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Diesen entscheidenden Vorteil haben Siemens und SAP beim Thema Künstliche Intelligenz

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Wenn über Künstliche Intelligenz (KI) gesprochen wird, dann geht es fast immer um die Helden des Silicon Valley. Dabei könnte man fast übersehen, dass die deutsche Technologieposition exzellent ist. Es kommt hinzu, dass die beiden führenden europäischen Softwareentwickler SAP (WKN:716460) und Siemens (WKN:723610) einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz besitzen.

Das weite Feld der KI

Unter KI fallen viele Schlagworte, darunter Maschinenlernen, Deep Learning und kognitive Technologien. Manches davon ist reines Marketing, anderes betont eine bestimmte Stoßrichtung. So gibt es rein softwarebasierte KI-Systeme wie Googles lernender Go-Großmeister AlphaGO, der mit jedem gespielten Spiel stärker wird. Andere Anwendungen verwenden spezielle Sensorik, um beispielsweise reale Gegenstände und Sprache kognitiv zu erkennen oder sie greifen sogar selbst in die Umgebung ein, wie wir es von Autonomen Fahrzeugen oder Robotern kennen.

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KI ist seit über 50 Jahren ein spannendes Forschungsthema. Dass erst jetzt kommerzielle Anwendungen zum Einsatz kommen oder besser gesagt geradezu explodieren, hat gleich mehrere Gründe: Erstens war es früher schwierig, genug Trainingsmaterial in Form von Daten, Bildern oder Videos zu bekommen — das ist heute dank Instagram, YouTube usw. kein Problem mehr. Zweitens ist erst jetzt genug Rechenleistung vorhanden, um KI wirtschaftlich betreiben zu können.

Dass NVIDIA (WKN:918422) und andere Chiphersteller Prozessoren samt Entwicklerplattform im Angebot haben, die für das maschinelle Lernen optimiert sind, macht die Sache noch einfacher. Der dritte Grund besteht darin, dass es bisher einfach unglaublich aufwendig ist, leistungsfähige KI-Systeme zu programmieren und zu trainieren. Jetzt, wo das große Geld lockt, sind die IT-Konzerne eben auch bereit, entsprechend in Manpower zu investieren.

Wie groß der Markt für KI werden wird, lässt sich eigentlich nicht abschätzen. KI wird schon sehr bald in allen möglichen Dingen und Dienstleistungen eine Rolle spielen. Sicher ist, dass es um riesige Summen geht. Markets and Markets geht davon aus, dass sich der Markt im engeren Sinn innerhalb von 4 Jahren versiebenfachen wird. Im Jahr 2022 sollen es schon über 16 Mrd. US-Dollar weltweit sein.

Darum spielen SAP und Siemens ganz vorne mit

Wenn es um die mediale Aufmerksamkeit geht, kann es niemand mit den Amerikanern aufnehmen. Durch geschickte Inszenierung, gelingt es ihnen immer wieder, sich in den Vordergrund zu rücken. Den Anfang machte IBM (WKN:851399) mit ihrem überdimensionierten Schachcomputer Deep Blue sowie ihrem speziell angepassten Watson-System, das bei der Jeopardy-Show fast unschlagbar war.

Alphabet (WKN:A14Y6F), Facebook (WKN:A1JWVX), Apple (WKN:865985), Amazon (WKN:906866) und viele andere sprangen auf den Zug auf und integrieren die Technologie in ihre Online-Plattformen. Sie alle haben aber einen entscheidenden Nachteil: Aufgrund ihrer Herkunft kennen sich ihre Ingenieure exzellent in Rechenzentren und teilweise in den Büros ihrer Unternehmenskunden aus. Auch über das Verbraucherverhalten wissen sie so ziemlich alles. Aber wenn es etwa um Produktionsprozesse geht, dann ist das Erfahrungswissen eher begrenzt.

Dabei sehe ich gerade in der Verbindung von realer und digitaler Welt besonders große Chancen der KI. Eben dort haben Siemens und SAP die besseren Karten. SAP ist zwar wie viele seiner US-Pendants ein reines Software-Unternehmen, aber der Unternehmensstandort Walldorf befindet sich inmitten der wohl weltweit wichtigsten Region, wenn es um die Automatisierung und den Maschinenbau geht. Durch diese kurzen Wege sollte es SAP leichter fallen, intelligente Lösungen gemeinsam mit Partnern und Kunden zu entwickeln.

Noch besser steht Siemens da, welche die intern entwickelte KI-Software direkt an den eigenen Systemen ausprobieren kann. Siemens ist überall in Infrastrukturen und Fabrikhallen präsent und tausende Techniker und Vertriebsleute sprechen täglich mit Kunden, um die Bedürfnisse besser zu verstehen und Potenziale zu erkennen. Facebook und Google sind von alledem Lichtjahre entfernt.

All das würde jedoch nicht viel helfen, wenn die hiesige Technologie zweitklassig wäre — ist sie aber nicht. Denn das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) ist das weltgrößte seiner Art. Seine Dienstleistungen werden auch von der Silicon-Valley-Prominenz gerne in Anspruch genommen.

Über diverse Partnerschaften mit Universitäten wird die KI-Forschung bereits seit längerem gezielt auf eine breitere Basis gestellt und Fraunhofer-Institute sind bei der Umsetzung der Ergebnisse in reale Anwendungen engagiert.

Das haben SAP und Siemens vor

Der SAP-Chef Bill McDermott will über die neue Cloud-basierte Internet-der-Dinge-Plattform Leonardo die Intelligenz ganz tief hinein in die Unternehmen bringen. Weil über die Erfolgstechnologie HANA sowieso gerade viele Unternehmen ihre gesamte Business-IT umstellen, hat SAP gute Chancen, auch dort eine wichtige Rolle zu spielen, wo es darum geht, „das intelligente Unternehmen umzusetzen“.

Siemens hat seine KI-Forschung in der Zentralabteilung Corporate Technology angesiedelt. Von dort aus geht es in die vielfältigen Anwendungsbereiche der einzelnen Segmente. Vergleichsweise simple Lösungen wie die schlaue Überwachung und Echtzeit-Optimierung von bestimmten Produktionsprozessen oder des Turbinenbetriebs sind schon längst erfolgreich im Einsatz.

Aktuell präsentieren die Münchener komplexere Anwendungen, etwa in der medizinischen Diagnostik oder arbeiten an kooperierenden Robotersystemen. Ähnlich wie SAP mit Leonardo wird Siemens seine KI-Technologien über sein industrielles Betriebssystem MindSphere vermehrt auch Dritten zur Verfügung stellen. Kunden, die Maschinendaten an Mindsphere senden, können sich dann selbst intelligente Lösungen zusammenbasteln.

Auf Augenhöhe

KI ist ein weites Feld, dass viele Chancen eröffnet. Die amerikanischen Tech-Konzerne sind sicherlich in einigen Teilbereichen spitze. Aber wenn es darum geht, Infrastruktur und Produktionsprozesse intelligenter zu machen, dann müssen sich einheimische Wettbewerber wie SAP und Siemens nicht verstecken — im Gegenteil.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Suzanne Frey arbeitet als Führungsposition bei Alphabet, sie ist Teil des Vorstands von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien), Amazon, Apple, Facebook und Nvidia.

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