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5 Antworten auf Fragen, die sich Gilead-Sciences-Aktionäre vermutlich stellen

Bist du bereits Aktionär von Gilead Sciences (WKN:885823) oder denkst darüber nach, die Aktie zu kaufen, hast du vermutlich jede Menge Fragen. Wenn nicht, solltest du dir noch einmal Gedanken darüber machen.

Beim Biotech-Riesen läuft es seit einiger Zeit nicht mehr ganz rund. Gileads Hepatitis-C-Geschäft (HCV) schwächelt. Auch das HIV-Geschäft, das Fundament des Unternehmens, bereitet einiges Investoren Sorgen – geschweige denn die Pipeline des Biotechs.

Gilead-Sciences-COO Kevin Young und Vorstand für Forschung und Entwicklung Norbert Bischofberger stellten sich auf der Goldman-Sachs-Healthcare-Konferenz am vergangenen Donnerstag einigen herausfordernden Fragen. Nachfolgend sind fünf Antworten auf Fragen, die sich Gilead-Investoren aller Voraussicht nach stellen.

1. Wie zuversichtlich ist Gilead bezüglich seiner HIV-Sparte?

Young sagte, dass er für das kommende Jahrzehnt „sehr zuversichtlich“ hinsichtlich des Wachstums der HIV-Sparte des Unternehmens sei. Obwohl Gilead im Juli in Europa den Patentschutz für Viread verlieren wird, glaubt Young, dass die Auswirkungen nur im Jahr 2017 und 2018 zu spüren sein werden. Schon 2019, schätzt er, soll das europäische HIV-Geschäft wieder Wachstumszahlen vermelden.

Es gibt zwei Hauptgründe für Youngs Zuversicht: Genvoya und Bictegravir. Genvoyas Markteinführung verlief besser als die jedes anderen HIV-Medikaments. Vor kurzem beantragte Gilead bei der US-Gesundheitsbehörde eine Zulassung für sein Bictegravir/F/TAF-Kombinationsmedikament. Young würde sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass die Bictegravir-Kombo ein größerer Gewinner als Genvoya werden würde, aber er glaubt, dass Gilead – vorausgesetzt, die Kombo wird zugelassen – eine weitere riesige Erfolgsgeschichte schreiben kann.

2. Wird die Konkurrenz im HIV- und HCV-Markt zur großen Bedrohung?

Derzeit stellt im HIV-Markt Viiv Healthcare von GlaxoSmithKline (WKN:940561) für Gilead die größte Bedrohung dar. GlaxoSmithKline hat in der Hoffnung, die Zulassung seiner Zwei-Medikamenten-HIV-Kombo zu beschleunigen, vor kurzem bei der US-Gesundheitsbehörde von seinem sogenannten Vorzugsrecht Gebrauch gemacht. Wäre diese Kombo für Gileads HIV-Geschäft eine ernsthafte Bedrohung? Gileads Vorstand für Forschung und Entwicklung Norbert Bischofberger sagt „Nein“.

Bischofberger antwortete frei heraus, dass Glaxos erstes „Duplet“, dessen Zulassungsantrag vor kurzem eingereicht wurde, „nicht wettbewerbsfähig sei“. Außerdem fügte er hinzu, dass die Zwei-Medikamenten-Kombo „nicht für sog. naive Patienten zugelassen, die Behandlungsrichtlinien nicht einhalten, keinen Kostenvorteil haben würde und mit all den Nachteilen älterer Produkte behaftet wäre“. Bezüglich des nächsten Duplet-HIV-Medikaments, das Glaxo gerade entwickelt, sagte Bischofberger, dass er zunächst die Ergebnisse der Phase-III-Studie abwarten will, bevor er dazu einen Kommentar abgibt – und es könnte noch eine Weile dauern, bis diese Ergebnisse vorliegen.

Im HCV-Markt stimmte Young zu, dass Ende dieses Monats Konkurrenz von AbbVies Kombo-Produkt zur Behandlung aller Hepatitis-C-Genotypen aufkommt. Er ergänzte, dass dieses Produkt „vermutlich das konkurrenzfähigste Medikament sein wird, dem wir uns stellen müssen. Er betonte jedoch, dass der größte Faktor, der Gileads Erfolg im HCV-Markt bestimmen wird, die Anzahl der Patienten ist. Young sagte, dass die Prognosen diesbezüglich für die USA „solide“ sind.

