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Kann Airbus die Flugzeugproduktion von Boeing übertreffen?

QUELLE: WIKIMEDIA COMMONS.

In den vergangenen Jahren hat Boeing (WKN:850471) seinen Rivalen Airbus (WKN:938914) bei der jährlichen Flugzeugproduktion mit Zuverlässigkeit übertroffen. Airbus hat inzwischen aber mehr Aufträge im Auftragsbuch als sein amerikanischer Rivale. Ende September hatte das Unternehmen 6.749 Bestellungen für Geschäftsflugzeuge verglichen mit 5.612 Bestellungen bei Boeing.

BELIEBTE MODELLE WIE DER A320 NEO HABEN ZU EINEM GROSSEN NACHFRAGEWACHSTUM BEI AIRBUS GEFÜHRT. BILDQUELLE: AIRBUS

BELIEBTE MODELLE WIE DER A320 NEO HABEN ZU EINEM GROSSEN NACHFRAGEWACHSTUM BEI AIRBUS GEFÜHRT. BILDQUELLE: AIRBUS

Letzte Woche verkündete Fabrice Bregier, Chef der Sparte Geschäftsflugzeuge bei Airbus, dass das Unternehmen Boeing beim jährlichen Auslieferungsvolumen bis 2020 überholen möchte. Daher wollen wir einen Blick auf die Auftragsbücher der beiden Unternehmen werfen und uns die Produktionspläne genauer ansehen, um zu bewerten, wie wahrscheinlich das ist.

Ein knappes Rennen im Segment Standardrumpfflugzeuge

Im Bezug auf die bloßen Zahlen dominieren der A320 und der 737 die Produktion bei Airbus und Boeing und stellen mehr als 70 % ihrer gemeinsamen Produktion dar. Im letzten Jahr lieferte Airbus 491 Flugzeuge aus der A320-Familie aus, während Boeing einen leichten Vorsprung mit 495 Auslieferungen in der 737-Familie zu verbuchen hatte.

Letztes Jahr produzierten beide Unternehmen offiziell 42 Standardrumpfflugzeuge pro Monat. Seit mehreren Jahren wird die Produktion aber schon erhöht. Bis 2020 plant Airbus 60 A320neos pro Monat herzustellen, während Boeing beabsichtigt die Maximalproduktion der 737 auf 57 Stück pro Monat zu erhöhen.

Das bedeutet, Airbus würde 720 A320neos pro Jahr verglichen mit 684 737 MAXs bei Boeing produzieren. Der tatsächliche Abstand zwischen den beiden Unternehmen wird wahrscheinlich aber etwas kleiner sein.

Andererseits liegt die aktuelle Produktion von Boeing der offiziellen Kapazität einigermaßen hinterher. Realistisch gesehen wäre die jährliche Produktion 57 pro Monat und das würde 675 – 680 Einheiten pro Jahr bedeuten. Airbus arbeitet dagegen mit einem Produktionskalender, der nur 11,5 Monate umfasst,
daher würde eine Produktionsrate von 60 Stück pro Monat am Jahresende 690 Auslieferungen betragen.

BOEING ERHÖHT DIE PRODUKTION DER 737, UM MIT AIRBUS SCHRITT ZU HALTEN. BILDQUELLE: BOEING

BOEING ERHÖHT DIE PRODUKTION DER 737, UM MIT AIRBUS SCHRITT ZU HALTEN. BILDQUELLE: BOEING

Es ist möglich, dass Airbus die Produktion sogar noch mehr steigern könnte, um von dem großen Auftragsbuch zu profitieren. Da die jährlichen Auftragsvolumina allerdings sinken, wird das Unternehmen aber Vorsicht walten lassen bei weiteren Produktionssteigerungen. (Bis Ende September hatte Airbus nur 370 Nettobestellungen für die A320-Familie in diesem Jahr erhalten.)

Boeing will die Produktion von Großraumflugzeugen aufrecht erhalten

Der Markt für Großraumflugzeuge war bisher die größte Bastion der Dominanz für Boeing. Im Jahr 2015 lieferte das Unternehmen 257 Großraumflugzeuge aus, was fast das Doppelte der 144 Stück von Airbus war. Bei Airbus steigt die Produktion in diesem Segment, da die Produktion des A350 gesteigert wurde. In der Zwischenzeit wird Boeing Probleme damit haben, diese hohen Auslieferungszahlen aufrecht zu erhalten, die während des historischen Hochs 2015 und 2016 erreicht wurden.

Die Produktion des 787 Dreamliner hat sich bei 12 pro Monat eingependelt. Mit einem Auftragsbuch von etwa 700 noch nicht ausgeführten Bestellungen sollte Boeing noch 144 Stück in absehbarer Zukunft produzieren können. Ein Plan zur Erhöhung der Produktion auf 14 pro Monat wird wahrscheinlich aktuell nicht umgesetzt, wenn die Nachfrage nicht steigen sollte.

DIE PRODUKTION DES 787 HAT SICH AUF DEM HÖCHSTEN NIVEAU FÜR EIN GROSSRAUMFLUGZEUG STABILISIERT. BILDQUELLE: BOEING

DIE PRODUKTION DES 787 HAT SICH AUF DEM HÖCHSTEN NIVEAU FÜR EIN GROSSRAUMFLUGZEUG STABILISIERT. BILDQUELLE: BOEING

In der Zwischenzeit erhöht Boeing die Produktion des 767 um 2,5 pro Monat. Die Hälfte der Produktionskapazität wird benötigt, um die 179 Tanker zur Betankung in der Luft für die amerikanische Air Force herzustellen. Der Großteil der übrigen Kapazität wird benutzt, um Frachtflugzeuge für FedEx zu produzieren.

