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Dieser Stanford-Ökonom und Buchautor glaubt, dass Volkswagen und Shell bis 2030 weggefegt werden

Bild: Pixabay Nutzer kenny2332

Fast hätte ich diese neue Studie als übertriebenen Blödsinn verworfen. Aber was Stanford-Dozent, Buchautor und MIT-Absolvent Tony Seba gemeinsam mit einem Tech-Investor über die Zukunft der Mobilität ausgearbeitet hat, ist hochbrisant. Folgt man der Argumentation, dann steht es schlimm um viele Automobil- und Ölkonzerne. Mich hat die Vision ganz schön beeindruckt, die Bedrohung ist real. Trotzdem sehe ich noch gute Chancen für die etablierten Autobauer.

Was Tony Seba voraussagt

Es ist kein Geheimnis, dass die Elektromobilität, das autonome Fahren und die Digitalisierung immer mehr Gewicht im alltäglichen Individualverkehr gewinnen werden. Allerdings gingen die meisten bisherigen Studien davon aus, dass der Übergang fließend sein wird, wodurch die Industrie genug Zeit hätte, um sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

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So wird es aber nicht kommen, meint Tony Seba, der bereits 2010 mit dem Buch „Solar Trillions“ Aufsehen erregt hat, als er voraussagte, dass Solarenergie ein billionenschweres und geradezu explodierendes Geschäft werde, sobald ein gewisser Punkt erreicht ist.

Für eine wahre Revolution im Verkehrswesen soll nun die nächste Generation von Carsharing-Systemen sorgen. Zentrale Merkmale der zugehörigen Fahrzeuge sind Autonomie, Elektroantrieb und eine Internetverbindung. Betrieben werden die großen Flotten von TaaS-Unternehmen, wobei TaaS für „Transport als Dienstleistung“ steht.

Wie ein Bienenschwarm könnten solche Autos sich im Stadtgebiet oder auch überregional selbständig bewegen. Eine intelligente Software in der Cloud würde in Echtzeit alle Fahrzeugbewegungen koordinieren und so die Wartezeiten für Kunden minimieren.

Seba behauptet, dass solche Systeme so erfolgreich sein werden, dass kaum noch jemand ein eigenes Auto besitzen wollen wird. Den Autoherstellern (aber auch den Ölförderern) geht es dann möglicherweise an den Kragen.

Dieser Mechanismus soll Autohersteller und Ölkonzerne wegfegen

Aber warum sollten auch alle plötzlich auf den Besitz des geliebten Autos in der Garage verzichten wollen — und das auch noch sehr bald? 2021, wenn autonome Fahrzeuge den Autoren zufolge marktreif sind und von den Regulierungsbehörden das OK bekommen, soll der Kampf um Marktanteile der TaaS-Anbieter direkt losgehen. In der Folge setzt eine stürmische Verdrängung ein und spätestens 2030 hätten die TaaS-Betreiber die fast uneingeschränkte Macht über den Individualverkehr.

Es ist wirklich schwer zu glauben, aber Seba präsentiert einige durchdachte Argumente, die mich zum Nachdenken gebracht haben:

Argument 1: Die Kosten

Solche Bienenschwarm-Autos können intelligent gesteuert eine zehnmal höhere Nutzungsrate erreichen als ein Privatauto. Dadurch sinken die Betriebskosten dramatisch. Auch bei der Wartung, der Finanzierung und dem Papierkram vereinfacht sich durch das Flottenmanagement vieles. Außerdem vermeiden Roboter zukünftig effektiv Unfälle. All dies erlaubt sehr attraktive Tarife, wodurch Familien jährlich mehrere Tausend Euro an Transportkosten sparen könnten im Vergleich zum Betrieb eines eigenen Verbrenners.

Argument 2: Der Trend

Alles, was derzeit noch für ein eigenes Auto spricht, schwindet nach und nach:

  • Die mögliche Angst vor autonomen Systemen wird der Gewohnheit weichen.
  • Der soziale Status wird zukünftig kaum noch von der Automarke bestimmt.
  • Statt Freude am Fahren werden sich immer mehr Menschen für die Möglichkeiten begeistern, die ein Roboterfahrzeug bietet (Unterhaltung, Büroumgebung, Entspannen).
  • Personalisierungsmöglichkeiten werden zunehmend auch von TaaS-Fahrzeugen geboten.

Argument 3: Die Regulierung

Metropolen überall suchen nach effizienten Lösungen, um dem drohenden Verkehrsinfarkt entgegenzuwirken. Wenn Elektroflotten die rußenden Privatfahrzeuge ersetzen könnten, dann wäre das Smog- und Feinstaubproblem von Stuttgart bis Schanghai wahrscheinlich gelöst.

