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Der bessere Kauf: Solarworld versus SMA Solar

Foto: Pixabay

Vor einem Jahr habe ich argumentiert, warum ich prinzipiell lieber in Hersteller von Windturbinen als von Solarmodulen investieren würde (siehe Artikel hier). Seither entwickelte sich die Windbranche schwach (Nordex) bis hervorragend (Gamesa, Vestas), während die Charts auf der Photovoltaikseite fast allesamt ziemlich übel aussehen. Möglicherweise kommt jetzt aber neuer Schwung in den Markt. Aber worin investieren wir besser, Module oder Wechselrichter? Lass uns mal die Aussichten von Solarworld (WKN:A1YCMM) und SMA Solar (WKN:A0DJ6J) vergleichen.

Die Solarindustrie an einem Wendepunkt?

Egal ob Aktien von First Solar (WKN:A0LEKM), Canadian Solar (WKN:A0LCUY) oder Yingli Green Energy (WKN:A2ACH0): Fast überall wird seit Langem vergeblich ein Boden gesucht. Die Überkapazitäten und der gnadenlose Preiskampf lassen keine auskömmlichen Margen zu. Auch der oftmals notgedrungene Einstieg in die Projektentwicklung konnte nicht verhindern, dass es mit den Kursen weiter bergab geht.

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Dabei sind die Branchenaussichten weiterhin hervorragend. In einer aktuellen gemeinsamen Studie des amerikanischen Erneuerbare-Energien-Labors NREL, des Fraunhofer ISE und des japanischen Technikinstituts AIST wurde untersucht, wie man in den nächsten 10 bis 15 Jahren mit der Photovoltaik in die Größenordnung von Terawatt (1 TW = 1.000 Gigawatt) vordringen kann und welche Herausforderungen auf dem Weg dorthin bewältigt werden müssen.

Demzufolge würde eine vergleichsweise niedrige Wachstumsrate von 15 % pro Jahr genügen, um 2030 auf eine Kapazität von 3 TW zu kommen (nach meiner Rechnung aber eher 2 TW). Ebenso realistisch sei jedoch unter bestimmten Voraussetzungen auch eine schnellere Entwicklung wie in vergangenen Jahren mit 29 %. Dann würde man bis dahin auf 10 TW kommen. Zum Vergleich: Kernkraft, Wind und Solar haben heute eine installierte Kapazität im Bereich von jeweils 300 bis 500 Gigawatt.

Strom von großen Solarparks ist in sonnenreichen Regionen ähnlich günstig wie von hocheffizienten Gas-und-Dampf-Kombikraftwerken. Es ist absehbar, dass die Solarzellentechnik schneller weitere Fortschritte macht als jede andere Form der Energieerzeugung. Somit werden voraussichtlich immer mehr Regionen verstärkt darauf setzen. Da sich der weltweite Stromverbrauch laut der amerikanischen Energieinformationsagentur (EIA) in den nächsten 30 Jahren fast verdoppeln wird, sollten die langfristigen Perspektiven eigentlich rosig aussehen.

So steht es um Solarworld und SMA Solar

Solarworld kämpft um seine Existenz

Aber wenn es den Großen schon maximal mittelprächtig geht, dann stehen die Zeichen bei den Kleineren auf Krise. Solarworld wurde in den letzten Jahren von den Asiaten nach hinten durchgereicht und fühlt sich per Dumping aus dem Markt gedrängt. Trotz aller Restrukturierungsmaßnahmen und Innovationen gelingt es weiterhin nicht, zur Profitabilität zurückzukehren. Zwar konnten im letzten Quartal wieder mehr Module abgesetzt werden, aber zu viel geringeren Preisen.

Um gegenzusteuern werden Arbeitsplätze abgebaut und das Produktionsprogramm umgestellt. Zukünftig sollen nur noch hocheffiziente Premiummodule gefertigt werden. Der Chef Frank Asbeck gibt sich überzeugt, dass seine so genannte Mono-PERC-Technologie noch viel Potenzial habe und langfristig das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen werde. Über eine weitere Absatzsteigerung sollen dann ab 2019 wieder Gewinne geschrieben werden.

