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Exklusives Interview: wie Lucid Motors die nächste Generation des Elektroautos bauen möchte

Model S mit Autopilot. Foto: Tesla Motors.

Das Elektroauto-Startup Lucid Motors aus dem Silicon Valley trat erstmals im Dezember letzten Jahres öffentlich in Erscheinung, als das Unternehmen das neue Lucid Air, eine vollelektrische Luxuslimousine vorstellte, die 400 Meilen mit einer einzigen Batterieladung zurücklegen kann. Zusätzlich hat das Auto 1000 PS. Das sind die Leistungsdaten, die das Unternehmen bei den hochwertigen Konfigurationen anpeilt. Das Basismodell kostet 60.000 US-Dollar vor Steuererleichterungen und wird eine Version mit einem einzelnen Motor sein, die 240 Meilen mit einer einzigen Ladung zurücklegen kann.

Letzte Woche war ich zufällig im Silicon Valley und Lucid war nett genug, mir ein exklusives Interview zu geben. Wir sprachen über den neuen Air, die Strategie der folgenden Jahre und wie das Unternehmen plant, die nächste Generation von Elektroautos herzustellen. Ich sprach mit dem Chief Technology Officer Peter Rawlinson, der auch schon Chefingenieur bei Tesla (WKN:A1CX3T) für das Model S war, bevor er das Unternehmen vor fünf Jahren verlassen hat. Ich durfte sogar eine Runde im Alpha-Prototyp drehen.

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Lucid Motors ist eine sehr kalifornische Marke. Bildquelle: Lucid Motors

Lucid Motors ist eine sehr kalifornische Marke. Bildquelle: Lucid Motors

In unserem Interview besprachen wir jede Menge Themen im Laufe einer Stunde.

Patente

Rawlinson war einer der wichtigsten Mitarbeiter bei der Entwicklung des Model S, und ist gleichzeitig als Erfinder vieler Patente von Tesla aufgeführt. Tesla hat inzwischen seine Patente seit dem Jahr 2014 auch anderen Autobauern kostenlos zur Verfügung gestellt und versprochen, niemanden zu verklagen. Da Rawlinson sich mit diesem geistigen Eigentum sehr gut auskennt und weiß wie er es einzusetzen hat, habe ich mich gefragt, ob Lucid die Patente von Tesla nutzen wird.

Lucid CTO Peter Rawlinson. Bildquelle: Lucid Motors

Rawlinson sagte, dass Lucid keines der Patente von Tesla benutzt und zwar aus mehreren Gründen. Erstens versucht Lucid eine bessere Technologie zu entwickeln, wofür man die Patente von Tesla schlichtweg nicht brauchen würde. Zweitens ist es noch nicht klar, wie Tesla diese Sache auslegen wird. Daher wäre es unklug und riskant, ein Produkt zu bauen, wenn sich solche Unsicherheit um die Nutzung und Umsetzung rankt.

Zellen und Aufladung

Lucid ist eine Partnerschaft mit Samsung SDI eingegangen, um Batteriezellen zu entwickeln, die am Ende ihren Weg in die Batteriemodule von Lucid finden werden. Alle Batteriezellen werden im Laufe der Zeit immer schlechter. Grund dafür sind mehrere Faktoren wie die Entladung oder Umweltbedingungen, um einmal einige zu nennen. Das Ziel besteht also darin, jede Verschlechterung möglichst im Zaum zu halten. Rawlinson sagt, dass diese neuen Zellen so designt sind, dass Sie diesen Einflüssen widerstehen können. “Die Zellchemie, die wir zusammen mit Samsung entwickelt haben, ist bahnbrechend, denn sie ist sehr widerstandsfähig bei wiederholter zyklischer Schnellladung.”

Samsung SDI wird der primäre Produktionspartner sein, aber Lucid arbeitet auch mit einigen anderen prominenten Lieferanten zusammen. Das Unternehmen wird die Batteriemodule selbst zusammenbauen, wozu auch ein fortgeschrittenes Kühlungssystem und eine führende Energiedichte nötig sind.

Aktuell gibt es drei wichtige Standards für die Schnellaufladung weltweit. China arbeitet übrigens gerade an einer vierten Möglichkeit. Die drei erwähnten Möglichkeiten, wozu auch die Supercharger von Tesla gehören, sind aus der Notwendigkeit geboren, da die Standards und Netzwerke damals noch nicht sehr weit fortgeschritten waren. “Tesla nahm hier eine Führungsrolle ein und stand wirklich an vorderster Front. Dafür verdient das Unternehmen unseren Respekt”, fügte Rawlinson hinzu.

Lucid hat sich in dieser Hinsicht aber noch nicht für eine Methode entschieden. Das liegt daran, dass es noch etwa zwei Jahre dauern wird, bis das erste Auto in Produktion gehen wird. Bis dahin wird sich die Sache mit der Ladung unvermeidlich noch einmal ändern. Es sieht so aus, als würde CCS das Rennen machen. Rawlinson glaubt, dass Lucid sich dafür entscheiden wird, aber das Unternehmen hat ja noch jede Menge Zeit, sich das genau zu überlegen. ”Ich glaube, dass wir bis dahin eine bewährte Lösung sehen werden.”

Wir sind uns alle einig, dass das letzte, was die Elektroautoindustrie braucht, ein weiterer Ladestandard ist, mit dem sich die Kunden herumschlagen müssen.

So viel zum Thema Komfort. Bildquelle: Lucid Motor

Direktverkauf und Service

Rawlinson lobt Tesla auch dafür, dass sie sich ihr eigenes Direktvertriebsnetzwerk aufgebaut haben und dass sie sich selbst um den Service kümmern. Lucid plant es Tesla gleichzutun und möchte sein eigenes Vertriebsnetzwerk und die eigenen Service-Zentren betreiben.

