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Nach den Zahlen für 2016: Sollten Anleger noch bei Wirecard einsteigen?

Foto: Wirecard AG

In der letzten Woche hat der Zahlungsverkehrsdienstleister Wirecard AG (WKN: 747206) seinen Geschäftsbericht für 2016 vorgelegt und mit reichlich Wachstum geglänzt. Für 2017 ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten. Darum glaube ich, dass die Aktie trotz des Anstiegs der letzten Monate noch weiterhin Potential hat.

Das Geschäftsfeld

Wirecard ist ein globaler Technologiekonzern, der Transaktionen zwischen Kunden und Händlern mithilfe von sicheren Bezahlverfahren ermöglicht. Die Aschheimer sind dabei als Dienstleister im Bereich der elektronischen Zahlungsabwicklung Teil der Payment-Industrie. Und die brummt: So erwartet etwa der Researchdienst eMarketer für 2016 im Internethandel mit Konsumenten einen weltweiten Umsatz von fast 2 Billionen US-Dollar, das sind rund 20 % mehr als 2015.

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Bei jeder Transaktion im Internet, aber auch beim bargeldlosen Zahlen im Geschäft vor Ort, muss jemand diese Zahlung abwickeln. Es gibt zwar auf der ganzen Welt zahlreiche lokale und regionale Unternehmen, die einzelne Teilbereiche der Wertschöpfungskette abdecken, Wirecard sticht jedoch im Marktumfeld mit einem vollumfänglichen Angebotsportfolio heraus – das gilt sowohl für die Technik als auch für den Einsatz in aller Welt.

Erstmals die Milliarden-Euro-Umsatzmarke geknackt

Das Branchenwachstum und die starke Marktposition von Wirecard machten sich 2016 auch beim Umsatz bemerkbar. Der stieg nämlich zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte auf über eine Milliarde Euro. Ganz genau waren es 1,028 Milliarden und damit ein Drittel mehr als 2015.

Das Kerngeschäft der Zahlungsabwicklung macht dabei 76 % aus (782 Millionen Euro). Den Rest liefern die Bereiche Acquiring & Issuing, der Händlern die Abrechnungen von Kreditkartenumsätzen anbietet, sowie eigene Prepaidkarten ausgibt, und Call-Center & Communications Services.

Der Gewinn steigt deutlich stärker

Der Gewinn legte 2016 sogar noch stärker zu, und zwar um gepflegte 87 % auf 267 Millionen Euro. Allerdings gab es hier einen Sondereffekt: Der US-Kreditkartenkonzern Visa hatte sich vor seinem Börsengang 2007 von seiner Tochter Visa Europe getrennt und diese in 2016 wieder von einer Gruppe mehrerer tausend Banken und Finanzdienstleistern, zu denen auch Wirecard gehörte, zurückgekauft. Durch den Verkauf der Anteile erlöste das Unternehmen einen Finanzertrag von 92 Millionen Euro. Ohne diesen Effekt läge das Ergebnis nach Steuern bei 177 Millionen Euro und damit um 24 % höher als im Vorjahr.

Interessant finde ich auch die Entwicklung des EBITDA. Diese Kennzahl gibt den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen an, also das Ergebnis des operativen Geschäfts. Das EBITDA betrug im Jahr 2016 307 Millionen Euro und lag damit um 35 % höher als 2015. Dass das EBITDA stärker als der Umsatz zulegt, zeigt uns, dass Wirecard Skaleneffekte nutzen kann – die relativen Kosten für die Plattform sinken mit steigender Nutzerzahl.

Ausblick auf 2017

Wirecard ist für die weitere Zukunft sehr positiv gestimmt. Das allgemeine Wachstum im eCommerce bringt mehr Umsatz. Die internationale Ausrichtung verspricht Synergien, da eine einmal entwickelte Anwendung sofort überall auf der Welt eingesetzt werden kann.

Weiterentwicklungen bringen zusätzlichen Nutzen und binden die Kunden an die Wirecard-Anwendungen. Beispielhaft wurde im Ausblick die selbst entwickelte Plattform ConnectedPOS genannt, mit der sich jetzt auch am stationären Point of Sale im Geschäft vor Ort alle verwertbaren Daten aus Kassensystemen, Transaktionen, Kundenbindungsprogrammen oder Social-Media-Anwendungen sammeln und auswerten lassen.

Aber auch die klassische Zahlungsabwicklung wächst weiter. So erwarb Wirecard im März 2017 die Citi Prepaid Card Services mit mehr als 2.500 Kartenprogrammen für internationale Großunternehmen, vorwiegend im nordamerikanischen Markt. Zusätzlich wurde die MyGate Communications (Pty) mit Sitz in Kapstadt übernommen. MyGate ist ein führender Payment Service Provider (PSP) in Afrika und betreibt eines der größten und am schnellsten wachsenden afrikanischen Payment Gateways.

In Zahlen ausgedrückt erwartet der Vorstand „eine kraftvolle Geschäftsentwicklung“ und einen operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zwischen 382 Millionen Euro und 400 Millionen Euro.

Die Aktie

Ein großer Dividendenzahler ist Wirecard nicht. Die Aktionäre erhalten eine Zahlung von 0,16 Euro und damit nur 11 % des Gewinns pro Aktie von 1,43 Euro (ohne den einmaligen Visa-Gewinn). Wirecard steckt viel Geld in das Wachstum des Geschäfts, und das hat Vorrang vor Gewinnausschüttungen.

Die Aktionäre scheinen das zu akzeptieren. Am 12. April notierte die Aktie bei 53,38 Euro. Für das Jahr 2017 rechne ich mit einem Gewinn pro Aktie von etwa 1,85 Euro. Daraus ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 29.

Das ist ein sportlicher Wert, aber wir reden hier über ein stark wachsendes Unternehmen in einer ebenso stark wachsenden Branche. Wirecard hat eindeutige Vorteile gegenüber vielen Wettbewerben und dazu einen Vorstandsvorsitzenden, der mit 7 % am Unternehmen beteiligt ist.

Das relativiert das optisch hohe KGV und macht die Wirecard-Aktie gerade für den langfristig denkenden Foolishen Investor zu einem attraktiven Investment.

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Peter Roegner besitzt Aktien von Wirecard und Visa. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Visa.

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