Andererseits halbiert Boeing die Produktion der 747 um mehr als die Hälfte auf nur noch 0,5 pro Monat. Das Unternehmen plant auch die Auslieferungszahl für die 777-Familie bis 2018 auf 5,5 pro Monat zu senken, verglichen mit 8,3 pro Monat aktuell. Viele Analysten glauben, dass Boeing die Produktion der 777 noch weiter einschränken wird müssen.

Basierend auf diesem Ausblick wird Boeing weniger als 250 Großraumflugzeuge bis 2018 ausliefern. Die Produktion könnte sich bis 2020 wieder etwas erholen, wenn der neue 777X seinen Dienst aufnimmt, wird aber unter den Zahlen des letzten Jahres von 267 Einheiten bleiben, außer Boeing hat genug Nachfrage, um die Produktion der 787 auf 14 pro Monat zu erhöhen. Kann Airbus bei den Großraumflugzeugen aufholen?

Letztes Jahr lieferte Airbus 14 mal den A350 aus. Das Unternehmen hofft aber dieses Jahr 50 davon auszuliefern, während die Produktionsrate bis Ende 2018 auf 10 pro Monat erhöht wird. Das bedeutet bis zum Jahr 2020 wird das Unternehmen 114 pro Jahr davon herstellen.

Airbus hat schon sein Interesse bekundet, die Produktion des A350 auf 13 pro Monat zu erhöhen. Das Auftragsbuch beinhaltet 769 unbearbeitete Aufträge (Stand Ende September) und könnte eine höhere Produktion unterstützen. In letzter Zeit hat das Unternehmen aber weniger neue Aufträge bekommen. (Der A350 hat bisher nur 33 Nettoaufträge bekommen.) Wenn die Nachfrage weiterhin so schwach bleibt, dann wäre eine Produktionserhöhung auf 13 pro Monat nicht lange nachhaltig.

Andererseits bricht die Nachfrage nach dem A380 auch ein. Airbus plant daher beginnend mit 2018 nur noch 12 pro Jahr auszuliefern.
Die A330-Familie ist der große Trumpf von Airbus. Die Produktionsraten waren in letzter Zeit sehr instabil und haben ein Hoch von 10 pro Monat im Jahr 2013 erreicht, sind dann im Jahr 2015 aber auf 9 pro Monat gefallen und auf 6 pro Monat im Jahr 2016, nur um sich bis nächstes Jahr wieder auf 7 pro Monat zu erhöhen.

Theoretisch sollte der A330neo Ende 2017 es Airbus erlauben, die Produktion wieder zu erhöhen. Die Nachfrage nach dem A330neo war aber bisher mäßig. Airbus hat bisher nur 186 Festaufträge bekommen, wovon einige erst im Jahr 2024 ausgeliefert werden sollen. Das Unternehmen verfügt auch über 150 unbearbeitete Aufträge für den aktuellen A330. Das mag ausreichen, um die Produktionsrate von 7 pro Monat aufrecht zu erhalten, die Produktion kann aber nicht weiter erhöht werden, wenn nicht mehr Aufträge eintreffen.

DIE NACHFRAGE NACH DEM A330NEO IST BISHER ENTTÄUSCHEND. BILDQUELLE: AIRBUS

DIE NACHFRAGE NACH DEM A330NEO IST BISHER ENTTÄUSCHEND. BILDQUELLE: AIRBUS

Wenn sich die Nachfrage nach Großraumflugzeugen also nicht erhöht, dann wird Airbus nur knapp über 200 Flugzeuge jährlich im Jahr 2020 ausliefern. Das wäre allerdings ein Plus von mehr als 40 % verglichen mit 2015.

Kann Airbus das auch liefern?

Airbus möchte den Abstand zu Boeing dramatisch verkleinern. Im Bereich Standardrumpfflugzeuge ist das Unternehmen auf einem guten Weg, um die Jahresproduktion von Boeing um 10 – 15 Einheiten bis 2020 zu überholen.

Boeing wird aber seine Führung im Bereich Großraumflugzeuge für die absehbare Zukunft noch behalten. Basierend auf den aktuell veröffentlichten Produktionsplänen würde Boeing mindestens 40 Flugzeuge mehr als Airbus pro Jahr im Zeitraum 2019 – 2020 produzieren. Selbst wenn die Auslieferungen des 777 auf 4 pro Monat fallen sollten, dann könnte Boeing immer noch einen deutlichen Vorsprung gegenüber Airbus halten.

Die plausibelste Möglichkeit für Airbus wäre, die Produktion des A320neo auf über 60 pro Monat zu erhöhen. Das ist vielleicht kein guter Kapitaleinsatz, aber die meisten Flugzeuge auszuliefern ist immerhin etwas, dessen sich ein Unternehmen rühmen kann. Das reale Ziel besteht hingegen darin, eine gute Rendite für die Aktionäre zu generieren. In dieser Hinsicht haben Airbus und Boeing beide sehr gute Aussichten..

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Motley Fool besitzt und empfiehlt FedEx.

Dieser Artikel wurde von Adam Levine-Weinberg auf Englisch verfasst und wurde am 24.10.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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