“Wir planen, ein Netzwerk bestehend aus Werkstätten und Händlern selbst aufzubauen. Dieses wird dann organisch zusammen mit den Umsätzen wachsen. Vor der Veröffentlichung des ersten Elektroautos planen wir unseren ersten Lucid-Store zu eröffnen. Dieser wird sich wahrscheinlich in der Bay Area befinden. Wir werden dieses Netzwerk zusammen mit dem Umsatz weiter ausbauen und ja, das wird am Anfang eine Herausforderung.”

Wenn wir bedenken, wie alt das traditionelle Autohändler-Vertriebsmodell ist, dann ist es eine gute Nachricht für die Kunden, dass es jetzt mehr Unternehmen gibt, die ihre Produkte selbst verkaufen.

Das Werk im Wert von 700 Millionen US-Dollar

Es gab jede Menge Schlagzeilen, dass Lucid plane, ein Werk im Wert von 700 Millionen US-Dollar in Arizona zu bauen. Das wirft eine unvermeidliche Frage auf:  Wo soll das ganze Geld dafür herkommen?

An dieser Stelle sollten wir klarstellen, dass Lucid nicht plant, die 700 Millionen US-Dollar sofort zu bezahlen. Das könnte etwas riskant sein. Stattdessen wird dieses Werk in drei Phasen entstehen. Die erste Phase soll etwa 240 Millionen US-Dollar kosten. Das sollte es dem Unternehmen erlauben, 8 bis 10.000 Fahrzeuge pro Jahr zu bauen. Die Produktion soll dabei im Jahr 2019 beginnen. Erst nachdem alle drei Stufen vollendet sind, was im Jahr 2022 der Fall sein soll, wenn alles gut geht, dann sollen die Gesamtinvestitionen 700 Millionen US-Dollar erreichen. Zu diesem Punkt sollte das Werk schon eine Produktionskapazität von 130.000 Fahrzeugen haben.

Lucid arbeit gerade daran, die nächste Finanzierungsrunde zu organisieren. Sobald die Mittel dafür gesichert sind, kann Lucid mit dem Bau des Werks beginnen.

Lucid und selbstfahrende Autos

Im Bezug auf selbstfahrende Autos plant Lucid, ein Zusammenspiel von LiDAR, Radar und Kameras zu benutzen. Das Unternehmen verkündete vor Kurzem, man habe eine Partnerschaft mit Mobileye gestartet, das Intel für 15,3 Milliarden US-Dollar kaufen möchte.

Der Lucid Air verfügt über 4 Displays, die verschiedenen Zwecken dienen. Bildquelle: Lucid Motors

Lucid wird verschiedene Arten von Sensoren benutzen. Diese sollen füh kurze und lange Distanzen einsetzbar sein. Zusätzlich kommen Weitwinkelkameras, Kameras mit Teleobjektiven und Kurzstrecken- und Langstreckenradar, wie auch LiDAR-Sensoren hinzu, um wirklich nichts mehr dem Zufall zu überlassen. Das Unternehmen wird die LIDAR-Systeme auf das Dach montieren. Zusätzlich plant Lucid periphere LIDAR-Sensoren in die Seiten des Fahrzeugs einzubauen. Eine spezielle Software wird die hierbei gewonnenen Daten zusammenbauen. Das hat funktionelle Vorteile wie auch ästhetische. Man soll ja den Lucid Air in der Zukunft nicht als ein hässliches Auto bezeichnen. Rawlinson sagt dazu Folgendes:

“Die drei technischen Aspekte, damit selbstfahrende Autos möglich werden, sind meiner Ansicht nach, die Hardwareplattform – – das ist das Auto, die ganzen Sensoren, die ganze Integration dieser Geräte. Werden wir das machen? Ja. Software, werden wir das auch machen? Nein, da werden wir eine Partnerschaft eingehen. Und der dritte Punkt, das sind Big Data. Werden wir das tun? Ja. Denn wir werden so in der Lage sein, jede Menge Daten zu sammeln.“

Rawlinson wiederholte, dass Lucid sich dessen bewusst ist, wie schwierig es ist, ein Auto auf den Markt zu bringen. Es ist auch nicht sinnvoll, zu diesem Zeitpunkt in die entsprechende Software schon zu investieren. Das Unternehmen muss sich extrem auf das Auto selbst, also auf die Hardware, konzentrieren. Das Auto muss produktionsreif werden und daran arbeiten jetzt schon etwa 300 Ingenieure.

Lucid versucht nicht, Tesla aus dem Verkehr zu ziehen

Es gibt diese Tendenz, wonach Lucid immer als der „Tesla Killer“ bezeichnet wird. Aber solche Vergleiche gehen an der Realität vorbei. Rawlinson stellt eines klar: “Dieses Auto wird nicht mit dem Model S in Konkurrenz treten. Es ist der nächste Schritt nach vorne. Ich sehe das definitiv nicht als ein Tesla-Killer.“ Natürlich wird Lucid zu einem gewissen Grad Konkurrenz für Tesla sein, aber die Hauptrivalen werden die deutschen Autobauer sein, die das Luxusautosegment des Marktes im Wert von 100 Milliarden US-Dollar dominieren.

“Was wir versucht haben zu schaffen, ist die nächste Generation des Autos“, sagte Rawlinson.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Tesla. The Motley Fool empfiehlt Intel.

Dieser Artikel wurde von Evan Niu, CFA auf Englisch verfasst und wurde am 04.04.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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