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Kurios: E.ON mit über 10.000 % Eigenkapitalrendite

Foto: Pixabay, PublicDomainPictures

Normalerweise ist die Eigenkapitalrendite ein durchaus aussagekräftiger Indikator für die Qualität eines Unternehmens. Bei E.ON (WKN:ENAG99) schießt diese gerade hoch auf 10.000 % und mehr. Wie kann das sein und ist das ein gutes oder schlechtes Zeichen? Wir müssen die Sache hier etwas differenzierter betrachten.

Darum geht’s

Ohne rot zu werden (das glaube ich zumindest) schrieben die E.ON-Verantwortlichen im letzten Quartalsbericht etwas, das Anleger normalerweise in Panik versetzt: „Bilanzielle Anpassungen … werden das Eigenkapital weiter reduzieren, sodass es im vierten Quartal voraussichtlich negativ wird.“

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In der Regel muss ein Unternehmen mit negativem Eigenkapital entweder schleunigst eine Kapitalerhöhung durchziehen oder eben Insolvenz anmelden. Beides wäre äußerst schmerzhaft für die ohnehin schon gebeutelten treuen Aktionäre.

Es war aber auch noch etwas anderes zu lesen: „Das Unternehmen erwartet ein bereinigtes EBIT für den Konzern zwischen 2,7 und 3,1 Milliarden Euro.“

Eigentlich ist der Stromkonzern also profitabel. Ich kann dir nicht genau sagen, wann die Buchhalter die zusätzlichen Abschreibungen vornehmen, die das Eigenkapital in den negativen Bereich drücken, aber ich nehme einfach mal an, dass jetzt in der ersten Dezemberhälfte noch ein leicht positiver Betrag in den Büchern steht, nachdem es zum 30.09. noch 433 Mio. Euro waren (sie könnten damit natürlich auch einfach bis zum 31.12. warten, aber dann funktioniert das Gedankenexperiment nicht).

Nimmt man den operativen Gewinn von etwa 3 Mrd. Euro und teilt ihn durch diesen Betrag, beispielsweise 30 Mio. Euro, so erhält man einen Wert von 10.000 % für die operative Eigenkapitalrendite. Schrumpft das Eigenkapital in den nächsten Tagen schrittweise gegen Null, dann katapultiert sich diese Kennzahl in wahnsinnige Höhen, bis es dann ins Negative umschlägt.

Es wird auch kaum besser, wenn wir den bereinigten Konzernüberschuss nehmen, der auf bis zu 1 Mrd. Euro geschätzt wird (bereinigt bedeutet in diesem Fall vor allem: ohne die nicht zahlungswirksamen Sonderabschreibungen).

Irgendwie scheint die Eigenkapitalrendite hier keinen Sinn zu ergeben.

Wann die Kennzahl der Eigenkapitalrendite nützlich ist

Normalerweise hilft uns diese Kennzahl einzuschätzen, wie gut ein Unternehmen dabei ist, das anvertraute Geld einzusetzen. Schließlich besteht das Eigenkapital im Wesentlichen aus dem eingeworbenen Geld der Aktionäre und den ihnen eigentlich zustehenden einbehaltenen Gewinnen.

Nur wenn das Unternehmen in der Lage ist, eine vernünftige Rendite auf das Eigenkapital zu erwirtschaften, ist es gerechtfertigt, dass es diese nicht als Dividenden ausschüttet.

Auch die Finanzierung mit Fremdkapital spielt hier eine Rolle. Wenn die Rendite auf das Gesamtkapital höher ist als die Zinsen, die auf Darlehen bezahlt werden müssen, dann steigt die Eigenkapitalrendite.

Deshalb muss der Finanzchef immer abwägen, ob es sich lohnen könnte, eine Verschlechterung der Bilanz durch die Aufnahme von zusätzlichen Schulden in Kauf zu nehmen. Das wirkt wie ein Hebel in beide Richtungen.

Auf was wir bei E.ON besser achten sollten

Dieser Hebel gerät bei E.ON offenbar gerade außer Kontrolle. Er dürfte in diesen Tagen einen Wert von vielleicht mehreren Tausend annehmen, wenn man die hohen Schulden durch das wenige Eigenkapital teilt. Das ist alarmierend und es ist nicht wirklich verwunderlich, dass der Aktienkurs weiterhin einen Boden sucht.

Die Folge der Einschläge war einfach zu schnell und zu groß über die letzten Jahre: Verfall der Öl- und Gaspreise, Umweltauflagen, Kernkraft-Ausstieg und Energiewende. Zuletzt hat E.ON auch noch Uniper (WKN:UNSE01) abgespalten und so weiteres Eigenkapital abgegeben. Jetzt ist nichts mehr davon übrig.

Ganz so schlimm ist die Lage aber trotzdem nicht.

So kriegt E.ON die Kurve

Negativ ist das Eigenkapital nur nach internationaler Rechnungslegung. Nach den einheimischen Regeln bleibt E.ON nach eigener Prognose deutlich im positiven Bereich und muss deshalb keineswegs zum Insolvenzrichter.

E.ON verfügt über ausreichenden Finanzierungsspielraum und die Fähigkeit zur Zahlung von Dividenden bleibt erhalten. Größere Belastungen über die bis zum Jahresende gebildeten Rücklagen sind auch nicht mehr zu erwarten, nachdem die Kosten für die Atommüll-Endlagerung und den AKW-Rückbau nun gut kalkulierbar sind (für Details siehe mein Artikel vom 21.10.).

Dann kann sich das E.ON-Management wieder voll auf die Verbesserung des operativen Geschäfts konzentrieren. Hierfür wurde im November auch ein neues Effizienzprogramm lanciert.

Damit würde ich mal erwarten, dass E.ON zukünftig reale Ergebnisse liefern kann, die mindestens im Bereich des bereinigten Überschusses dieses Geschäftsjahres liegen. Dann klappt es auch wieder mit dem Eigenkapitalaufbau und dem Schuldenabbau. Gleichzeitig werden die Eigenkapitalrenditen wieder normale zweistellige Werte annehmen.

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Ralf Anders besitzt Wertpapiere auf Uniper und E.ON. The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

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