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Gazprom-Versteher: Was bringt der neue US-Außenminister?

Foto: Pixabay

An der Spitze des amerikanischen Außenministeriums erwarten wir normalerweise einen gewieften Diplomaten. Jetzt hat mit Rex Tillerson ein Mann das Amt übernommen, der Schweröl im Blut hat und Erdgas atmet. Was bedeutet der als Freund der Russen bezeichnete Mann für Gazprom? Hier sind die wichtigsten Hintergrundinfos und was ich daraus für die Zukunft ableite.

Rex Tillerson in 3 Absätzen

Tyrannosaurus Rex, Rex Gildo, Kommissar Rex, Till Eulenspiegel — der Name des neuen amerikanischen Außenministers (bzw. des obersten Sekretärs des Staates) inspiriert zu den verschiedensten Assoziationen und die meisten sind auch ziemlich albern. Aber „Rex“, der König, da haben sich die Eltern bestimmt etwas dabei gedacht — und er hat sie nicht enttäuscht: Von 2010 bis 2012 war er der König der amerikanischen Pfadfinder-Organisation — und nicht nur das.

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Der Bauingenieur aus dem Pferdekopfpumpen-Staat Texas stieg direkt nach dem Studium ganz unten bei einem Vorgängerunternehmen von Exxon Mobil (WKN:852549) ein. Über die Jahre übernahm er diverse Jobs bei internationalen Tochterunternehmen, weshalb er heute mit fast allen wichtigen Petro-Staaten gut vertraut ist. Nachdem er also in der Karriereleiter immer weiter nach oben stieg, war er von 2006 bis 2016 tatsächlich auch der König des führenden Ölkonzerns.

Mit dem Aufstieg wuchs auch sein Einkommen. Schon allein in den letzten drei Jahren kamen dabei rund 90 Mio. US-Dollar zusammen. Forbes schätzt sein heutiges Vermögen auf fast eine drittel Milliarde. Um allfällige Interessenkonflikte zu reduzieren, wandelte er kurz vor dem Amtseintritt sein riesiges Aktienpaket in einen Auszahlungsplan um. Bei der Anhörung versicherte er, dass er keinerlei Probleme hätte, einen klaren Schnitt zu machen. Die Exxon-Zeit sei vorbei, jetzt wolle er vollkommen in seiner neuen Aufgabe aufgehen.

Der Aktienkurs entwickelte sich übrigens nicht gerade prächtig über diese Zeit. Vielleicht 30 % über 10 Jahre zuzüglich Dividenden ist eher unterdurchschnittlich (Gazprom verlor allerdings rund Dreiviertel ihres Wertes im gleichen Zeitraum). Aber die Frage, der wir hier nachgehen wollen, ist, was es für Gazprom (WKN:903276) bedeutet, dass Herr Tillerson jetzt der König der US-Diplomatie ist.

Gazprom und der neue Außenminister

Es gibt zwei grundsätzliche Kritikpunkte am neuen Außenminister: Seine schwache Positionierung, was die Anerkennung und Bekämpfung des Klimawandels angeht (deshalb Tyrannosaurus Rex) und seine langjährigen freundschaftlichen Beziehungen zu Russland und Wladimir Putin, einschließlich dessen Umfeld sowie Rosneft und Gazprom.

Die russischen Konzerne sind ideologisch ähnlich aufgestellt wie Exxon Mobil. Ihr Fokus liegt fast zu 100 % auf der Gewinnung, Erkundung und Ausbeutung von neuen Öl- und Gasprojekten, egal ob irgendwo in der Pampa, auf Hoher See, im Regenwald oder unter dem arktischen Eis. Ausflüge in Erneuerbare Energien lehnen sie weitgehend ab, getreu dem Motto „Schuster bleib bei deinen Leisten“. Minister Tillerson kennt also die Befindlichkeiten des Gazprom-Managements in- und auswendig. Aber ist das gut für den russischen Global Player?

Einerseits könnte es Vorteile mit sich bringen, wenn Rex Tillerson jetzt darauf hinarbeitet, die Bedingungen für die Branche insgesamt zu verbessern, also beispielsweise die Umweltauflagen zu reduzieren oder Krisenherde zu beseitigen. Was Russland betrifft, so könnte es eines seiner wichtigsten Anliegen sein, das Land aus der Sackgasse zu hieven, in die es sich über den Ukraine-Konflikt manövriert hat.

Die Aufhebung von Sanktionen würde auch für Gazprom eine Reihe von positiven Effekten nach sich ziehen. Internationale Projekte wie die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, wo Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder an führender Position mitwirkt, sowie auch andere Joint Ventures mit westlichen Ölmultis könnten so beschleunigt oder wiederbelebt werden.

Andererseits ist Rex Tillerson jetzt der Doktrin „America First“ verpflichtet. In der Anhörung hat er deutlich gemacht, dass er ein Opportunist ist und sein Handeln und seine Ansichten an die neuen Erfordernisse anpassen wird. Deshalb erscheint es für mich naheliegend, dass er sein intimes Wissen über die russischen Interessen zum Vorteil der heimischen Erdölindustrie einsetzen wird und zum Nachteil der ausländischen Konzerne, also insbesondere auch Gazprom.

Mit subtilen Mitteln könnten die Russen somit bei ihrer internationalen Expansion ausgebremst werden. Rex Tillerson hat Exxons Konkurrenten über Jahrzehnte studiert und kennt ihre Schwächen genau. Er steuert jetzt nicht mehr „nur“ einen Großkonzern, sondern als Teil der Bundesregierung einen kompletten Staatsapparat, den er zielgerichtet in seine Strategien einbinden kann. Gegenwind vom Präsidenten ist dabei nicht zu befürchten.

Was ist also zu erwarten?

Gazprom hat jetzt immerhin in den USA einen Ansprechpartner, der ihre Sprache versteht. Für CEO Alexey Miller ergeben sich so durchaus Chancen. Im besten Fall gelingt es sogar, zusammen mit Putin und Co. eine Lösung für den Ukraine-Konflikt herbeizuführen, an der sicherlich auch Gazprom Interesse hat.

Insgesamt denke ich aber, dass Rex Tillerson vor allem für die Ölmultis aus den USA gut sein wird. Selbst wenn er voraussichtlich auf zu offensichtliche Schritte verzichten wird, kann er doch auf verschiedenen Ebenen darauf hinwirken, die Wettbewerbsbedingungen zu deren Gunsten zu verschieben. Gazprom sehe ich damit strategisch im Nachteil, was das globale Spiel der Erdölindustrie betrifft. Ein gemischtes Bild.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt Aktien von ExxonMobil.

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