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Der bessere Kauf: Schaeffler versus thyssenkrupp

Es ist ein bisschen wie beim Problem mit der Henne und dem Ei: thyssenkrupp (WKN:750000) kann ohne die hochbelastbaren Wälzlager von Schaeffler (WKN:SHA015) nicht effizient Stahl produzieren und Schaeffler kann ohne die speziellen Legierungen von thyssenkrupp keine hochbelastbaren Wälzlager fertigen.

Beide zählen zu den großen Zulieferern der Automobilindustrie und wollen zukünftig in der Windkraft eine noch eine größere Rolle spielen. Lies hier, warum ich thyssenkrupp attraktiv finde, aber heute trotzdem eher auf Schaeffler setzen würde.

Das Duell

Schaeffler gleich Wälzlager und thyssenkrupp gleich Stahl — das war einmal. Heute sind beide Technologiekonzerne, die längst Kompetenz rund um Elektrifizierung und Digitalisierung aufgebaut haben. Thyssenkrupp ist dabei wesentlich breiter aufgestellt. Das Spektrum reicht vom Rohstoffhandel über Engineering-Dienstleistungen bis hin zu Rolltreppen.

Zu den Großkunden beider Konzerne gehört allerdings die Automobilindustrie. Über Dreiviertel seiner Umsätze generiert Schaeffler im Automotive-Segment, obwohl eine große Vielfalt an Branchen beliefert wird. Bei thyssenkrupp beträgt der Anteil zwar lediglich ein Viertel, was aber ebenfalls in etwa 10 Mrd. Euro ausmacht.

In die Quere kommt man sich trotzdem kaum. Wahrscheinlich liefert man sich sogar gegenseitig zu: Zuerst wird der Spezialstahl an Schaeffler verkauft, um dann die dort daraus gefertigten Lager wiederum in den Lenkgetrieben von thyssenkrupp zu verbauen.

Echten Wettbewerb gibt es hingegen bei Windturbinen. Dafür liefert zum Beispiel sowohl die thyssenkrupp-Marke Rothe Erde als auch die Schaeffler-Marke FAG Großwälzlager. Thyssenkrupp bietet darüber hinaus beispielsweise Tiefbautechnik, Lösungen für die Automatisierung der Fertigung von Rotorblättern und Aufzugskonzepte für den Turbinenturm.

Eine andere Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie über die letzten Jahre ganz schön durcheinandergewirbelt wurden. Bei thyssenkrupp waren es das Amerika-Debakel und die Chinastahlschwemme, bei Schaeffler der hochriskante Übernahmeversuch der wesentlich größeren Continental (WKN:543900). Sie hatten beide mit Schuldenproblemen zu kämpfen, aber sind erst mal mit einem blauen Auge davongekommen. An diesem Punkt wird es Zeit, sich die Finanzen etwas näher anzusehen.

Die Zahlen

Bei thyssenkrupp werden für das laufende Geschäftsjahr Umsätze von über 41 Mrd. Euro erwartet und operativ läuft es ganz ordentlich. Die schwierige Eigenkapitalsituation verbessert sich in diesem Jahr allerdings trotzdem noch nicht, weil im letzten Quartal die Fabrik in Brasilien weit unter Buchwert abgestoßen wurde.

Hoffnung macht hingegen der überraschend hohe Auftragseingang. Er lässt darauf schließen, dass das neue Konzept des Managements aufgeht. Dass zudem über weitere Restrukturierungsmaßnahmen die langfristige Kostenposition erheblich verbessert wird und der Stahlbereich Synergien mit Tata sucht, bestärkt mich in der Annahme, dass der Konzern auf einem guten Weg ist.

Auf berauschende Dividenden müssen Aktionäre allerdings auf absehbare Zeit noch verzichten, weil noch über Jahre Gewinne für den Schuldenabbau einbehalten werden müssen. Andererseits sollten innerhalb der nächsten fünf Jahre 2,50 Euro Gewinn pro Aktie überschritten werden, was beim Kurs von etwa 24 Euro (alle Kurse vom 30.05.) langfristig zweistellige Renditen versprechen würde.

Auch Schaeffler ist solide in das neue Geschäftsjahr gestartet und rechnet weiterhin mit einem Umsatzwachstum von bis zu 5 % und einer operativen Gewinnmarge (EBIT) von über 12 %. Sinkende Aufwendungen für den Schuldendienst und eine weltweit starke Nachfrage aus dem Automobilsektor halten das Unternehmen auf Erfolgskurs.

Bei einem 2017er-Umsatz von 14 Mrd. Euro sollten etwa 1,7 Mrd. Euro EBIT und ein Nettogewinn von 1,1 Mrd. Euro herauskommen. Bei einer Bewertung von gut 10 Mrd. Euro dürfen sich Aktionäre über ein einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis freuen. Lediglich die Eigenkapitalausstattung ist derzeit mit 2,3 Mrd. Euro noch relativ schwach.

Folgerichtig werden etwa zwei Drittel der Gewinne einbehalten, um Schulden weiterhin zügig abzubauen. Trotzdem gibt es voraussichtlich eine ordentliche Dividendenrendite in Höhe von etwa 4 %.

Deshalb hat Schaeffler im Moment noch die Nase vorn

Ich verfolge das Vorankommen von Schaeffler bereits seit dem Börsengang 2015 und bin immer etwas hin- und hergerissen mit meiner Einschätzung. Wie der Konzern und die darüber liegende Holding es geschafft haben, die Finanzen wieder in Ordnung zu bringen, verdient allen Respekt. Auch das Engagement in der Formula-E-Rennserie gefällt mir gut.

Andererseits habe ich gewisse Zweifel an der strategischen Ausrichtung, die deutlich aus der Feder eines Finanzmanns stammt, nur wenig Ingenieursgeist versprüht und das Industriegeschäft vernachlässigt. Initiativen zur Diversifizierung kommen kaum voran, weil vor allem dort geforscht wird, wo aktuell die Geschäfte noch gut laufen (schau dir dazu mal die letzten Patente an: fast alle für Autos mit Verbrennungsmotor!). Langfristig könnte das zum Bumerang werden, wenn kein entschiedeneres Umdenken einsetzt.

Bei thyssenkrupp finde ich hingegen sehr ansprechend, wie sich der alte Stahlkoloss zum integrierten Technologiekonzern gewandelt hat. Noch sind die Erfolge nur zum geringen Teil in den Zahlen abzulesen, aber was in den letzten Jahren gesät wurde, sollte schon bald Früchte tragen. Die Chancen sind vielfältig und die großen Probleme der letzten Jahre scheinen gelöst. Sorgen macht mir dort allerdings die weiterhin anfällige Bilanz, die dringend auf Gewinne angewiesen ist.

Es stehen also die attraktiveren Kennzahlen und die durchwachsene Strategie auf Schaefflers Seite gegen thyssenkrupps aussichtsreiche Strategie bei schwachem mittelfristigem Dividendenausblick.

Wenn ich mich jetzt zwischen den beiden entscheiden müsste, würde ich mir eher die dividendenstarke Schaeffler ins Depot legen, aber thyssenkrupp könnte für eine Überraschung gut sein, weshalb ich sie auf jeden Fall auf meiner Watchlist lasse.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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