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Ist die E.ON-Aktie nach der Kursexplosion jetzt auch für langfristige Anleger interessant?

Die Aktionäre von E.ON (WKN:ENAG99) werden die Kursentwicklung ihres Investments in den letzten Wochen mit einem Lächeln verfolgt haben: Die E.ON-Aktie legte in diesem Zeitraum um über 30 % zu!

Die alles entscheidende Frage, die sich langfristig denkende Investoren nun stellt: War der Kurssprung nur ein Strohfeuer oder steckt hinter der E.ON-Aktie ein dauerhaft erfolgreiches Unternehmen? Ein Blick auf die Wettbewerbsvorteile, das Management und die aktuelle Bewertung könnte uns bei der Beantwortung dieser Frage helfen!

Die Wettbewerbsvorteile

Den größten Wettbewerbsvorteil, den ich bei E.ON sehe, ist das riesige Strom- und Gasnetz. Man betreibt europaweit rund 718.400 km Stromnetz und 104.100 km Gasnetz. Zum Vergleich: innogy  (WKN:A2AADD), einer der größten Konkurrenten, betreibt ein Gesamtnetz (also Strom- UND Gasnetz) von nur 574.000 km.

Bildquelle: First Solar

Für die Nutzung seiner Netze kassiert E.ON ein Netzentgelt, welches bei ca. 25 % des Strompreises liegt. Zwar werden die Rechte zum Betrieb dieser Netze immer wieder neu in einem Konzessionsverfahren vergeben. Allerdings ist es gar nicht so leicht, die großen Versorger aus diesem lukrativen Geschäft zu verdrängen, wie Vattenfall aktuell in Berlin zeigt.

Dort werden die Rechte neu ausgeschrieben – eigentlich die Chance für andere Mitbewerber wie beispielsweise Kommunen oder Bürgerinitiativen. Da Vattenfall aber gegen das Ausschreibungsverfahren geklagt hat, wird eine Verzögerung von bis zu sieben Jahren befürchtet. Und in dieser Zeit wird Vattenfall weiter Gebühren für seine Netze kassieren und verlässliche Erträge damit generieren.

Aufgrund dessen darf E.ON sich mit seinem riesigen Netz wohl auch zukünftig über verlässliche Gewinne freuen, ohne dass die Konkurrenz viel dagegen tun kann. In meinen Augen ein wunderbarer Wettbewerbsvorteil des Essener Energieriesen!

Einen weiteren Vorteil hat E.ON aufgrund seines großen Kundenstamms, über 22 Millionen zählt man laut eigenen Angaben europaweit. Diese Beziehungen könnten dem Unternehmen dabei helfen, seine neuen Produkte, die im Zuge der Energiewende immer mehr nachgefragt werden, einfacher an den Mann (oder die Frau) zu bringen.

Denn E.ON kennt Daten wie Anschrift, E-Mail-Adresse, Stromverbrauch und Nutzungsverhalten seiner Kunden und könnte diese dazu verwenden, maßgeschneiderte Angebote beispielsweise für Produkte rund um regenerative Energien zu erstellen. Ein klarer Vorteil gegenüber Unternehmen, die nicht über ein solch großen Kundenstamm verfügen!

Mit seinen Wettbewerbsvorteilen dürfte die E.ON-Aktie eine wichtige Voraussetzung vieler langfristiger Investoren erfüllen. Mal sehen, ob dies auch auf das Management zutrifft!

Das Management

Beim Management sollte man natürlich einen Blick auf den CEO werfen, immerhin steht er an der Spitze des Unternehmens. Bei E.ON ist das Dr. Johannes Teyssen, seit 1989 im Unternehmen, seit 2004 im Vorstand und seit 2010 Vorstandsvorsitzender. Warum ich dir das erzähle?

Die langjährige Firmenzugehörigkeit lässt darauf schließen, das Teyssen sowohl das Unternehmen als auch die Energiebranche bestens kennt. Mit dieser Erfahrung stehen die Chancen gut, dass er zukünftig die richtigen Entscheidungen treffen wird. Außerdem ist die lange Firmenzugehörigkeit ein Indiz für die Loyalität von Teyssen. Beides deutet in meinen Augen auf ein langfristig denkendes Management hin.

Der zweite Punkt, der mich bei Teyssen beeindruckt, sind seine einleitenden Worte im Geschäftsbericht 2016. Dort spricht er immer wieder davon, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen.

Wir müssen uns bei allem, was wir tun, fragen: Was nützt dem Kunden, was will er, was macht sein Leben besser?

Viele langfristig erfolgreiche Unternehmen zeichnet genau diese Kundenorientierung aus, man denke nur an Amazon. Ich werte seine Worte daher ebenfalls als Indiz für ein langfristig agierendes Management.

Zu guter Letzt sei erwähnt, dass Teyssen selbst E.ON-Aktien besitzt. Alleine seit 2011 hat er 17.000 eigene Anteile gekauft, was ich als Beleg für sein Vertrauen in das Unternehmen werte. Außerdem erhöht die Beteiligung von Vorständen die Chance, dass diese aktionärsfreundliche Entscheidungen treffen.

Alle erwähnten Punkte deuten also darauf hin, dass E.ONs CEO langfristig und im Sinne seiner Aktionäre handelt. Den zweiten, wichtigen Punkt für langfristige Investoren hat die E.ON-Aktie also ebenfalls erfüllt. Aber ist sie nach der jüngsten Kursexplosion inzwischen nicht viel zu teuer?

Die Bewertung

Da E.ON im Geschäftsjahr 2016 ein negatives Ergebnis ausweisen musste, ist es gar nicht so leicht, diese Frage zu beantworten. Denn die gängigste Bewertung, dass Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), macht bei einem negativen Ergebnis wenig Sinn.

Um trotzdem eine Aussage bezüglich des aktuellen Kursniveaus treffen zu können, haben wir zum Beispiel die Möglichkeit, das operative Ergebnis ins Verhältnis zur aktuellen Marktkapitalisierung zu setzen.

Im Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete E.ON ein operatives Ergebnis (also den Gewinn vor Steuern und Zinsen – auch andere, nicht operative Effekte bleiben unberücksichtigt) in Höhe von 3,1 Milliarden Euro. Bei der aktuellen Marktkapitalisierung von 19,5 Milliarden Euro (Stand: 19.06.17) ergibt sich hieraus ein operatives KGV von gerade mal 6,3.

Da Steuern und Zinsen aber leider unvermeidbar sind, eignet sich diese Kennzahl nicht wirklich zum Vergleich mit den KGVs anderer Unternehmen. Trotzdem deutet sie darauf hin, dass die E.ON-Aktie immer noch nicht allzu teuer ist!

Mein Fazit zur E.ON-Aktie

Da E.ON über Wettbewerbsvorteile und ein langfristig denkendes Management verfügt, glaube ich, dass auch langfristige Investoren einen Blick auf die E.ON-Aktie werfen können. Insbesondere da sie immer noch nicht überteuert erscheint. Aber Achtung: E.ON schleppt einen hohen Schuldenberg mit sich herum! Ein Blick in die Bilanz ist daher unabdingbar!

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Thomas Brantl besitzt Aktien von Amazon. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon.