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Verschuldung der Weltwirtschaft: vergessene Gefahr für den Aktienmarkt?

Foto: Pixabay, NikolayF

Seit längerer Zeit macht man sich an den Aktienmärkten fast nur noch Sorgen um Wachstum und Zinserhöhungen. Seitdem schafft es die Schuldenproblematik plötzlich kaum noch in die Schlagzeilen. Falls die Schulden aber außer Kontrolle geraten, droht ein böses Erwachen.

Es wird deshalb Zeit sich zu fragen, ob der weltweiten Verschuldung zu wenig Beachtung geschenkt wird und ob sie der Auslöser einer neuen Krise sein könnte, welche die Aktienmärkte mit in den Abgrund reißt.

Schulden stagnieren auf hohem Niveau

In absoluten Zahlen klingt der weltweite Schuldenberg wirklich bedrohlich. Laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds belaufen sich die weltweiten Schulden auf 152 Billionen US-Dollar. In dieser Rechnung werden soweit möglich alle vorhandenen Bruttoschulden mit einberechnet. Diese Zahl kommt zustande, indem man betrachtet, wie hoch Staaten, Unternehmen und private Haushalte verschuldet sind.

Allerdings sollte man sich nicht zu sehr von der absoluten Größe der Schulden erschrecken lassen, sondern sie im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung setzen. Dabei lässt sich feststellen, dass die weltweite Verschuldung ungefähr 225 % der Wirtschaftsleistung entspricht. Das klingt nach viel, ist aber nur circa 12 % höher als im Jahr 2002. Wenn man anders darüber nachdenkt, wäre wohl niemand mit einer festen Arbeit wirklich besorgt, einen ausstehenden Immobilienkredit zurückzahlen zu müssen, der das 2,25-Fache seines Jahresgehalts beträgt.

Wenn man aus der Verschuldung China und die USA herausrechnet, hat sie sich schon seit 2009 stabilisiert. Wie diese Grafik zeigt, gibt es in den letzten Jahren fast keine Veränderung.

weltweite-bruttoverschuldung

Die vermeintliche Schuldenkrise in Europa sollte außerdem in dem Kontext betrachtet werden, dass in der Regel über Bruttoschulden gesprochen wird. Dabei wird vergessen, dass den Schulden weltweit auch riesige Vermögen gegenüberstehen. Am besten lässt sich das am Beispiel Italiens zeigen.

Italiens Schulden sind viel weniger schlimm, als die meisten denken

Der Staat Italien hat nicht nur die höchste absolute Verschuldung Europas, sondern gehört auch mit über 130 % Verschuldung im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt zu den am höchsten verschuldeten Ländern der Welt. Der Durchschnitt in der EU beträgt nur 85 %.

Allerdings lässt das völlig außer Acht, dass die Italiener die Schulden ihres Staates problemlos zurückzahlen könnten. Daten der UBI Banca zeigen, dass das Nettovermögen der italienischen Privathaushalte mindestens viermal so hoch ist wie die öffentlichen Schulden. So zu tun, als ob ein Land wie Italien also kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht, indem man allein auf die Bruttostaatsverschuldung verweist, ist eine starke Vereinfachung der Problematik. In den meisten Staaten stehen der Verschuldung noch viel größere Vermögenswerte gegenüber.

Deshalb werden die Zinsen so lange niedrig bleiben

Rechnerisch gibt es also wenig Probleme, die weltweite Verschuldung auch zu bedienen. Man muss nur miteinbeziehen, dass es eben nicht nur Schulden, sondern auch Vermögen gibt. Allerdings gibt uns die Verschuldung zumindest einen Hinweis darauf, was mit den Leitzinsen passieren dürfte.

Diese werden sehr wahrscheinlich noch lange niedrig bleiben, denn in Zeiten von schwachem Wirtschaftswachstum könnten höhere Zinslasten die Nachfrage noch zusätzlich verringern, da Haushalte mehr Geld für Hypotheken und andere Kredite aufwenden müssen. Natürlich haben die niedrigen Zinsen auch noch komplizierte Nebeneffekte, aber es sieht zumindest bisher danach aus, als ob sich die Zentralbanken auf die Seiten der Schuldner, anstatt der Sparer schlagen.

In Anbetracht von stagnierenden Schulden und niedrigen Zinsen sieht es derzeit nicht so aus, als ob uns eine unmittelbare Schuldenkrise droht.

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