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Crash-Prophezeiungen der letzten Jahre, die nie wahr geworden sind

Foto: The Motley Fool, Matt Koppenheffer

Es gibt keinen Höchststand am Aktienmarkt ohne neue Crash-Prophezeiungen. Eigentlich gibt es gar keine Entwicklung am Aktienmarkt ohne die passende Warnung, dass das Ende nah ist.

Fast immer bleibt der prophezeite Crash dann aber aus, und das Frechste an der ganzen Sache ist, dass fast niemand zugibt, wenn er nicht recht hatte; und die Medien vergessen auch gelegentlich mal zu überprüfen, was eigentlich aus dem Ende der Welt geworden ist. Dabei kostet der Tipp, sich von den Aktienmärkten fernzuhalten, Anleger in den meisten Jahren viel Geld.

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Zeit also, sich einmal ein paar extreme Beispiele anzuschauen, die mit ihren Horror-Prognosen einfach nicht recht hatten.

Odey sagt 80 %-Crash voraus

Der britischer Hedge-Fonds Milliardär Crispin Odey sagte Anfang 2015 in einem Brief an seine Investoren, dass es die beste Zeit sei, um auf fallende Aktienkurse zu wetten. Odey war der Ansicht, dass unter anderem die Schwierigkeiten der chinesischen Wirtschaft für eine Abwärtsspirale sorgen würden, „an die man sich noch in einhundert Jahren erinnern wird.“

Später legte er sogar noch nach und sagte, dass britische Aktien bald um 80 % fallen würden und dass sowohl eine Rezession, als auch Inflation vor der Tür stehen.

Beide Male hätten Investoren rückblickend kaufen anstatt verkaufen sollen, denn der britische Aktienindex ist seitdem gestiegen, und wer als Brite international investiert hat, profitiert sogar doppelt durch das fallende Pfund und die positive Stimmung der Aktienmärkte. Wer auf Odey gehört hat, hat aber nicht nur die Rally verpasst, sondern auch noch jede Menge Minus durch seine Wetten auf fallende Kurse eingefahren.

S&P 500 bei unglaublichen 400 Punkten

Wer die Warnung „S&P 400“ sieht, denkt erst einmal, dass jemand sich einfach nur beim amerikanischen Leitindex S&P 500 vertippt hat. Allerdings hat der Finanzhistoriker Russell Napier tatsächlich im Jahr 2011 prophezeit, dass der amerikanische Aktienindex auf 400 fallen würde, von damals immerhin schon circa 1.300 Punkten.

Napier sah damals vor allem die Zentralbanken als unfähig an die Wirtschaft zu stützen. Er hat einige Interviews gegeben, unter anderem mit der Financial Times, in denen er genau beschrieb, wie es zu dem Schreckensszenario kommen würde. Er hat sogar ein Buch über Börsencrashs geschrieben.

Das hat aber alles nicht geholfen, um seine Vorhersage wahr werden zu lassen. Seitdem der S&P angeblich auf ein Drittel seines damaligen Wertes hätte crashen sollen, hat er sich stattdessen im Wert fast verdoppelt und notiert derzeit bei über 2.300 Punkten. Dividenden gab es für Anleger noch oben drauf.

Die RBS rät „alles zu verkaufen“

Wieso irgendwer auf die Kommentare einer Bank hört, die blöd genug war, sich fast selbst zu vernichten und nur durch gigantische Summen an Steuergeldern gerettet werden konnte, ist mir ein ziemliches Rätsel. Trotzdem haben die Medien der Schreckensprophezeiung aus Schottland eine Schlagzeile nach der anderen gewidmet.

Die RBS war der Meinung, dass vor allem die inflationären Kräfte (man findet immer einen anderen Grund) uns in den Abgrund reißen würden. Das Schöne ist aber, dass sie eine besonders genaue Zahl genannt haben, an der man sie messen kann. Die Aktienmärkte sollten nämlich 2016 um 20 % einbrechen.

Es klingt fast erfunden, aber die Warnung von RBS hat fast auf den Tag genau nicht einen Crash, sondern den Tiefpunkt der internationalen Aktienmärkte markiert. Der amerikanische Aktienmarkt ist seit der Warnung über 20 % im Plus, und hätten britische Investoren die Warnung ignoriert und einfach einen Indexfonds der weltweiten Aktienmärkte gekauft, hätten sie seitdem satte 40 % Gewinn gemacht. An den deutschen Aktienmärkten ist es ähnlich, mit dem DAX über diese Zeitspanne ebenfalls circa 20 % im Plus.

Auch eine kaputte Uhr geht mal richtig

Wie wir sehen gibt es also immer Gründe den nächsten Crash zu prophezeien, und die hier aufgeführten Propheten werden sicherlich behaupten, dass sie zwar richtig liegen, nur eben noch nicht recht hatten.

Irgendwann wird es tatsächlich wieder einen Crash geben und dann werden ein paar mit ihren Horror-Prognosen sogar richtig liegen. Allerdings aus dem gleichen Grund, wieso selbst eine kaputte Uhr zweimal am Tag die richtige Uhrzeit zeigt.

In der Zwischenzeit ist die Gefahr viel eher, dass Anleger jede Menge Rendite links liegen lassen.

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