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Frankreich jagt DAX auf Rekordstände. Zurecht?

Foto: Pixabay

Es war zu erwarten: Wie nach fast jeder einigermaßen wichtigen Wahl in letzter Zeit zeigen sich die Anleger auch diesmal glücklich darüber, dass die Welt nicht untergegangen ist. Die Aussicht auf einen Präsidenten Macron mag beruhigend wirken — aber erstens ist das noch längst nicht sicher und zweitens ist zweifelhaft, dass die Märkte nur deshalb angeheizt werden sollten.

Darum geht’s

Für deutsche Beobachter ist die Frankreich-Wahl in diesem Jahr von besonderem Interesse. Denn neben einigen mehr oder weniger akzeptablen Kandidaten trat auch die in vielen Augen inakzeptable Marine Le Pen an. Sie hat das Ziel, Frankreich viel unabhängiger von der Europäischen Union aufzustellen, zum Franc zurückzukehren und eine harte Politik gegen Migranten durchzusetzen.

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Das gesamte deutsch-französische Projekt stünde mit ihr auf der Kippe, mit ungewissen Aussichten etwa für Airbus (WKN:938914) oder die gerade laufende Übernahme von Opel durch den Peugeot-Konzern PSA (WKN:852363). Siemens (WKN:723610) unterhält ein ganzes Netzwerk an bedeutenden Allianzen mit Partnern von der anderen Rheinseite. Nationalistische Bestrebungen kommen in keinem dieser Fälle gut.

Obwohl sie im ersten Wahlgang gut 21 % der Stimmen und damit Platz zwei erobert hat, geben sich jetzt viele erleichtert, weil erwartet wird, dass der 39 Jahre junge Emmanuel Macron von der Partei En Marche das Ding schon schaukeln wird. Der Unsicherheitsindex VDAX brach am Montag um über 30 % ein und der DAX schoss auf neue Rekordstände nach oben. Dabei waren sich viele Analysten in den letzten Wochen einig, dass eine Korrektur anstehen würde, weil die Luft nach dem langen Aufwärtstrend erst einmal raus sei. Sogar der große Crash wurde vielfach angekündigt — verwirrend.

Das bedeutet Macron für Deutschland

Trotz der konstruktiven Zusammenarbeit in den großen europäischen Fragen, war das deutsch-französische Verhältnis fast immer etwas schwierig. François Mitterrand beurteilte Deutschland aufgrund seiner persönlichen leidvollen Erfahrungen noch weitgehend im alten Erbfeind-Denken. Auch der zwielichtige Jacques Chirac war nicht immer angenehm, obwohl Gerhard Schröder offenbar ausgezeichnet mit ihm auskam. Chirac hatte 2002 die Stichwahl gegen Papa Jean-Marie Le Pen mit rekordverdächtigen 82 Prozent gewonnen.

Der scheidende Hollande schien immer eher bestrebt, die Nähe zu den unter der Schuldenlast ächzenden Mittelmeerländern zu suchen, anstatt zum Block der exportstarken Länder östlich und nördlich des Hexagons aufzuschließen.

Macron gilt als Freund der europäischen Idee, aber er hält kritische Distanz zu Deutschland und will selbstbewusst Forderungen stellen. Bereits 2014 als damaliger Wirtschaftsminister drängte er die deutsche Seite zu Milliardeninvestitionen. Ich denke, das ist o.k., Forderungen gibt es auch in der Gegenrichtung. Niemand kann erwarten, dass der Chef der Grande Nation sich mit weniger als einer Beziehung auf Augenhöhe zu Deutschland zufriedengibt.

Während aus den Reihen der CDU eher nüchterne Zustimmung ausgedrückt wird, spürt hierzulande vor allem die SPD Rückenwind. Siegmar Gabriel hat gute Erinnerungen an die Zeit der Zusammenarbeit, als auch er noch Wirtschaftsminister war. Vorwärts, die Parteizeitung der SPD, sieht in dem möglichen zukünftigen Paar Martin Schulz und Emmanuel Macron „neue Hoffnung für die EU“.

Noch ist die Wahl nicht entschieden

Viele machen jetzt eine einfache Rechnung auf: Diejenigen, die Rechtsaußen wählen wollten, haben es am Wochenende getan. Alle anderen wünschen sich einen Kandidaten aus der Mitte oder von Links. Folglich sollte Marine Le Pen in der Stichwahl kaum über die nun erreichten 21 % hinauskommen. Aber ähnlich wie in den USA, wo sich das Angebot für viele wie Pest und Cholera darstellte, könnte es auch in Frankreich sein.

Macron hat sich vor seinem Rücktritt 2016 mit den starken Gewerkschaften angelegt und gilt seither bei vielen Genossen als unwählbar. Außerdem hat er einen äußerst elitären Werdegang hinter sich, was heutzutage nicht besonders populär ist und in den kommenden Tagen argumentativ zum Problem werden könnte.

Zuletzt ist zu beachten, dass das Böse dieser Welt sich auf die Seite von Le Pen schlägt. Denkbar wäre beispielsweise, dass das fleißig twitternde Weiße Haus noch kurz vor der Wahl dafür sorgt, Macron entscheidend zu diskreditieren. Dass Al Kaida und ISIS in der Lage sind, gewaltsam Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen, mussten wir bereits leidvoll erfahren. Vielleicht unternehmen auch die Hacker im Umfeld von Putins Geheimdiensten einen neuen Versuch. Man muss mit Allerlei rechnen.

Euphorie ist verfrüht

Jedenfalls ist festzustellen: Le Pen erreichte die zweite Position. Ihre Chancen, Präsidentin zu werden, sind keineswegs geringer als vor dem Wahlwochenende. Die Erleichterungsrally erscheint daher wenig Sinn zu ergeben. Wer jetzt auf diesem ambitionierten Niveau den breiten Markt kauft, der kann nach meiner Einschätzung auf absehbare Zeit kaum auf hohe Renditen hoffen — selbst wenn Macron wie allseits erwartet überzeugend gewinnt. Denn auch mit ihm verschwinden die Probleme dieser Welt nicht von heute auf morgen.

Anleger sollten versuchen, kühlen Kopf zu bewahren und gezielt auf Einzeltitel setzen. Während die Standardwerte dank der massiv zufließenden Mittel fast alle stark anzogen, zeigten sich viele attraktive Nebenwerte nur wenig verändert. Wer DAX-Werte in seinem Depot hat, der sollte sich die Bewertung genau ansehen und gegebenenfalls umschichten, um die langfristigen Renditeaussichten zu verbessern.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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