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Der Grund warum Gilead Sciences noch kein anderes Unternehmen gekauft hat

Foto: Wikimedia Commons, Jeffrey Beall

Gilead Sciences (WKN:885823) muss ein anderes Unternehmen kaufen. Der Kurs des Unternehmens ist 2016 heftig abgeschmiert, weil die Investoren Angst haben, das Wachstum könnte sich verlangsamen, vielleicht sogar umkehren. Diese Befürchtungen sind inzwischen wahr geworden. Eine drastische Verringerung der Preise, um den Marktanteil im Bereich Hepatitis B aufrecht zu erhalten, hat den Umsatz von Gilead sehr in Mitleidenschaft gezogen. Die Gesamtumsätze sind in Q3 im Jahresvergleich um 9,6 % gefallen, da die Hepatitis-C-Umsätze einen Rückgang von 30,7 % verzeichnen mussten.

Leider sieht es nicht so aus, als würde die Pipeline von Gilead bald einen gleichwertigen Ersatz produzieren. Das Biotech-Unternehmen wurde von mehreren Rückschlägen geplagt. Darunter zählen die wenig beeindruckenden Daten für das Medikament Momelotinib gegen Myelofibrose und das Ende des Entwicklungsprogramm für Simtuzumab, ein Medikament gegen NASH. Jetzt verlangen die Analysten an der Wall Street natürlich Fusionen und Übernahmen und hoffen, Gilead wird, um das Wachstum anzukurbeln, ein anderes Unternehmen kaufen.

Das Management hat aber schon klargemacht, dass sie wissen, was die Stunde geschlagen hat.

Wenn alle einer Meinung sind, warum ist es dann noch nicht passiert?

BILDQUELLE: GETTY IMAGES

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Das Management von Gilead hat wiederholt betont, dass die Preiserwartungen deutlich von dem abweichen, was Gilead zu zahlen willig ist.

Für mich hat sich das immer wie eine Entschuldigung angehört, da das Biotec dieses Jahr ziemlich zurückgefallen ist. Selbst nach dem sprunghaften Anstieg nach der Wahl von Donald Trump ist der Biotech-Sektor im Jahresvergleich immer noch 17 % im Minus. Natürlich könnte Gilead irgend ein Unternehmen kaufen, da ja gerade alles 17% weniger kostet. Das Unternehmen hätte auch Anfang November ein anderes Unternehmen kaufen können, als der IBB bei -20 im Jahresvergleich stand.

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Dann habe ich aber die Transkription der Fragestunde auf einer aktuellen Gesundheitskonferenz gelesen (alle Zitate von S&P Market Intelligence).

Biotech Analystin Alethia Young fragte: „Der Markt ist in letzter Zeit ziemlich eingebrochen und ich nehme an, sie möchten immer noch eine Fusion oder eine Übernahme tätigen… Was halten Sie von der Tatsache, dass die meisten diese Aktien jetzt günstiger gehandelt werden, und zwar ziemlich günstig, könnten das nicht potenzielle Übernahmeziele sein?“

John Milligan machte mit seiner Antwort eines sehr schnell klar: „Ja, das ist eine Frage, die wir oft hören. Verändert sich die Sichtweise des Managements im Vergleich zu deren Marktkapitalisierung und die Antwort ist fast immer nein. Das Hoch ist das neue Minimum.“

Wenn die Vorstände so unvernünftige Erwartungen haben, dann ist es auch egal, ob  der IBB 5 % oder 20 % gefallen ist. Sie verlangen immer noch astronomische Preise.

Was sollte man jetzt tun?

Damit hat Gilead jetzt 3 Wahlmöglichkeiten:

  1. Das Unternehmen trotzdem kaufen und zwar zu Preisen, die so hoch sind, dass Gilead nicht genug Profit aus den Medikamenten ziehen kann, dass es damit kauft. Am Ende des Tages möchte ein Unternehmen Geld verdienen. Daher ist das keine gute Idee, egal wie sehr die Wall Street die Übernahme auch fordert.
  2. Warten, bis die Erwartungen und die Bewertungen wieder auf einer Höhe liegen.
    Milligan merkte später an: „Nach einer Weile kann die Stimmung wieder kippen und dann kehren wir zur Normalität zurück, aber das dauert in der Regel etwas.“ Jetzt abwarten zu müssen ist sicher nicht besonders unterhaltsam für ein Biotech-Unternehmen, das neue Medikamente braucht. Aber die Alternative, siehe Option Nummer 1, ist deutlich schlechter. Das ist wahrscheinlich die primäre Strategie von Gilead und ich vermute, dass das Unternehmen mehrere Übernahmeziele hat und einfach nur darauf wartet, bis die Preise etwas sinken.
  3. Ein anderes Unternehmen suchen. Milligan hat klar gemacht, dass Gilead sich nicht nur auf bestimmte Medikamente in seinem Kompetenzbereich beschränken möchte. Das signalisiert schon mal den Willen, dass man noch andere Medikamente kaufen könnte, wenn man sie schnell auf den Markt bringen kann und sie relativ effizient verkaufen könnte. Zusätzlich sollten solche Geschäfte das Unternehmen nicht von anderen Dingen abhalten. Gilead hat schon in der Vergangenheit solche Transaktionen ausgeführt zum Beispiel bei den kardiovaskulären Medikamenten Letairis und Ranexa, die zusammen über eine Milliarde US-Dollar Umsatz generieren. Es würde mich nicht überraschen, wenn das Unternehmen davon in Zukunft mehr machen würde um die Zeit zu überbrücken. Auf der Konferenz im Juni merkte CSO Norbert Bischofberger an, er würde 30 % seiner Zeit damit verbringen, solche Gelegenheiten unter die Lupe zu nehmen.

Das sagt mir, dass Gilead wahrscheinlich mehr als nur eine handvoll Unternehmen in Betracht zieht und dass das Unternehmen sein Netz deutlich weiter gespannt hat.

Was kommt als nächstes?

Jetzt müssen wir abwarten. Das Unternehmen hat signalisiert, dass es kurzfristige Pläne gibt. Das Management hat in der ersten Jahreshälfte 2016 schon viele Aktien zurückgekauft in der Erwartung, man würde noch Geld in der zweiten Jahreshälfte brauchen. Das Management hat auch neue Schulden aufgenommen, obwohl der Cashflow positiv ist. Auch das deutet an, dass sich das Unternehmen für eine Übernahme rüstet. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7 und einer Dividende von 2,5 % bleibt Gilead ein Schnäppchen. Ich warte gerne und lasse das Management seine Arbeit machen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Gilead Sciences.

Dieser Artikel wurde von Michael Douglass auf Englisch verfasst und wurde am 05.12.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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