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Warum ich die Finger von Netflix lasse? Ganz einfach

Seit einem Jahrzehnt bin ich Kunde von Netflix (WKN:552484). Als ich zuerst das Abo einging, war von Streaming noch keine Rede, es ging mir vor allem um den DVD-Service. Seitdem hat Netflix den Fernsehmarkt durchgerüttelt und das Wort vom Internet-TV salonfähig gemacht. Mittlerweile hat man auf der ganzen Welt rund 83 Millionen Kunden, davon allein 47 Millionen in den USA.

Kein Wunder also, dass die Aktie in den vergangenen Jahren durch die Decke gegangen ist. Wer von Anfang an dabei war, trägt jetzt ein seliges Lächeln im Gesicht. Hättest du vor genau 10 Jahren die Aktie gekauft, hätte dein Investment 3.500 % an Wert zugelegt, also 43 % pro Jahr. Das Unternehmen wird jetzt mit 41 Milliarden US-Dollar bewertet.

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NFLX Daten von YCharts

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Bei 7,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und nur 141 Millionen Netto-Einnahmen im vergangenen Jahr beideutet das, dass der Markt darauf vertraut, dass Netflix in den kommenden Jahren massiv wachsen wird. Ich bezweifle auch gar nicht, dass das Unternehmen weiter Kunden gewinnen wird, vor allem in noch unerschlossenen Märkten. Aber ich kaufe die Aktie nicht, und zwar aus einem ganz einfachen Grund.

Das Schlüsselwort lautet “langfristig”

Keine Frage, dass Netflix das Ende von herkömmlichem Fernsehen beschleunigt. Das Unternehmen hat aggressiv seinen Streaming-Dienst ausgebaut, zuerst in den USA, dann in anderen Märkten. Man hat den Vorteil, als erstes den Fuß in der Tür gehabt zu haben. Netflix hat massiv Möglichkeiten zur Skalierung, ist eine zumindest bei der jüngeren Generation weltweit bekannte Marke und hat eine Menge exklusiven Content, der immer wieder Preise eingefahren hat.

Aber auch als “First Mover” ist man nicht immer vorne. Dass man Pionier in einer Branche ist, bedeutet nicht, dass man automatisch Marktführer bleibt. Derzeit mag Netflix ein paar wichtige Wettbewerbsvorteile haben, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur einer davon auf lange Sicht haltbar sein wird. Wenn man dann noch die sehr optimistische Bewertung dazunimmt, versteht man, warum ich die Finger von der Aktie lasse.

Das Geschäftsmodell von Netflix ist simpel: Das Unternehmen investiert in Content und verlangt dann von seinen Kunden, dass sie eine Abo-Gebühr entrichten, um darauf zuzugreifen. In manchen Fällen kommt der Content von Drittanbietern, manchmal kommt er von externen Studios, die exklusiv für Netflix produzieren (darunter die großen Serien House of Cards und Orange is the New Black), und manchmal produziert Netflix auch selber, in-house.

Das alles ist nicht billig. Netflix plant, in diesem Jahr 6 Milliarden US-Dollar für Content auszugeben, eine astronomische Summe. Wenn man diese Zahl bedenkt, erscheint es nachvollziehbar, dass Netflix gerade Cash verbrennt. In der ersten Jahreshälfte betrug der Cashflow minus 455 Millionen US-Dollar. Dafür verantwortlich ist die Expansion in internationale Märkte, wo Content vorproduziert werden muss, damit sich die Leute auf ein Abo einlassen. Allerdings ist die Konkurrenz ebenfalls ein Faktor.

Netflix ist in Konkurrenz zu jedem anderen Streaming-Anbieter. Das Unternehmen hat 100 Millionen US-Dollar für die ersten beiden Staffeln von House of Cards ausgegeben, im Jahr 2012 hat man einen großen Deal mit Disney gemacht, um sich die Rechte an den Filmen zu sichern, die im gleichen Jahr erscheinen. Man weiß nicht, wieviel Geld dabei über den Tisch gewandert ist, einige Analysten gehen aber von 300 Millionen Dollar pro Jahr aus. Hulu derweil hat im letzten Jahr 160 Millionen dafür lockergemacht, die alte Comedy-Serie Seinfeld ausstrahlen zu dürfen. Amazon hat Berichten zufolge 250 Millionen für 36 Episoden von The Grand Tour ausgegeben, die neue Serie der Stars von Top Gear.

Amazon, Hulu, HBO, Starz und jede Menge andere Anbieter machen Netflix den Content streitig – die Kosten für guten Content werden also steigen. Ich gehe davon aus, dass jedes Unternehmen, das Rechte an Content hält, früher oder später einen eigenen Streaming-Dienst an den Markt bringen wird, die Cloud macht es schnell und relativ problemlos möglich. In zehn Jahren wird Netflix meiner Meinung nach ein Dienst von vielen sein.

Meiner Meinung nach ist keiner der derzeitigen Wettbewerbsvorteile von Netflix von Dauer. Klar kann man auf schiere Größe verweisen, aber immerhin nutzt man die Cloud-Services von Amazon. Es ist heute viel einfacher, eine Streaming-Seite groß und größer zu machen, als zu der Zeit, zu der es noch keine Cloud gab. Die Marke ist stark, aber Marken können auch Schaden nehmen. Man muss sich nur mal die Geschichte von Chipotle durchlesen, um zu begreifen, wie schnell das einer einst heißgeliebten Marke passieren kann.

Der Content von Netflix ist nur dort erhältlich, aber das ist bei den anderen ja nicht anders. Man muss nur genügend Geld investieren, um sich eigene und exklusive Serien und Filme zu sichern. Es gibt auch das Argument, dass Netflix unzählige Daten über seine Nutzer und deren Sehgewohnheiten hat sammeln können und damit in der Lage ist, den Content quasi punktgenau seinen Kunden servieren zu können. Aber auch das haben andere Unternehmen. Daten sind das A und O in dieser Branche und nicht unbedingt etwas Exklusives.

Um die Bewertung zu rechtfertigen, muss Netflix weiter schnell wachsen und Ergebnisse zeigen. Ohne ganz klaren Wettbwerbsvorteil wird es schwer, starke Finanzen vorzuweisen. Natürlich wird Netflix weiter wachsen, aber ich sehe nichts, was das Unternehmen groß von der Konkurrenz abheben würde. Und deswegen werde ich die Aktie nicht kaufen.

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Dieser Artikel von Timothy Green erschien am 25.8.2016 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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