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Der bittere Beigeschmack der Frankreich-Wahl

Foto: Pixabay

Die gute Nachricht vorab: Nach aktuellem Stand (07.05.2017, 22:29 Uhr) hat Emmanuelle Macron die Präsidentschaftswahl in Frankreich deutlich vor der Front National Kandidatin Marine Le Pen, die eher dem EU-kritischen und stark national-geprägten Spektrum zugeordnet wird, gewonnen. Mit 65,8 % wird Stand jetzt der deutliche Sieg des eher sozialistisch angehauchten Macron beziffert.

Viele feiern. Die Franzosen, die Deutschen, die Europäer, und vielleicht sogar einige Briten, dass die Franzosen nicht das Extrem als willkommene Alternative gewählt haben. Auch der DAX und einige andere Indexvertreter könnten morgen einen Freudenhüpfer angesichts des Ausgangs der Wahl hinlegen.

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Aber 65,8 % impliziert, dass 34,2 % der Franzosen, mehr als ein Drittel, gerade nicht feiern. Und das ist der Punkt, an dem es anfängt bitter zu schmecken.

Schlacht gewonnen, Krieg noch nicht vorbei

Denn selbst wenn Frankreich sich mehrheitlich innerhalb dieser Wahl gegen die populistisch angehauchte Variante entschieden hat, glaubt ein Drittel der Franzosen, dass diese Alternative die bessere gewesen wäre. Die Alternative, die gegen Europa ist, gegen den Binnenmarkt, gegen die Freizügigkeit und gegen alle Chancen, die sich durch die Union sonst noch ergeben. Von den anderen fragwürdigen, extremen sozialen Ansichten von Le Pen mal abgesehen.

Ein Drittel. Jeder dritte Wahlberechtige, der sich zur Wahl aufgemacht hat, glaubte an diese Extreme und hielt sie für das Bessere. Das lässt natürlich bittere Erkenntnisse darüber zu, welche Ansichten und Weltanschauungen breite Teile der Franzosen hier vertreten.

Aber es scheint, wie auch der Brexit zeigt, nicht nur ein französisches Phänomen zu sein, sondern ein gesamteuropäisches. Das Aufstreben der AfD gehört ebenfalls dazu, gleichsam wie der Erfolg der rechten Ecke in unserem anderen Nachbarland Polen. Doch verlassen wir lieber an dieser Stelle die sozial-politische Ebene, ehe wir ein zu breites Fass aufmachen und uns hier gänzlich verlieren.

Auch wirtschaftlich birgt der Populismus weiterhin Gefahren

Betrachten wir lieber, welche wirtschaftlichen Gefahren durch solche extremen gesellschaftlichen Tendenzen bestehen. Solange die Sichtweise, dass Europa schlecht ist nämlich nicht gänzlich aus den Köpfen der Menschen vertrieben wird, könnten Wahlen immer wieder überraschende Momente aufweisen. Die Schlacht Frankreich wurde zwar nun gewonnen, die des Brexit im vergangenen Jahr jedoch sang und klanglos verloren, der populistische Krieg ist letztlich noch im Gange, um in der militärischen Bildsprache zu bleiben. Europa, alle Staaten, alle dazugehörigen Unternehmen, Arbeitnehmer und sonstigen Akteure stehen nach wie vor auf wackeligem Grund und Boden.

Sollten extreme Sichtweisen in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten weiterhin erstarken, könnten diese bei politischen Erfolgen das europäische Fundament über kurz oder lang ganz zum Einsturz bringen. Was das für die Wirtschaft bedeuten würde? Ich mag es mir nicht ausmalen. Experten rechnen in diesem Szenario allerdings, dass das in einer gesamteuropäischen Rezession münden dürfte, die je nach Meinung und Lesart stärker oder schwächer ausfällt. Tendenziell bin ich jedoch der Meinung, dass der Wegfall der Zollunion sowie weiterer elementarer Freiheiten, die uns der AEUV beschert hat, eine deutliche Implosion der europäischen Wirtschaft hervorrufen dürfte.

Heute feiern, morgen auch, aber wie geht es weiter?

Heute feiern wir aber erstmal, dass Le Pen es nicht geschafft hat, ihre verqueren Sichten zu politisieren. Morgen dürften DAX, EURO STOXX und Co. ebenfalls ihre Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass die stützende französische Säule des europäischen Gebäudes hält und nicht einsturzgefährdet ist.

Dennoch sollten Investoren das Thema Populismus in den nächsten Jahren weiterhin im Auge behalten. Wie sowohl der Brexit, als auch Donald Trump gezeigt haben, haben derartige Themen das Zeug, die Entwicklungen der Börsen zu beeinflussen.

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