Argument 4: Selbstverstärkende Netzwerkeffekte

Solche Flotten werden mit jedem neuen Teilnehmer und jedem hinzugefügten Fahrzeug attraktiver, weshalb sich ihre Expansion selbst beschleunigt. Auf der anderen Seite verliert die Verbrennerfraktion stetig an Gewicht. Das bedeutet, dass z.B. Tankstellen immer weniger zu tun bekommen. Nicht nur sie dünnen ihre Standorte aus, wodurch Verbrenner noch unpraktischer im Betrieb werden. Immer mehr Eigentümer entscheiden sich daher für den Verkauf ihres teuren Fahrzeugs.

Die Folgen wären drastisch

Wo fast keine Verbrenner mehr sind, da wird auch kein Kraftstoff mehr verbraucht. Folglich bekommen nicht nur die Tankstellen Probleme, sondern auch die Ölkonzerne wie Royal Dutch Shell (WKN:A0ER6S) und Exxon Mobil (WKN:852549), weil Absatz und Preis gleichzeitig stark sinken. Der klassische Autoverleih geht wegen der TaaS-Flotten komplett ein, genauso wie Werkstätten, der Neuwagen- und Gebrauchtwagenhandel, sowie individuelle Autoversicherungen.

Autohersteller, die 2015 noch 570 Mrd. US-Dollar Umsatz gemacht haben, müssen sich 2030 einen viel kleineren Kuchen von nur noch 104 Mrd. US-Dollar teilen, weil durch die Nutzungsweise 80 % weniger Fahrzeuge benötigt würden. Schon 2024 werden praktisch keine Verbrenner mehr verkauft.

Da die deutschen Autobauer mit ganz anderen Szenarien arbeiten, kann einem angesichts dieser Behauptungen Angst und Bange werden. Daimler (WKN:710000)-Chef Dieter Zetsche hat in letzter Zeit hohe Milliardeninvestitionen in individuelle Fahrzeugmodelle veranlasst, egal ob Diesel, Otto, Hybrid oder Elektro. Bei Volkswagen (WKN:766403) und BMW (WKN:519000) sieht es ähnlich aus. Es kommt noch hinzu, dass ihr Markenwert massiv verlieren könnte, weil das Kundenerlebnis primär vom TaaS-Unternehmen definiert wird.

Was ich davon halte

Ich denke, dass die grundsätzliche Stoßrichtung der Studie völlig richtig ist. Als jahrelanger Zugpendler und Carsharing-Nutzer kann ich viele Argumente gut nachvollziehen. Allerdings dürfte der genannte Zeitrahmen zu ambitioniert sein. Das könnte vielleicht für Kalifornien, Singapur oder Estland hinhauen, aber weltweit? Auf keinen Fall! Beispielsweise benötigen solche TaaS-Systeme einen stabilen Rechtsrahmen, der so in vielen Entwicklungsländern nicht gegeben ist.

Zudem bin ich zur Überzeugung gekommen, dass die Nachfrage nach einem eigenem Fahrzeug von den Autoren stark unterschätzt wird. Handwerker, Vertriebler, Jäger und viele mehr wollen nicht jedes Mal all ihre persönlichen Sachen, die sie täglich brauchen, herausnehmen. Wer regelmäßig ins Gebirge fährt, wird sich nicht auf ein autonomes Elektroauto verlassen wollen, dem beim Aufstieg schnell der Saft ausgeht — und einen dann später bei plötzlich aufziehendem Gewitter Stunden warten lässt.

Ich schätze auch, dass man mit einem autonomen Fahrzeug kaum durch wildes Gelände brausen darf, denn TaaS-Fahrzeuge werden bestimmt für den Betrieb im kontrollierten Straßennetz ausgelegt. Außerdem muss sich ein TaaS-Betreiber systembedingt auf wenige beliebte Bauformen beschränken und kann damit nicht jeden individuellen Bedarf bedienen.

Die Autohersteller sollten daher zwar alarmiert sein, aber für einen Abgesang ist es noch zu früh. Dass sich die drei Hersteller auch selbst im Bereich TaaS engagieren, ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Ob dadurch drohende Einbußen im Fahrzeuggeschäft abgefangen werden können, hängt nicht nur von der Dynamik der Entwicklung ab, sondern auch von der Stärke der Angebote. Spannend wird es auf alle Fälle.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Daimler und BMW. The Motley Fool besitzt Aktien von Exxon Mobil.

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