Dafür muss das Unternehmen aber die anhaltende Schwächephase überstehen. Viele Beobachter zweifeln nämlich mittlerweile an, dass Solarworld überleben kann. Das Liquiditätspolster schmilzt ab und Anleihen müssen erneuert werden. Hierzu passt, dass im Februar ein 50-Prozent-Anteil am Lithium-Projekt im Osterzgebirge an einen Partner abgegeben wurde, was immerhin 5 Mio. Euro in die Kasse spülte.

SMA Solar verteidigt seine Führungsposition

Einfach ist auch die Lage von SMA Solar nicht. Auf Fünfjahressicht ist der Aktienkurs im Minus, der Preisverfall hat auch hier zugeschlagen. Huawei drängt beispielsweise aggressiv auf den internationalen Markt (vergleiche Artikel vom Februar). SMA und andere europäische Hersteller wie Kaco warnen jedoch vor den Preisbrechern, die aus ihrer Sicht gesetzliche Vorgaben zur Störsicherheit oft missachten.

Technologisch ist der Wechselrichter-Hersteller seit Jahren gewohnt, sich immer wieder erfolgreich den Angriffen der Konkurrenz vor allem aus Israel und den USA zu erwehren. Kürzlich wurden etwa Details zu einem Forschungsprojekt mit Fraunhofer-Instituten und Phoenix Contact veröffentlicht. Dank eines durchdachten hochintegrierten Konzepts konnten demzufolge die Leistungswerte signifikant gesteigert werden. 2018 soll eine neue Modellgeneration auf den Markt kommen.

Über harte Restrukturierungsmaßnahmen und das Zurückfahren der Investitionen hat sich SMA stabilisiert. Mit der Strategie 2020 will man nun stärker als Lösungsanbieter auftreten und sich so unabhängiger von Absatzschwankungen machen. SMA setzt dabei vermehrt auf strategische Allianzen, um Themen wie Vernetzung, Digitalisierung und Energiemanagement voranzutreiben.

Auf wen setzen?

SMA Solar ist aktuell in fast jeder Hinsicht besser aufgestellt als Solarworld. Die Niestetaler sind in ihrem Bereich führend, haben eine solide Bilanz und profitieren fast direkt von einer steigenden Nachfrage nach Solaranlagen jeder Größe. Solarworld hingegen steht fast übermächtiger Konkurrenz gegenüber und finanziell auf wackeligen Beinen.

Folglich müsste die Aktie des Modulherstellers wesentlich günstiger sein, um für Anleger trotzdem interessant zu sein und so ist es: SMA ist mit 821 Mio. Euro etwa 16-mal (!) so viel wert wie Solarworld (52 Mio. Euro, Kurse vom 03.05.2017), obwohl die Umsätze bei beiden auf einem ähnlichen Niveau liegen.

Da ich davon ausgehe, dass die Solarbranche langfristig stark wächst, denke ich, dass SMA bei den aktuell reduzierten Aktienkursen ein gutes Investment mit relativ geringem Risiko ist. Ungleich größere Gewinne locken bei Solarworld. Die Bonner müssen jetzt zumindest noch zwei Jahre überstehen, ohne das Vertrauen der Fremdkapitalgeber zu verlieren. Danach müssen wieder nachhaltige Überschüsse her. Im anderen Fall drohen Eigenkapitalerhöhungen oder Schlimmeres, mit verheerenden Auswirkungen für die Aktionäre.

Grundsätzlich könnte der Modulhersteller zu diesem Spottpreis aber eine durchaus interessante Depotbeimischung sein. Die Frage ist, ob wir dem Management bereits unser Vertrauen schenken wollen. Ich jedenfalls werde erst mal noch das ein oder andere Quartal abwarten, um zu sehen, ob wirklich Besserung in Sicht ist.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Nordex.

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