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Können Borussia Dortmund Aktionäre etwas aus der Chapecoense-Tragödie lernen?

Foto: Bernd Schmid

Als Fußball- und Südamerika-Fan habe ich in den letzten Tagen gelitten. Wer wie ich die bewegende Gedenkfeier für den Copa-Sudamericana-Sieger Chapecoense in Medellín live am Bildschirm mitverfolgt hat, der wird wahrscheinlich noch sehr lange daran denken. Mit der Erinnerung im Kopf, wie sich die Brasilianer bei der WM beim Singen ihrer Hymne die Seele aus dem Leib geschrien haben, wirkte das Schweigen an diesem Tag nahezu unerträglich.

Wenn so etwas geschieht, dann treten Fußball und Börse erst einmal weit in den Hintergrund und die Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Und doch war in diesen Tagen der unbändige Wunsch der Fans und Angehörigen zu spüren, dass das Projekt Chapecoense nicht mit diesem schrecklichen Ereignis enden soll.

Der menschliche Verlust ist unersetzlich und wird immer eine Narbe hinterlassen. Mit der Zeit sehnen sich die meisten Betroffenen jedoch nach einem Stück Normalität und dazu kann auch der Lieblingsverein beitragen. Ich hoffe daher, dass es nicht unsensibel wirkt, wenn ich hier anhand des Geschäftsberichts der Borussia Dortmund KGaA (WKN:549309) der Frage nachgehe, ob ein Verein einen solch harten Schlag zumindest wirtschaftlich verkraften kann.

Als Investoren werden wir immer wieder mit schrecklichen Umständen konfrontiert. Eine Chemiefabrik explodiert, Terroranschläge legen Flughäfen lahm oder über das Auslaufen von kontaminiertem Material werden ganze Landstriche unbewohnbar. Immer sind damit menschliche Schicksale verbunden, die uns nahe gehen, aber auch immense materielle Schäden, die den Fortbestand des betroffenen Unternehmens gefährden.

Für uns Anleger ist es meines Erachtens daher unerlässlich, nach solchen Ereignissen auch nach dem entsprechenden Risiko für konkurrierende Unternehmen zu fragen. In den folgenden Abschnitten habe ich daher die wesentlichen Informationen zum BVB für dich herausgearbeitet.

Denn ich habe mich gefragt, ob und wie der BVB eine solche Tragödie überleben könnte.

Die immateriellen Vermögensgegenstände

Unter dieser etwas herzlosen Überschrift fassen die Buchhalter der Profi-Sportvereine die sogenannten Spielerwerte zusammen, die sich aus den Anschaffungskosten – also den Ablösesummen samt Nebenkosten – und den individuellen Abschreibungen über die Vertragslaufzeit berechnen. An diesem Punkt zeigt sich der große Unterschied zwischen wirtschaftlichem und dem nicht bezifferbaren und unersetzlichen menschlichen Wert.

Auf dem Onlineportal transfermarkt.de wird der Kader des BVB aktuell mit 352 Mio. Euro bewertet, angeführt von Tormaschine Pierre-Emerick Aubameyang, der bereits alleine auf 45 Mio.Euro geschätzt wird. In den Büchern stand zum 30.06.2016 hingegen ein vergleichsweise bescheidener Betrag von 65 Mio. Euro, nachdem eine Reihe von Stars den Verein verließen.

Die Diskrepanz entsteht wohl dadurch, dass die Werte abgeschrieben werden, obwohl viele Spieler in der Lage sind, sich zu verbessern und damit als Fußballer wertvoller zu werden. Sie können dann oft noch während der Vertragslaufzeit teurer verkauft werden. Es bilden sich also in der Regel sogenannte stille Reserven, die in der Bilanz erst dann sichtbar werden, wenn die Transaktion tatsächlich stattfindet.

Aubameyang kam beispielsweise 2013 für 13 Mio. Euro vom AS St. Etienne und unterschrieb einen Vertrag bis 2018. Er könnte nächstes Jahr für ein Vielfaches davon abgegeben werden, steht aber nur noch mit rund 5 Mio. Euro in der Bilanz. Zuletzt gingen Gerüchte über Angebote im Bereich von 60 bis 100 Mio. Euro durch die Fachpresse.

Das Eigenkapital

Auch dank solcher Transfers konnte das Eigenkapital in der vergangenen Saison um immerhin gut 23 Mio. Euro auf nun 347 Mio. Euro (nach Handelsgesetzbuch,  bzw. 310 Mio. Euro nach internationaler Rechnungslegung) gesteigert werden. Damit liegt es zwar knapp unter dem geschätzten Kaderwert, aber für das Rechnungswesen relevant ist natürlich der niedrigere Buchwert, der unter einer solchen Katastrophe massiv leiden würde.

Mit einer Eigenkapitalquote von 80 % sind die Dortmunder spätestens seit der Kapitalerhöhung 2014 (Details siehe hier) solide finanziert und müssen kaum Zinsen bezahlen. Der Verein, oder besser gesagt, die KGaA verfügt nämlich noch über weiteres Vermögen. Insbesondere der Signal Iduna Park trägt 177 Mio. Euro dazu bei. Dieser wäre von einem Schreckensereignis wie das von Chapecoense nicht berührt und würde sich vermutlich dank der treuen Fans weiterhin regelmäßig füllen.

Darum würde der BVB nicht Pleite gehen

Aus wirtschaftlicher Sicht vielleicht noch wichtiger: Profivereine sichern sich heutzutage gegen allerlei Risiken ab. Selbst das Verfehlen der Qualifikation für die Champions League wird beim BVB abgefedert. Letztes Jahr wurden so als Trostpflaster weit über 10 Mio. Euro in die Kassen gespült.

Auch bei Invalidität oder Tod von Spielern würden Versicherer Millionenbeträge ausbezahlen. Die maximale Summe dürfte zumindest den Buchwert abdecken, sodass die Handlungsfähigkeit in jedem Fall erhalten bliebe, auch wenn das Geld natürlich zunächst zweitrangig wäre.

Wie es weitergehen würde

Eine andere Frage wäre, ob die Versicherungssumme ausreichen würde, um wieder einen Klassekader wie in dieser Saison aufzubauen. Möglicherweise würde es zunächst nur reichen, um sich im Mittelfeld der Bundesliga einzureihen. Die Kader von Vereinen wie Werder Bremen oder Augsburg werden in etwa so bewertet, wie der Buchwert des BVB-Kaders.

Höchstwahrscheinlich würde also erst einmal eine Durststrecke mit weniger Einnahmen drohen. Wichtig für BVB-Aktionäre ist jedoch, dass es den Dortmundern im Moment gut geht und dass der Fortbestand des Vereins selbst im Falle einer Katastrophe dank der guten Eigenkapitalausstattung und der Absicherung kaum bedroht ist. Solange sich der BVB auf seine fantastischen Fans im Rücken verlassen kann, sollte es selbst dann möglich sein, sich wieder nach oben zu kämpfen.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt keine der im Text genannten Aktien.

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