3. Wie stehen die Aussichten für Filgotinib?

Die US-Zulassungsbehörde schockte Lilly (WKN:858560) und Incyte  (WKN:896133), als sie deren JAK-Inhibitor Baricitinib zur Behandlung von rheumatoider Arthritis keine Zulassung erteilte. Was macht Gilead, dessen JAK-Inhibitor namens Filgotinib zur Behandlung von rheumatoider Arthritis sowie der Crohn-Krankheit und Colitis Ulcerosa selbst gerade Phase-III-Studien durchläuft, nun aus dieser Situation?

Bischofberger sagte, dass er bezüglich der Entscheidung der Zulassungsbehörde „keine Einblicke habe, die über die veröffentlichten Informationen hinaus reichen“. Jedoch merkte er an, dass Gilead die Zulassungsbehörde zunächst bat, Studien mit einer Dosis durchzuführen, die Behörde dann aber darauf drängte, zwei Dosen zu verwenden. Er fragt sich nun, ob die Zulassungsbehörde damals vielleicht etwas über Baricitinib wusste, da sie von Lilly und Incyte zur Bestimmung der richtigen Dosis weitere Daten anforderte.

Filgotinib, ein Medikament das Gilead von Galapagos (WKN:A0EAT9) unterlizensiert, verfügt nun über Patientendaten über kumuliert 1.700 Jahre, so Bischofberger. Es waren diese Sicherheitsdaten, die Galapagos aus Phase-II-Studien präsentierte, an denen Gilead so interessiert war. Er fügte hinzu, dass er sehr zuversichtlich sei, dass dieses Medikament die Zulassung bekommen würde.

4. Wird sich Gileads NASH-Strategie auszahlen?

Gilead richtet den Fokus seiner Nicht-Alkoholischen-Steatohepatitis-Strategie (NASH) auf Patienten mit F3- und F4- Fibrose — die fortgeschrittensten Stadien der Krankheit. Bischofberger sagte, dass sich kein anderes Unternehmen auf F4-Patienten konzentriert, doch dies der Anwendungsbereich mit der größten unerfüllten Nachfrage sei.

Die Phase-III-Studien für den ASK-1-Inhibitor Selonsertib verlaufen nach Plan. Gilead rechnet damit, dass die Ergebnisse der Phase-II-Studien für den FXR-Agonisten GS-9674 und den ACC Inhibitor GS-9776 nächstes Jahr vorliegen. Darüberhinaus sagte Bischofberger, dass das Unternehmen derzeit kleine Kombinationsstudien für die Medikamente, die es 2018 in die Phase II schaffen könnten, durchführt.

Auf die Frage, ob Verbraucher bereit sein werden, für NASH-Behandlungsmöglichkeiten zu zahlen, antwortete Kevin Young, dass es „der beste Weg ist, mit den Patienten zu beginnen, die die Behandlung am dringendsten brauchen (also Patienten mit F4-Fibrose). Er sagte, dass diese Patienten eine Behandlung viel Geld kostet und deutete damit an, dass sich effektive Behandlungsmöglichkeiten für die fortgeschrittensten Fälle von NASH vermutlich auszahlen werden.

5. Warum hat GILEAD noch keine Übernahme getätigt?

Für Investoren ist dies wohl die wichtigste Frage. Young gab zu, dass er danach immer wieder gefragt werde und viele der Meinung seien, dass Gilead diesbezüglich nur langsam vorankommt. Er sagte, dass Gilead bei der Findung neuer Innovationen einen „durchdachten Ansatz“ bevorzugt. Diese Antwort spiegelt im Grunde genommen die Aussagen des CEO John Milligan aus dem vergangenen Jahr wider.

Außerdem merkte Young an, dass der Biotech-Riese sich intensiv nach potenziellen Übernahmezielen im Bereich von Leberkrankheiten, Entzündungen, Onkologie, Hämatologie und anderen therapeutischen Bereichen umschaut. Der einzige Hinweis, den er gab, war, dass Gilead nach einem Produkt oder Unternehmen sucht, das „auf der Wellenfront neuer Medikamentenklassen“ ist und hilft, unbefriedigten medizinischen Bedarf zu decken. Zumindest grenzt diese Information die möglichen Übernahmekandidaten auf weniger als 100 Unternehmen ein.

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Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 20.06.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.