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Wie wird sich Gilead Sciences unter Präsident Trump schlagen?

Washington D.C. befindet sich im Wandel dies könnte immense Auswirkungen auf Biotech-Riesen wie Gilead Sciences (WKN:885823) mit sich ziehen. Wie wird sich Gilead in vier bzw. acht Jahren unter Trump schlagen?

Negative Auswirkungen

Beginnen wir doch mit den potenziellen Negativauswirkungen. Donald Trump hat klargestellt, dass er — um die Preise von verschreibungspflichtigen Medikamenten zu senken — der öffentlichen US-Krankenkasse Medicare erlauben will, direkt mit den Medikamentenherstellern zu verhandeln. Sollte solch ein Gesetz erlassen werden, könnte Gilead deutliche Gewinneinbußen hinnehmen müssen.

Wie wichtig ist Medicare? 2015 hat das US-Gesundheitsprogramm Gilead für nur fünf Medikamente (Atripla, Harvoni, Letairis, Sovaldi und Truvada) mehr als 10 Mrd. US-Dollar gezahlt. Diese Summe entsprach 38 % von dem Umsatz, den Gilead mit diesen fünf Medikamenten erwirtschaftet hat. Zudem waren diese fünf Medikamente in dem besagten Jahr für vier Fünftel vom Gesamtumsatz des Unternehmens verantwortlich.

Bildquelle: Disney-ABC Television Group via Flickr.

Bildquelle: Disney-ABC Television Group via Flickr.

Das Ausmaß der Auswirkungen einer Erlaubnis für Medicare, mit den Pharmaunternehmen über die Preise von Medikamenten verhandeln zu dürfen, hängt davon ab, welche Preisnachlässe der Biotech-Riese Medicare gewähren müsste. So würde beispielsweise ein Preisnachlass von 10 % zu Gewinneinbußen führen, die den Gesamteinkünften entsprechen, die Gilead mit dem Lungenhochdruck-Medikament Letairis und dem Krebsmedikament Zydelig zusammen generiert.

Präsident Trumps Beziehung zu China könnte Gilead sogar noch weitaus größere Probleme bescheren. Sollte ein Handelskrieg zwischen den zwei Großmächten ausbrechen, könnte der Biotech-Riese großen Ärger bekommen. Ein beträchtlicher Anteil der Roherzeugnisse, die Gilead für die Herstellung seiner antiviralen Medikamente (und anderem auch Harvoni, Sovaldi, Epclusa, Truvada und Atripla) benötigt, stammen von Unternehmen aus China.

Positive Auswirkungen

Es gibt jedoch auch einige überaus positive Auswirkungen, in deren Genuss Gilead unter einer Trump-Regierung kommen könnte. Während seines Wahlkampfes sprach Trump von einer Senkung der Körperschaftssteuer von 35 auf 15 %. Außerdem schlug er eine einmalige Repatriierung von im Ausland gelagertem Kapital zu einem vergünstigen Steuersatz von 10 % vor.

Ausgehend von Gileads letzter Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2016 hat das Unternehmen im abgelaufenen Jahr in etwa 30 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet. Im jüngsten Quartal entfielen ungefähr zwei Drittel von Gileads Gesamtumsatz auf den US-Markt. Bei einem Steuersatz von 35 % würde der Biotech-Riese demnach 7 Mrd. US-Dollar Steuern zahlen. Sollte sich Trumps Steuersenkung durchsetzen, würde diese Summe auf etwas mehr als 3 Mrd. US-Dollar schrumpfen – ausgehend vom Umsatzniveau 2016 würde Gilead so jährlich 4 Mrd. US-Dollar einsparen.

Welche Folgen hätte eine vergünstigte, einmalige Repatriierung? Ende des dritten Quartals wies Gilead im Ausland gebunkerte Gelder in Höhe von 25,2 Mrd. US-Dollar aus. (Angesichts der gewaltigen Cashflows des Unternehmens ist diese Summe seitdem mit ziemlicher Sicherheit angewachsen.)

Nehmen wir an, Trumps Vorschlag tritt in Kraft und Gilead entschließt sich dazu, sein gesamtes im Ausland geparktes Geld in die USA zurückzuführen. Nach Steuern blieben dem Unternehmen dann noch 22,5 Mrd. US-Dollar. Diese gewaltige Summe könnte Gilead dazu nutzen, um Akquisitionen vorzunehmen oder Aktionäre in Form von höheren Dividenden und/oder weiteren Aktienrückkäufen zu belohnen.

Unterm Strich

Wie wahrscheinlich ist es, dass die oben erwähnten potenziellen Positiv- und Negativauswirkungen tatsächlich eintreten? Angesichts der republikanischen Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus stehen die Chancen auf eine Unternehmenssteuerreform einschließlich einer niedrigeren Gesamtsteuerlast sowie Repatriierungsanreizen ziemlich gut. Zudem pochen die Republikaner bereits seit langem auf eine Änderung des Steuersystems. Ich würde sagen, dass die Erfolgsaussichten dafür, dass Medicare Medikamentenpreise selbst verhandeln darf, deutlich niedriger sind. Dieser Schritt würde Trump zudem sicherlich auch die Unterstützung einiger Democrats einbringen.

Die Wahrscheinlichkeit eines Handelskriegs mit China ist eine große Unbekannte. Geschädigte Handelsbeziehungen könnten sowohl der USA als auch China sehr zusetzen. Also bleibt zu hoffen, dass das Ganze nur beim Wortgefecht bleibt.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren würde ich sagen, dass die Auswirkungen einer Trump-Präsidentschaft unterm Strich positiv für Gilead ausfallen werden. Meinem Gefühl nach würden Steuerersparnisse die negativen Auswirkungen der neuen Medicare-Preisgestaltung mehr als wettmachen. Wir sollten in den nächsten Monaten erfahren, welche Gesetze tatsächlich verabschiedet und wie sie sich auf Gilead auswirken werden.

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The Motley Fool hält und empfiehlt Gilead Sciences.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 22.1.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.