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Nach Fehlstart 2017: Wo stehen Nordex, Telefónica und Nemetschek jetzt?

Straßenbahn von Lissabon
Foto: Pixabay

Der Gesamtmarkt entwickelt sich nach der Weihnachtsrally auch Anfang 2017 prächtig. Aber an einigen TecDAX-Unternehmen scheint der Boom vorbeizuziehen. Sie liegen im Vergleich zu Anfang Januar im Minus. Steht es wirklich so schlecht um diese drei „Verlierer“ oder sind sie einfach nur Spätzünder? Ein Check der wichtigsten Zahlen und Entwicklungen sollte etwas Klarheit bringen.

Verlierer Nr. 1: Nordex (WKN:A0D655) (-3 % seit 1.1.)

Die Windkraft boomt und Nordex ist spätestens seit der Fusion mit Acciona einer der ganz großen Spieler im Markt. Trotzdem sieht es für die Aktie der Norddeutschen schon seit Monaten nicht gut aus. Auf Dreijahressicht kann man zwar immer noch auf eine stolze Kursverdopplung zurückblicken, aber zu den früheren Hochs ist der Abstand ganz schön groß geworden.

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Vor allem nachdem im November die Jahresziele zurückgeschraubt wurden, ging es ordentlich in den Keller. Die leichte Erholung von Dezember wurde zuletzt wieder abverkauft, während Konkurrenten wie Vestas und Gamesa sich positiv entwickelten.

Analysten von Commerzbank, Oddo Seydler und Warburg sehen allerdings jetzt Kursziele von 30 Euro oder mehr, also ein Potenzial von über 50 %. Für Goldman Sachs stellt Nordex sogar ein Kauf aus absoluter Überzeugung dar. Lediglich die Deutsche Bank sieht nur noch geringfügige Chancen und rät bestehenden Aktionären zum Halten.

Es herrscht wohl noch einiges an Unsicherheit, ob der Windenergie-Konzern sich auf dem Wachstumspfad halten kann, zumal der weltweite Zubau in diesem Jahr stagnieren soll und manche Beobachter einen Preiskampf erwarten. Auch die Tatsache, dass 35 % der ausgelaufenen Service-Verträge nicht verlängert wurden, erscheint auf den ersten Blick bedenklich. Aber das Management bleibt zuversichtlich, weil sich die Kosten- und Wettbewerbsposition stetig verbessere.

Positiv ist auf alle Fälle, dass Nordex weiterhin Marktanteile gewinnt, sowohl auf dem Heimatmarkt, als auch in wichtigen Märkten wie Amerika und Indien. Das wird auch notwendig sein, um das unveränderte Umsatzziel von 4,2 bis 4,5 Mrd. Euro für nächstes Jahr zu erreichen — Konsensschätzungen trauen dies Nordex erst für 2019 zu. Spätestens dann sollte jedenfalls das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) unter die Marke von 10 rutschen, wenn man die aktuelle Bewertung von knapp 2 Mrd. Euro heranzieht.

Verlierer Nr. 2: Telefónica Deutschland (WKN:A1J5RX) (-3 % seit 1.1.)

Der deutsche Ableger der spanischen Telefónica ist mit seiner Marktkapitalisierung von fast 12 Mrd. Euro ganz klar das Schwergewicht im TecDAX — und das, obwohl der Kurs ein gutes Stück unter dem Niveau des Börsengangs von 2012 liegt. Mit mehr Streubesitz wäre das Unternehmen ein DAX-Kandidat.

Aber die Zusammenführung von E-Plus und O2 und die Aufrüstung des Netzes erfordern zunächst einen Heidenaufwand, der noch auf die Ergebnisse drückt. Wenn dann bis Anfang 2018 alle Integrationsschritte abgearbeitet sind, sollen jedoch die Früchte geerntet werden, hofft der neue Vorstandsvorsitzende Markus Haas.

Eine vereinfachte Organisation mit starken IT-Systemen soll die Betriebskosten massiv senken und für mehr Agilität sorgen. Unter dem Label „Telefónica Germany NEXT“ sollen daneben innovative datenbasierte Geschäftsmodelle entwickelt werden, von denen sich der Chef einiges verspricht. Solange die Aktionäre aber nicht schwarz auf weiß sehen, dass die bei etwa 7,5 Mrd. Euro stagnierenden Umsätze wieder Fahrt aufnehmen, wird es die Aktie schwer haben.

Viele Analysten sind skeptisch und sehen eher rückläufige Umsätze über die kommenden Jahre und anhaltende Verluste, welche das Eigenkapital von über 10 Mrd. im Jahr 2015 auf unter 7 Mrd. Euro bis zum Ende der Dekade drücken. Dazu trägt auch die üppige Dividende bei, welche trotzdem bezahlt wird, weil es der Mutterkonzern so will. Markus Haas steht vor großen Herausforderungen.

Verlierer Nr. 3: Nemetschek (WKN:645290) (-7 % seit 1.1.)

Das Software-Unternehmen war 2002 fast zum Pennystock verkommen, aber dann hatte Nemetschek einen fantastischen Lauf. Über das letzte Halbjahr zeigt die Tendenz jedoch trotz der aktuellen Erholung eher in Richtung Süden.

Trotz vielfach bekundeter Begeisterung für das Unternehmen selbst, trauen die meisten Analysten der Aktie mittelfristig nicht besonders viel zu. Immerhin Kursziele von 60 Euro nennen Berenberg und die Commerzbank. Oddo Seydler rät hingegen ab. Die im Kurs eingepreisten Erwartungen seien überzogen, die letzten Zahlen hätten nicht vollends überzeugen können.

Nemetschek ist jetzt wie Nordex knapp 2 Mrd. Euro wert, allerdings bei voraussichtlichen 2017er-Umsätzen von gerade mal 0,4 Mrd. Euro und einem aktuellen Buchwert von 0,2 Mrd. Euro. Dafür ist die Profitabilität, wie bei den meisten erfolgreichen Software-Unternehmen, sehr hoch. Schon nächstes Jahr sollen mehr als 100 Mio. Euro operativer Gewinn herausspringen.

Zuletzt schlüpfte mit dRofus aus Norwegen die 14. Marke unter das Dach der Holding. Weitere Zukäufe sind bereits geplant. Ein KGV von unter 20 ist in diesem Jahrzehnt allerdings kaum zu erwarten, selbst wenn die ambitionierte Wachstumsstrategie rund um die Digitalisierung der Immobilien- und Bauwirtschaft voll aufgeht.

Die Letzten werden nicht die Ersten sein

Auch wenn ich eher nicht an die ganz große Aufholjagd glaube, ist festzustellen, dass Nemetschek und Nordex eigentlich alles andere als Verlierer sind, wenn man etwas länger zurückblickt. Da dürfen sie schon mal eine Verschnaufpause einlegen, denn die Kurse hatten einfach sehr hohe Niveaus erreicht.

Etwas anders ist die Situation beim dividendenstarken O2-Konzern, der unbedingt in die schwarzen Zahlen kommen muss, wenn sich am Abwärtstrend etwas ändern soll. Aber selbst wenn der Kraftakt gelingt, muss ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 1,5 erst mal gerechtfertigt werden.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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