Nordex.

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