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Finanzchaos bei E.ON: Gemischte Aussichten

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Bei E.ON (WKN:ENAG99) geht es drunter und drüber. Die Energiewende hat den einst so stolzen Konzern schwer erschüttert und der Aktienkurs scheint keinen Boden zu finden. Das Vertrauen in die Fähigkeiten der Finanzmanager ist angeschlagen. Was ist da los und wie geht es jetzt weiter?

Wie E.ON mit dem Vertrauen seiner Anleger spielt

Es klang verlockend: Wir spalten das schmutzige Geschäft ab und bleiben als strahlender Ökostrom-Konzern zurück. Aber strahlen tut heute nur der Atommüll der bei E.ON verbliebenen Kernkraftsparte (seit Anfang 2016 PreussenElektra). Für dessen Entsorgung ist kein Geld da, weil das Eigenkapital schneller weggeschmolzen ist, als das Eis der Arktis.

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Aber noch im September hat man 55 % der Uniper (WKN:UNSE01) hergeschenkt, als ob man in der Lage gewesen wäre, die Aktionäre mit einer Sonderausschüttung zu beglücken. Zusätzlich gibt es für das abgelaufene Geschäftsjahr noch eine Dividende, weil man die aus dem Cashflow bezahlen könne. Dabei wird so getan, als ob Cashflow und Eigenkapital zwei voneinander unabhängige Töpfe wären. Aber das sind sie natürlich nicht. Der Geldmittelabfluss für die Ausschüttung bedeutet auch gleichzeitig eine Buchwertbelastung.

Weil man so noch näher auf ein insolvenzgefährdetes Niveau abzusinken droht, musste als Gegengewicht eine Kapitalerhöhung her. 200.099.000 neue Aktien wurden jetzt im Hauruckverfahren bei institutionellen Investoren platziert, was beim Kurs von gerade mal noch 6,75 Euro etwa 1,35 Mrd. Euro einbrachte. Damit soll auch der hohe Schuldenberg reduziert werden. Der Plan sieht vor, mittelfristig weitere 5 Mrd. Euro abzubauen. Unter anderem anfallende Gewinne sowie der Verkauf der restlichen Uniper-Anteile im nächsten Jahr sollen dazu beitragen.

Ganz anders bei Konkurrent RWE (WKN:703712), wo alles wie aus einem Guss wirkt. Herausgeschält wurde mit Innogy (WKN:A2AADD) das Beste des Konzerns. Zurück blieb das gesamte fossile Geschäft. Beim Börsengang wurden Innogy-Aktien versilbert und gleichzeitig eine elegante Kapitalerhöhung durchgezogen. Die Dividende fiel zweimal aus, um die Bilanz weiter zu stärken. Folgerichtig steht RWE heute bei der Kreditwürdigkeit etwas besser da als E.ON. Noch bis vor Kurzem war es umgekehrt.

Schon im Mai und Oktober müssen bei E.ON Anleihen im Wert von insgesamt 2,67 Mrd. Euro abgelöst werden und die rund 10 Milliarden für den Atommüll-Entsorgungsfonds müssen auch bald flüssig zur Verfügung stehen. Unter Anderem die DZ Bank und Kepler Cheuvreux sehen Schwarz für die nähere Zukunft und raten zum Verkaufen. Der neue Finanzchef Marc Spieker hat also offenbar einiges zu tun, um wieder Ordnung in das Chaos zu bringen, das ihm Michael Sen hinterlässt. Was dürfen Aktionäre nun für die Zukunft erwarten?

So sind die Aussichten

Der 41-jährige Marc Spieker ist in den letzten 15 Jahren viel im Konzern herumgekommen. Nach Stationen in Schweden und Spanien war er zuletzt in der Zentrale tätig. Dort war er mitverantwortlich für die Abspaltung von Uniper in dieser Form. Eigentlich kein gutes Omen. Aber offenbar hat ein Umdenken eingesetzt. Nächstes Jahr soll es trotz eines erwarteten bereinigten Konzerngewinns von 1,2 bis 1,45 Milliarden Euro nur eine vergleichsweise geringe Dividende in Höhe von 30 Cent geben.

Erst nach dem Geschäftsjahr 2018 soll sie dann mit einer Ausschüttungsquote von 50 bis 60 Prozent wieder üppiger ausfallen. Wenn man davon ausgeht, dass mittelfristig im Schnitt etwa 1,5 bis 2,0 Mrd. Euro Gewinn herausspringen, dann heißt das, dass die Bilanz jährlich um etwa 800 Mio. Euro gestärkt werden kann. Der Schuldenabbau wird allerdings geringer ausfallen, weil die Investitionen für die kommenden drei Jahre das Niveau der Abschreibungen laut Mittelfristplanung übersteigen werden.

Die teilweise in der Presse zu lesende Kritik, dass die Investitionen zu stark zurückgefahren würden, ist daher unberechtigt. Noch höhere Investitionen würden bedeuten, dass man einen kaum beherrschbaren Schuldenberg in die Zinswende hineintrüge. Die Altschulden bezahlen zum Teil mehr als 6 % Zinsen. Neues Geld kann noch für eine begrenzte Zeit zu sehr viel günstigeren Konditionen aufgenommen werden. Das gilt aber selbstverständlich nur, wenn das Anlegervertrauen nicht noch weiter enttäuscht wird.

Die neue E.ON

Besonders spannend ist auf alle Fälle, was sich der Vorstand organisatorisch vorgenommen hat: Weg mit komplexen Prozessen und Hierarchien, dafür soll mehr Einfachheit und Agilität her. Innovativ und digital will man werden, Hunderte Millionen Euro an Kosten einsparen und schon Anfang 2018 voll damit durchstarten.

Jetzt, wo man dabei ist, sich großteils vom fossilen Ballast zu befreien und sich die finanzielle Lage stabilisiert, wird man sich immer stärker auf sein neues Kerngeschäft fokussieren können. Aber gelingt der Kulturwandel des Energiekolosses wirklich wie erhofft? Das ist für mich jetzt die entscheidende Frage. Ein „Potpourri von neuen Produkten und Dienstleistungen“ verspricht der Chef Johannes Teyssen und zwar in allen Sparten.

E.ON scheint sich immer mehr zu einem Systemhaus für dezentrale Energielösungen und intelligente Stromnetze zu entwickeln. Kann man sich dort dauerhaft als Technologieführer etablieren, hätte das sicherlich langfristiges Potenzial, weil E.ON damit auch in Regionen punkten könnte, wo sie nicht mit eigenem Netz präsent ist.

Schaut man sich aber den aktuellen Kurs von 7,08 Euro (Marktkapitalisierung: 15,6 Mrd. Euro) an, dann wird klar, dass die Anleger noch viel Unsicherheit einpreisen. Denn sollte es gelingen, einen Gewinn am oberen Ende der genannten Spanne zu erwirtschaften, dann würde das Kurs-Gewinn-Verhältnis bereits zum Ende des Jahres unter 11 rutschen mit weiter sinkender Tendenz. Dafür muss aber der Plan aufgehen und dem trauen viele noch nicht.

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Ralf Anders besitzt Aktien von Uniper. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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