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Bayer-Aktie: Trübe Aussichten nach Monsanto-Wahnsinn

Foto: Monsanto

Ehrlich gesagt bin ich immer noch etwas geschockt, dass Bayer (WKN:BAY001) tatsächlich den berüchtigten Saatgut-Hersteller Monsanto (WKN:578919) für einen riesigen Batzen Geld übernimmt. Der bisher so stringente Konzernumbau erlebt eine neue Zäsur. Was sind jetzt die Risiken und wo liegen die Chancen? Lass uns diesen Fragen nachgehen, um uns ein Bild davon zu machen, ob man jetzt noch in Bayer investieren kann.

Ein Strategieschwenk mit Risiken

Bayer betreibt schon seit über 10 Jahren einen konsequenten Umbau, zunächst unter dem heutigen Aufsichtsratchef Werner Wenning. Unter der Führung von Marijn Dekkers wurde der Pharmabereich massiv verstärkt und die Chemieaktivitäten abgespalten.

Zwischenzeitlich wurde Bayer zum wertvollsten Unternehmen im DAX. Seit dem Werben um Monsanto tendiert der Kurs nach unten. Auch Marijn Dekkers war Presseberichten zu Folge davon nicht begeistert und trat deshalb zurück.

Jetzt managt Werner Baumann den Megadeal. Da es sich nicht um einen normalen Pharmakonzern, sondern um eines der umstrittendsten Unternehmen der Welt handelt, mache ich mir ernsthafte Sorgen.

Ich will dich jetzt nicht mit einer Litanei von Kritikpunkten langweilen. Allerdings schildern Dokumentarfilme wie „Monsanto, mit Gift und Genen“ und „We feed the World“ eindrücklich das für Mensch und Umwelt gefährliche Wirken dieses Unternehmens.

Bayer verlässt hier klar seine Komfortzone und schlägt ein neues und ungewisses Kapitel in seiner Unternehmensgeschichte auf. Die Verantwortlichen bei Bayer geben sich überzeugt, die Imageprobleme in den Griff zu bekommen und ein renditestarkes Agrargeschäft aufbauen zu können.

Das erhoffte Szenario: Digitalisiert und hochprofitabel

Die wirtschaftliche Logik erscheint klar: Eine wachsende Weltbevölkerung und zunehmend problematisch Umweltbedingungen erhöhen fast zwangsläufig die weltweite Nachfrage nach leistungsfähigem Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Mit der Zusammenlegung von Forschung, Produktportfolio und Vertrieb verbessert sich die Wettbewerbsposition.

Gemeinsam haben sie auch das Gewicht, um innovativen digitalen und sensorgestützten Lösungen in der Landwirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Beide haben in den letzter Zeit Kompetenz aufgebaut, um per Datananalyse das Verhältnis von Ressourceneinsatz und Ertrag zu optimieren.

Außerdem steht Bayer zukünftig wieder solide auf zwei etwa gleich starken Beinen. Pharma und Agrar sind aus technisch-wissenschaftlicher Sicht ähnlich und bedienen doch völlig unterschiedliche Märkte. Das sorgt für Flexibilität und hilft dabei, langfrist profitabel zu bleiben, auch wenn es irgendwo mal Probleme gibt.

Das befürchtete Szenario: Hürden und Fallstricke

Noch ist keinesfalls sicher, ob der Deal wirklich erfolgreich über die Bühne geht. Die Monsanto-Aktionäre trauen dem Braten noch nicht; aktuell (15.9.) liegt der Kurs fast 20 % unter dem Angebot von Bayer. Sowohl die Wettbewerbsaufsicht als auch die Bayer-Fremdkapitalgeber und -Aktionäre könnten die Fusion noch stoppen.

Letztere haben negativ ausgedrückt die Wahl zwischen Gift und Galle — entweder sie stimmen der Übernahme zu oder sie müssen zusehen, wie Bayer die vereinbarte Entschädigung in Höhe von 2 Milliarden Dollar an Monsanto abdrücken muss — bedenklich.

Die Behörden winken den Deal aufgrund der relativ geringen Überlappungen vermutlich durch, aber über diverse Auflagen könnte er noch teurer werden. Wegen der Finanzierung muss man sich weniger Sorgen machen: Geld ist billig zu haben und über das bestehende Geschäft kommen hohe Geldzuflüsse herein.

Insgesamt erscheint das eingegangene Risiko allerdings hoch und es stellt sich die Frage, ob sich der hohe Einsatz finanziell lohnen wird.

Ein Blick auf die Zahlen

Bayer muss die Schulden von Monsanto ablösen und rund 50 Mrd. Euro in bar für das Unternehmen selbst bezahlen. Damit sich das Geschäft lohnt, muss in Zukunft zusätzliches Geld zufließen, das auf heute heruntergerechnet mehr als 50 Mrd. Euro wert ist.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Monsanto sehr profitabel unterwegs war. Die Summe der Nettogewinne über die letzten 10 Jahre beläuft sich auf etwa 16,4 Mrd. Euro, wovon 57 % auf die zweiten Hälfte fallen. Das ist kein beeindruckender Wachstumstrend.

Trotzdem ist denkbar, dass die zusätzlichen Gewinne über die kommenden 10 Jahre doppelt so hoch anfallen, weil Synergien und gegebenenfalls bessere Marktbedingungen entsprechend dem Wunschszenario für mehr Umsatz und höhere Margen sorgen. Dann wären wir aufsummiert bei knapp 33 Mrd. Euro, wovon auf heute heruntergerechnet aber kaum mehr als 20 Mrd. übrig bleiben.

Zugegebenermaßen sind das keine soliden Prognosen, aber selbst so optimistisch gerechnet müssen wir mindestens 20 Jahre warten, bis der Übernahmebetrag wieder eingespielt sein wird. Für uns Fools wäre das natürlich eine akzeptable Zeitspanne, wenn wir an das Potenzial des fusionierten Unternehmen glauben.

Wahrscheinlicher ist aber erfahrungsgemäß, dass sich schwache Jahr dazugesellen. Vor allem anfangs ist mit Reibungsverlusten und Sonderaufwendungen zu rechnen. Deshalb habe ich große Bedenken, ob sich dieses komplexe Geschäft für Bayer lohnen wird — nicht mal Foolish langfristig.

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Ralf Anders besitzt keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt keine der im Text genannten Aktien.

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