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Nach der Kursexplosion: 3 Standpunkte zur Apple-Aktie

Wer vor ein paar Jahren in Apple (WKN:865985) investiert hat, der wird sich heute freuen. Denn das Papier legte seit April 2013 um über 61 % zu (Stand: 25.05.2017). Die Frage, die sich Investoren nun stellen werden, ist klar: Steckt noch mehr in der Apple-Aktie oder war es das schon?

Zur Beantwortung dieser Frage hilft es dir vielleicht, wenn du dir verschiedene Meinungen zum iPhone-Hersteller anhörst. Wir haben daher drei unserer Autoren zu ihren Standpunkten zur Apple-Aktie befragt.

Sven Vogel: Apple weiß Kunden zu begeistern

Das Für und Wider einer Investition in Apple beschäftigt Investoren auf der ganzen Welt. Unzählige Artikel wurden bereits zu Papier gebracht und veröffentlicht. Das Schöne daran ist, es herrscht noch immer Uneinigkeit auf dem Börsenparkett.

Verweisen Apple-Bullen auf die historisch niedrige Bewertung des aktuellen Kurses, erwidern Apple-Bären, dass damals die Wachstumsaussichten deutlich besser waren und, dass auch Apple, wie jedem historischen Giganten, irgendwann die Puste ausgeht.

Kommen die Apple-Jünger mit den hohen Bargeldreserven mit denen sich so einiges bewegen ließe, verweisen Apple-Basher auf die horrenden Steuernachzahlungen, die zu leisten wären, wenn das Geld in die USA fließen würde.

So geht es hin und her. Mal erscheinen die Argumente der einen, mal die Argumente der anderen Seite stichhaltiger. Ich persönlich stehe aber auf Apple. Vor allem natürlich auf die Apple-Aktie.

Schiebt man alle Zahlen, Statistiken und Kurscharts für einen Moment beiseite, dann gibt es für mich vor allem einen Grund: Apple-Produkte begeistern Endkunden rund um den Globus.

Das erscheint als Kaufgrund etwas arg oberflächlich und vielleicht ist es das auch. Apple ist aber einfach auf derart vielen unterschiedlichen Gebieten aktiv, die unsere Zukunft beeinflussen könnten: Connected Fitness, Augmented Reality und neue Formen der Mobilität, um nur einige wenige zu nennen.

Natürlich sind das alles viel benutzte Schlagworte. In meinen Augen werden diese Schlagworte dennoch die Welt in der wir leben verändern. Und Apple ist oftmals mittendrin. Mal ganz offensichtlich mit der Apple Watch und den unterschiedlichsten Fitness- und Gesundheits-Apps; mal nur hinter vorgehaltener Hand, wie bei den Spekulationen um die Entwicklung einer Datenbrille in Zusammenarbeit mit dem deutschen Spezialisten Carl Zeiss und manchmal noch schwammiger bei der Frage, ob Apple nun ein eigenes Auto baut oder nur an einem Mobilitäts-Betriebssystem arbeitet.

Natürlich, in den genannten Bereichen sind auch eine Vielzahl anderer Unternehmen unterwegs. Aber, warum soll nicht auch Apple einen guten Teil dieser Entwicklungen entscheidend beeinflussen und damit auch künftig gutes Geld verdienen können?

Was dabei auf alle Fälle hilft, ist die Fähigkeit, Endkunden zu begeistern. Ein prall gefülltes Bankkonto kann dabei übrigens auch nicht schaden.

Ralf Anders: Koloss mit brüchigen Beinen

Die Punkte von Sven sind sicherlich irgendwo nachvollziehbar, aber ich habe eine völlig entgegengesetzte Meinung. Aus meiner Sicht stößt Apple so langsam an seine Grenzen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige Apple-Bullen sich nur noch an den fantastischen Zahlen der Vergangenheit ergötzen und diese dann in die unendliche Zukunft extrapolieren. Ich glaube, das ist ein Fehler.

Erinnert sich noch jemand an Rupert Murdoch, den alten umstrittenen Medienmogul? Mit MySpace.com und anderen Akquisitionen wollte er groß in das Geschäft mit Online-Diensten und Sozialen Netzwerken einsteigen und ist dabei grandios gescheitert. Das Gleiche im Einzelhandel, wo etablierte Giganten wie Bertelsmann und Wal Mart (WKN:860853) von Amazon (WKN:906866) im Online-Handel geschlagen wurden. Neue digitale Geschäftsfelder zu erobern ist offenbar extrem schwer, selbst wenn man sehr tiefe Taschen hat.

