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Scale oder Prime? Welches MicroCaps-Segment jetzt besser für dich ist

Nebenwerte nicht übersehen
Quelle: Pixabay, Henri1407

MicroCaps, also kleinere Nebenwerte, gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Für Kleinanleger besonders empfehlenswert sind dabei Werte aus dem Prime Standard und dem neu geschaffenen Scale-Segment der Deutschen Börse (WKN:581005), weil dort erhöhte Anforderungen erfüllt werden müssen. Was Prime und Scale voneinander unterscheidet und was die jeweiligen Vorteile sind, habe ich im Folgenden für dich zusammengestellt.

Prime: Alles erstklassig?

Im Prime-Segment der Deutschen Börse sind alle Aktien versammelt, die grundsätzlich für die Hauptindizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX infrage kommen. Sie müssen deshalb erstklassige Transparenzpflichten erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel eine ausführliche Quartalsberichterstattung, Ad-hoc-Mitteilungen auf Deutsch und Englisch sowie die jährliche Organisation einer Analystenkonferenz.

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Solche Qualitätsmerkmale sind insbesondere für internationale Anleger wichtig, weil sie so auch aus der Ferne gut auf dem Laufenden bleiben können. Bei den Unternehmen selbst verursachen sie allerdings erheblichen Mehraufwand. Viele Mittelständler wollen diesen nicht tragen, weil sie ihre Ressourcen lieber auf das Tagesgeschäft fokussieren. Je größer ein Unternehmen ist, desto weniger fällt dies jedoch ins Gewicht und desto mehr profitieren sie auch vom Kontakt mit Analysten, die ja oft als Sparringspartner des Managements fungieren.

Immerhin gut 300 Unternehmen haben sich dem strengen Regime unterworfen, darunter etwa 200 MicroCaps. Wer auf dieses breitgefächerte Segment als Ganzes setzen möchte, der kann sich theoretisch ein Zertifikat oder ETF auf den Prime All Share Index heraussuchen. Derzeit werden diese aber kaum angeboten. Das Problem ist, dass jedem enthaltenen Wert ein Indexgewicht zugeordnet wird. Bei den DAX-Größen wie Siemens, Bayer oder SAP sind das jeweils rund 7 %. Kleinere Gesellschaften wie Solarworld oder Ahlers liegen hingegen im vernachlässigbaren Promillebereich.

Kein Wunder, entwickeln sich der HDAX – welcher die 110 Unternehmen aus DAX, MDAX und TecDAX enthält – fast im Gleichschritt mit diesem Index. Aber nicht nur deshalb ist es erfolgsversprechender, auf Einzelwerte zu setzen. Zu bedenken ist, dass sich außerhalb der Hauptindizes sowohl aufstrebende kleinere Gesellschaften befinden als auch kriselnde Absteiger, die früher vielleicht einmal Stars waren, aber heute um das Überleben kämpfen.

Dort kann sich zwar durchaus die ein oder andere Turnaround-Story verbergen, aber meistens fährt man besser mit stetig wachsenden Unternehmen, die sich erfolgreich am Markt behaupten. Viele davon werden eines Tages den Aufstieg in den SDAX oder gar TecDAX schaffen und in der Folge noch wesentlich mehr Anlegerinteresse auf sich ziehen.

Scale: Wer skaliert hier?

Diejenigen Unternehmen, die Anfang des Monats in das neu geschaffene Börsensegment Scale gewechselt sind, haben zuvor gerade mal die gesetzlichen Mindestanforderungen für eine Zulassung an einer regulierten Börse erfüllt. Es handelt sich daher aus Qualitätsgesichtspunkten um einen Aufstieg. Um Vergleichen mit den unrühmlichen DotCom-Zeiten des Neuen Markts zu vermeiden, wurden hierfür Kriterien definiert, welche die unseriösesten Anwärter ausschließen.

Eine App-Klitsche, die Verluste aufhäuft, aber mit reißerischem Auftreten unbedarfte Anleger anlockt, hat deshalb dort kaum eine Chance. Die deutsche Antwort auf Snapchat müsste also wahrscheinlich woanders anheuern. Insgesamt wurden die Anforderungen aber so gewählt, dass kein Betrieb mit Publizitätspflichten überfordert wird.

Eine Besonderheit ist die verpflichtende Zusammenarbeit mit einem Kapitalmarktpartner und mit einem Research-Anbieter. Das stellt sicher, dass die Aktien immer gehandelt werden können und Anleger sich über unabhängige Einschätzungen zu den Unternehmen informieren können. All das sollte es den teilnehmenden Unternehmen erleichtern, an Wachstumskapital zu kommen, um damit ihr Geschäft zu skalieren.

Seit dem 13.03.2017 berechnet die Deutsche Börse auch den Scale All Share Index, in dem aktuell 37 Werte enthalten sind. Ich gehe mal davon aus, dass die Emittenten zügig diverse Zertifikate und vielleicht sogar ETFs anbieten werden. Dann besteht für Anleger die interessante Möglichkeit, breit gestreut in ambitionierte Mittelständler zu investieren. Vor allem für Menschen mit wenig Zeit und Muße für die eigene Analyse wäre das der einfachste Weg.

Wer jedoch noch etwas mehr herausholen möchte, der schaut sich die einzelnen Titel genauer an und investiert gezielt. Es ist ja schon ein großer Unterschied, ob man sich Beteiligungs- und Immobiliengesellschaften ins Depot holt oder Software und Hightech. Dank dieses bunten Mixes lassen sich so je nach persönlichem Interesse und Anlagestil unterschiedliche Strategien umsetzen.

Also lieber Scale als Prime?

Nicht unbedingt: Wer auf Einzelwerte setzen möchte, der findet in beiden Segmenten viel Aussichtsreiches. Im Prime-Segment unterhalb der Hauptindizes ist die Auswahl derzeit noch wesentlich größer. Vom abgehalfterten, ehemaligen Star bis zum Hidden Champion mit mehreren Hundert Millionen Börsenwert gibt es dort alles.

Bei Scale, das sich noch mitten im Aufbau befindet, ist die Spanne etwas enger. Die Marktkapitalisierung liegt typischerweise im Bereich von 50 bis 200 Mio. Euro. Mit einem noch ansprechenderen Angebot ist bis zum Ende des Jahres zu rechnen. Ich denke jedenfalls, dass dieses Segment sehr nützlich ist, um ansonsten kaum beachtete MicroCaps mehr in den Vordergrund zu rücken. Bis wir von den ersten kleinen Erfolgsgeschichten hören, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnen Aktien.

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