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Warum eigentlich können BMW und VW nicht so effizient wie Tesla produzieren?

Die Serie an geradezu unglaublichen Ankündigungen von Tesla (WKN:A1CX3T) reißt nicht ab. In der letzten Telefonkonferenz eröffnete Elon Musk, dass in zukünftigen Megafactorys Autos mit einer bisher nicht gekannten Effizienz gefertigt werden können. Sobald das alles rund läuft, strebt er einen hohen zweistelligen Marktanteil auch weit unterhalb der luxuriösen Oberklasse an, womit Tesla zum wertvollsten Automobilkonzern der Welt aufsteigen könnte.

Aber ich habe mir die Frage gestellt, wie es möglich sein kann, dass in den USA überlegen automatisiert werden kann, wo doch die führenden Automatisierer in Deutschland und seinen Nachbarländern angesiedelt sind und eng mit BMW (WKN:519000), Volkswagen (WKN:766403) und Co. kooperieren. Alles nur heiße Luft? Möglicherweise nicht ganz.

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Darum geht´s

Vor wenigen Tagen präsentierte Tesla seine neuesten Zahlen und Elon Musk stand Analysten Rede und Antwort. Selbstfahrende Minibusse kommen wahrscheinlich doch nicht, aber dafür will man ja Tunnelsysteme bohren, um den möglichst autonomen Individualverkehr zu beschleunigen. Außerdem wird ein elektrischer Sattelschlepper entwickelt, der beweisen soll, dass der batteriebetriebene Antriebsstrang in jeder Fahrzeuggröße die überlegene Lösung darstellt.

Als ob das alles nicht schon genug Fragezeichen aufwerfen würde, behauptete er dann auch noch, dass die Fabrik in der das Model Y gefertigt wird ,einen riesigen Sprung in der Fertigungseffizienz darstellen werde. Es werde nichts geben, das auch nur annähernd damit mithalten kann. Beim kommenden Model 3 sieht man sich noch in etwa gleichauf mit den besten etablierten Herstellern. Der Produktionsstart für das Model Y, ein kompaktes SUV, ist bis spätestens 2020 geplant.

Das heißt, Tesla hat gut zwei Jahre Zeit, um nicht nur das Fahrzeug fertig zu entwickeln, sondern auch die zugehörige Produktionstechnik einschließlich des digitalen Zwillings. Nun ist ja bekannt, dass Tesla stark auf Software setzt und dabei große Kompetenz hat. Aber dass bis dahin wirklich ein solcher Quantensprung möglich ist, wird von vielen Beobachtern bezweifelt. Schließlich investiert die Konkurrenz ja auch ständig in die neueste Technologie und das ist noch nicht alles.

Wo Tesla keine Chance hat

Das Silicon Valley mag das globale Softwarezentrum sein, aber die Automatisierungstechnik ist in der Umgebung von Rhein und Donau zuhause. Dort wird von Dutzenden Konzernen und mittelständischen Technologieführern die Fabrik der Zukunft unter dem Stichwort Industrie 4.0 entwickelt. Gleichzeitig gehören die lokalen Automobilkonzerne zu ihren anspruchsvollsten Kunden.

Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass Elon Musk eine Technologie aus dem Ärmel schütteln kann, die gegenüber dem was bei VW, BMW und Co. eingesetzt wird grundsätzlich überlegen ist. Mit der Übernahme des Anlagenbauers Grohmann Engineering hat Tesla ja auch eingestanden, dass Hightech-Automatisierung ohne deutsche Ingenieurskunst kaum zu realisieren ist.

Eine große Stärke der deutschen Autobauer besteht darin, gewaltige Komplexität zu erzeugen und dann die Werkzeuge, Prozesse und Technologien zu entwickeln, um diese zu beherrschen. Asiatische Hersteller vermeiden dies in der Regel und beschränken sich beispielsweise auf wenige Modellvarianten. Der Traum der deutschen Industrie besteht hingegen darin, individuell gestaltete Produkte anbieten zu können, die zu Kosten hergestellt werden, welche vergleichbar mit einer klassischen Massenfertigung sind.

Würde Tesla dem asiatischen Modell folgen, dann käme der Premiumanspruch unter die Räder. Folgt sie hingegen dem deutschen Modell, dann können meines Erachtens unmöglich wesentliche Kostenvorteile erzielt werden. Deshalb muss der Elektroautopionier irgendetwas grundsätzlich anders anpacken, wenn die etablierte Konkurrenz ausgestochen werden soll.

So könnte Tesla der Durchbruch gelingen

Elon Musk ist kein klassischer Chef und eigentlich ja auch nicht in der Automobilbranche zuhause. Seine Stärke liegt nicht unbedingt im Management der Konzernorganisation. Der Physiker hat sich schon seit der Kindheit für das Programmieren und die Entwicklung von Produkten interessiert. Ähnlich wie Bill Gates bei Microsoft oder Steve Jobs bei Apple ist er deshalb stark in den Bereichen Forschung und Design eingebunden und bringt ständig aktiv eigene Ideen ein.

Ich vermute, dass Elon Musk nicht nur auf besonders fortschrittliche Automatisierungstechnik setzt, sondern vor allem das Design des kommenden Model Y von Grund auf neu auslegt, um es besonders effizient von Robotern zusammenbauen lassen zu können. Hier könnte er einen entscheidenden Vorsprung erzielen. Beispielsweise soll der schwere und komplexe Kabelbaum, der alle Sensoren und Steuerungselemente verbindet, radikal vereinfacht werden, was für mich dafür spricht, dass auch viele weitere Aspekte unter der schicken Oberfläche modularer und schablonisierter gestaltet werden könnten.

Auf der anderen Seite könnte es gut sein, dass die etablierten Hersteller zum Teil noch im alten Denken verhaftet bleiben, obwohl der neue Antriebsstrang völlig neue und überlegene Bauformen zulässt. Vor allem bei VW sehen die Elektromodelle meist wie umgebaute Verbrenner aus. BMW hat mit der Gründung der i-Submarke immerhin einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber die ersten carbonintensiven Versuche bezeichnete das manager magazin letzten September als Milliarden-Flop und Rohrkrepierer.

Daimler (WKN:710000) zog kürzlich mit der eigenen Elektro-Submarke EQ nach und hat dafür eine spezielle Architektur entwickelt. Für die Produktion sollen bestehende Fertigungslinien genutzt werden, was natürlich hohe Investitionen erspart, aber wohl nicht die Effizienz erreichen kann wie die völlig neu konzipierte Teslafabrik. Ähnlich sieht es bei VW aus, die zunächst die bestehenden flexiblen Strukturen der Gläsernen Manufaktur in Dresden nutzen will.

Das Rennen ist offen

Mit der Elektromobilität haben sich viele neue Schlachtfelder aufgetan. Es gibt so viele Stellhebel, dass man die Übersicht verlieren kann. Daher kommt es stark darauf an, dass die Produktentwickler den richtigen Riecher haben und sich nicht verzetteln. Weder Tesla noch BMW, Daimler oder Volkswagen sind dabei unfehlbar. Es gilt, schnell zu lernen und die Strategie immer wieder anzupassen. Ob Tesla mit dem Model Y und seiner hochautomatisierten Fertigung wirklich der große Wurf gelingt ist noch längst nicht ausgemacht, aber ausschließen würde ich es auf keinen Fall.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.