Ein völlig anderes Beispiel ist ArcelorMittal (WKN:A0M6U2). Das war außerhalb der Tech-Industrien eine der erstaunlichsten Wachstumsstorys der letzten Jahrzehnte. 2008 gehörte das Stahl-Konglomerat zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Eine Nord-LB-Analystin kommentierte noch im März 2008: „Die Ertragsstärke der Gesellschaft zeigt sich auch mit einem Cash Flow von 16,5 Milliarden USD … Der hohe Cash Flow bietet der externen Wachstumsstrategie eine gute Basis.“ Mir kommt das irgendwie bekannt vor. Die astronomische Bewertung wurde bald darauf dauerhaft zurechtgestutzt.

Wandel ist im Wirtschaftsleben eine wiederkehrende Tatsache und die meisten Konzerne erreichen irgendwann ihren Zenit. Bei Apple könnte es bald soweit sein, denn Angriffe kommen von allen Seiten. Da ist erstens die zerstörerische Schöpfungskraft des Silicon Valley, zweitens der nicht weniger zerstörerische Kampf um Anerkennung und Marktanteile, den asiatische Wettbewerber wie Huawei und Samsung (WKN:881823) führen und drittens die führende Ingenieurskunst in Europa, welche den erfolgreichen Eintritt in mögliche neue Geschäftsfelder wie dem industriellen Internet erschwert.

Wo die Expansionsmöglichkeiten begrenzt sind und ständige Nadelstiche an der Marktposition kratzen, da hilft auch ein Berg voll Geld nicht viel. Das Eigenkapital des iPhone-Konzerns beträgt übrigens gerade mal 134 Mrd. US-Dollar (Stand 31.03.), was zeigt, wie immens das Abwärtspotenzial ist. Für mich ist Apple ein Koloss mit brüchigen Beinen. Langfristigen Anlegern würde ich eher zur 6-mal günstiger bewerteten SAP (WKN:716460) raten (Marktkapitalisierung vom 25.05.).

Thomas Brantl: Starkes Ökosystem mit wachsendem Servicegeschäft

Im Gegensatz zu Ralf glaube ich, dass Apple auch in Zukunft eine lohnende Investition sein könnte. Denn kaum ein Unternehmen verfügt über ein derart starkes Ökosystem wie Apple. Davon profitieren könnte vor allem das Servicegeschäft.

Für das Zusammenspiel von iPhone, iPad, MacBook und Co, welches man oft als Ökosystem bezeichnet, gibt es eine Menge Beispiele. Eines davon ist iTunes, die Softwareplattform für Musik, Filme, Hörbücher und vieles mehr. Der Clou: Kauft man sich beispielsweise einen Song am iPhone, steht er sofort auch auf dem iPad, dem MacBook oder dem iPod zur Verfügung.

Apples iTunes mag zwar nicht der günstigste Anbieter am Markt sein. Wer allerdings mehrere Geräte von Apple besitzt, für den dürfte es keinen einfacheren und bequemeren Weg geben, seine Lieder und Filme auf all seinen Geräten zu verwalten. Das bindet Kunden auch beim nächsten Hardwarekauf an Apple und sorgt durch zunehmende Aktivitäten auf iTunes selbst, wie erwähnt, für steigende Umsätze im Servicegeschäft.

Ein weiteres Beispiel für das grandiose Ökosystem von Apple ist die iCloud. Fotos, Filme und andere Dateien können auf der Apple-Cloud abgelegt werden. Man kann dann von all seinen Geräten darauf zugreifen. Diese Funktion lässt sich sogar auf andere Personen erweitern. So können Familien sich auf der iCloud einen Ordner anlegen, auf dem dann alle Familienfotos abgelegt werden, egal ob das Foto mit dem iPhone der Frau oder dem iPad des Mannes geschossen wurde.

So haben alle Familienmitglieder mit einem Apple-Gerät Zugriff auf die Cloud. Ein Wechsel zu einem anderen Hersteller würde dafür sorgen, dass kein direkter Zugriff mehr möglich wäre. Auch dieser Punkt könnte ausschlaggebend für den erneuten Kauf eines iPhones oder iPads sein. Da für die iCloud ab einer gewissen Speicherkapazität eine monatliche Gebühr zu entrichten ist, profitiert das Servicegeschäft ebenfalls von ihr.

Mein Fazit zur Apple-Aktie fällt daher positiv aus. Denn das starke Ökosystem sollte Kunden auch zukünftig an Apple binden. Daraus resultieren wiederkehrende Gerätekäufe und höhere Serviceumsätze – beides könnte für steigende Umsätze und Gewinne sorgen und somit auch für weiter steigende Kurse.

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Thomas Brantl besitzt Aktien von Apple, Amazon und SAP. Sven besitzt Aktien von Apple. Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Apple.