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Warum Amazon von neuen Zöllen profitieren könnte

Bildquelle: Amazon.

Die CEOs von Target, Best Buy (WKN:873629), Gap und anderen nationalen Ketten begaben sich letzte Woche ins Weiße Haus, um Präsident Trump zu treffen. Ganz oben auf der Agenda stand die potenzielle Grenzsteuer, gegen die der Einzelhandelssektor protestiert, da diese zu bedeutenden Preiserhöhungen führen würde.

Abwesend bei diesem Meeting waren die Vertreter von Amazon (WKN:906866), dem größten Unternehmen des Landes im Bereich elektronischer Handel und dem zweitgrößten Einzelhändler nach Umsatz hinter Wal Mart (WKN:860853), von denen sich auch keiner blicken ließ.

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Amazon-CEO Jeff Bezos hatte sich bereits in der Vergangenheit mit Trump angelegt. Während der Kampagne versprach Bezos Trump einen Platz in seinem Raumschiff, nachdem der damalige Präsidentschaftskandidat Amazon gedroht hatte, weil ihm die Berichterstattung über seine Kampagne in der Washington Post missfiel – die Bezos neben Amazon ebenfalls besitzt. Seit der Wahl gab es allerdings keine weiteren Scharmützel. Bezos gratulierte Trump zu seinem Wahlsieg und war einer von mehreren Tech-CEOs, die sich mit Trump vor dessen Amtseinführung im Trump Tower getroffen hatten.

Obwohl Trump dem ganzen Einzelhandelssektor Probleme schaffen könnte, könnte das für Amazon indirekt sehr gut sein.

Was ist diese Grenzsteuer?

Wir sind noch weit davon entfernt, dass eine Steuer auf Importe erhoben wird. Trump hat einen solchen Tarif aber zu einem Eckpunkt seiner Kampagne gemacht und spricht auch jetzt davon, da er schon Präsident ist. In der ersten Woche seiner Amtsperiode schlug er vor, auf Güter, die aus Mexiko importiert werden, eine Grenzsteuer von 35 % zu erheben. Auf diese Art und Weise könnte der südliche Nachbar für die Mauer bezahlen, die an der Grenze gebaut werden soll. Nach starkem Gegenwind verfolgt er die Idee aber nicht weiter.

Jetzt scheinen seich Trump und die Republikaner aus dem Kongress eine Grenzsteuer von 20 % zu überlegen – als Ersatz für die entgangenen Steuereinnahmen, die aus einer Absenkung der Unternehmenssteuern erwachsen würden. Zusätzlich möchte man einen Anreiz schaffen, um mehr in Amerika produzieren zu lassen. Das ist Teil eines Steuerreformplans, der es Unternehmen auch erlauben könnte, die ausländischen Profite kostengünstig nach Amerika zurückzubringen. Zusätzlich möchte man die Unternehmen komplett ihre Investitionsausgaben abschreiben lassen, anstatt sie nach und nach auf mehrere Jahre zu verteilen.

Es ist keine große Überraschung, dass die großen Einzelhandelsketten gegen eine solche Steuer sind. Viele von ihnen verlassen sich nämlich auf Produkte aus dem Ausland, die einen Großteil ihres Inventars ausmachen. Laut einer Analyse von RBC Capital Markets, die im Wall Street Journal veröffentlicht wurde, stammen 85 % der Waren von Best Buy aus dem Ausland. Bei Wal-Mart sind es 35 %. Beide Unternehmen würden durch eine solche Steuer jede Menge Gewinne verlieren. Im Fall von Best Buy würde der Nettogewinn sogar ins Negative abrutschen und allgemein würde diese Steuer wahrscheinlich bei allen Einzelhändlern zu bedeutenden Preiserhöhungen führen.

Warum Amazon davon profitiert

Obwohl es bei den Analysen von Amazon oft übersehen wird, kommt etwa die Hälfte der Umsätze des Unternehmens von Drittanbietern, die den Marktplatz von Amazon nutzen. Das Unternehmen arbeitet fast wie ein Einzelhandel-Franchisebetrieb. Ähnlich wie bei den Restaurants von McDonald’s benutzt Amazon die Webseite, die Marke, die Technologie und die Infrastruktur, um diese Plattform auch für Drittanbieter nutzbar zu machen. Damit bekommen diese ähnliche Vorteile wie bei einem McDonald’s-Franchise. Das Franchise nimmt den Händlern das Risiko, und Amazon kann Provisionen und Betriebsgebühren eintreiben. Zusätzlich kann das Unternehmen Dienste wie die komplette Versandabwicklung verkaufen, bei denen sich das Unternehmen um die Lagerhaltung, die Verpackung und den Versand kümmert. Damit haben die Drittanbieter weder das Risiko, noch die Kosten und Probleme, die Waren selbst verkaufen und und sich um die Abwicklung kümmern zu müssen.

Das Marktplatzsystem bedeutet für Amazon auch, dass es auf die Hälfte der Waren, die auf der amerikanischen Webseite angeboten werden, keine Grenzsteuer bezahlen müsste. Diese müssten stattdessen die Drittanbieter übernehmen, womit Amazon einen deutlichen Vorteil gegenüber normalen Einzelhändler hat, die nicht den Luxus besitzen, den schwarzen Peter auf diese Art weiter zu geben.

Darüber hinaus verdient Amazon etwa 37 % seiner Umsätze außerhalb von Nordamerika, die dieser Steuer gar nicht unterliegen würden. Das Cloud-Computing-Segment AWS generiert Milliarden an operativen Einnahmen, die ebenfalls nicht davon betroffen wären.

Amazon hat bereits begonnen, Steuern zu vermeiden. Das Unternehmen hat die Umsatzsteuer mehrere Jahre vermieden, und hat erst diesen Monat damit begonnen, Umsatzsteuern in Arkansas abzuführen.

Obwohl das Unternehmen für den Fall einer Grenzsteuer-Einführung nicht absichtlich geplant hat, wird Amazon hier mit einer physischen Präsenz gegenüber den Rivalen deutlich profitieren. In Zeiten, in denen die konventionellen Einzelhändler schon jede Menge anderer Probleme haben, könnte diese Grenzsteuer für viele von Amazons Wettbewerbern das Ende bedeuten. Es ist unklar, ob diese Steuer umgesetzt wird. Solch ein Zoll würde aber einen weitere Grund darstellen, auf das anhaltende Wachstum von Amazon zu setzen, da das Unternehmen seine Wettbewerbsvorteile gegenüber seinen Konkurrenten weiter ausbaut.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon.

Dieser Artikel wurde von Jeremy Bowman auf Englisch verfasst und wurde am 26.02.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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