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3 Gründe, warum die Gilead Sciences Aktie abrutschen könnte

Foto: Gilead Sciences

Wenn du das Buch ’Decisive: How to Make Better Choices in Life and Work’ von Chip und Dan Heath noch nicht gelesen hast, kann ich es dir nur wärmstens empfehlen. Den Heath-Brüdern nach trifft man eine gute Entscheidung, wenn man darauf vorbereitet ist, falsch zu liegen. Ab und an überdenke ich meine früheren Investitionsentscheidungen, indem ich diesem Rat folge.

Eine meiner größten Beteiligungen in meinem Portfolio ist die Aktie von Gilead Sciences (WKN:885823). In den vergangenen Jahren hat mir der Biotech-Riese üppige Gewinne beschert. Meiner Ansicht nach ist Gilead immer noch gut aufgestellt, um langfristig gute Ergebnisse zu erzielen. Was ist allerdings, wenn ich falsch liege? Hier sind drei potenzielle Probleme, die Gileads Aktie auf Talfahrt senden könnten.

1. Gegenwind im Hepatits-C-Geschäft

Der Harvoni-Absatz tat sich im zweiten Quartal richtig schwer und sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 29 %. Auch wenn der Umsatz von Gileads anderem Hepatitis-C-Produkt Solvadi um 5 % zunahm, war das nicht einmal ansatzweise genug, um Harvonis rückläufige Umsatzzahlen wettzumachen. Gileads Hepatitis-C-Sparte bläst also ordentlicher Gegenwind entgegen – und das ist mit ein Grund dafür, dass Gileads Aktie seit Jahresbeginn fast 20 % verloren hat. Wenn diese Schwierigkeiten weiter anhalten, könnte die Biotech-Aktie sogar noch weiter fallen.

Die Markteinführung des Hepatitis-C-Produktes Zepatier von Merck (WKN:659990), einem engen Konkurrenten von Gilead, hat die Situation noch weiter verschärft. Zepatier schneidet in Sachen Wirksamkeit im Vergleich zu Harvoni gut ab und kostet deutlich weniger. Deshalb sah sich Gilead gezwungen, Preisnachlässe anzubieten — und das hat dem Gesamtumsatz geschadet.

Der von Merck ausgehende Wettbewerb wird sich nicht einfach in Luft auflösen. Konsumenten gefällt die Tatsache, dass die Markteinführung von Zepatier Gilead Feuer unter den Füßen macht und sie nun auf preisgünstigere Produkte zurückgreifen können.

Könnte Gileads jüngstes Hepatitis-C-Produkt Epclusa die Situation des Biotech-Riesen verbessern? Vielleicht. Epclusa erwirtschaftete im zweiten Quartal 64 Mio. US-Dollar. Das klingt vielleicht nicht gerade viel, allerdings wurde dieser Umsatz in nur drei Tagen erzielt. (Die US-Lebensmittelbehörde hat das Medikament erst am 28. Juni zugelassen.) Jedoch könnte dieser beeindruckende Start Gilead unter Umständen nicht besonders weiterhelfen. Es besteht die Möglichkeit, dass das neue Medikament für mehr Absatzeinbußen bei den Medikamenten Harvoni und Sovaldi sorgt, als es durch gewonnene Marktanteile von Zepatier erwirtschaftet.

BILDQUELLE: GILEAD SCIENCES, INC.

BILDQUELLE: GILEAD SCIENCES, INC.

2. Pipeline-Probleme

Bei all diesen Problemen mit der Hepatitis-C-Sparte hängen Gileads Wachstumsaussichten stark von vielversprechenden Pipeline-Kandidaten ab. Der wichtigste Kandidat ist meines Erachtens Simtuzumab. Das Medikament, das zur Behandlung nicht alkoholischer Steatohepatitis (NASH) eingesetzt werden soll, befindet sich derzeit in der Phase 2 der klinischen Prüfung. Analysten schätzen, dass Simtuzumab im Falle einer Zulassung einen jährlichen Spitzenumsatz von 12 Mrd. US-Dollar erreichen könnte.

Jedoch steht noch lange nicht fest, ob das Medikament letzten Endes eine Zulassung erhält. Zunächst muss Simtuzumab erfolgreich Phase 2 und dann die finalen Phase-3-Tests meistern, bevor es grünes Licht bekommt. Es lassen sich dutzende Szenarien ausmalen, wie das Medikament scheitern könnte. Wenn Gilead mit Simtuzumab keinen großen Erfolg landen kann, wird der Aktienkurs mit ziemlicher Sicherheit darunter leiden.

Außerdem könnten noch weitere Pipeline-Probleme auftreten. Gilead hat derzeit sieben Produkte, die sich in der klinischen Phase-3-Studie befinden und 18 weitere in der Phase-2-Studie. Auf diesen Kandidaten lasten nicht die gleichen hohen Erwartungen wie auf Simtuzumab, aber eine Handvoll klinischer Misserfolge würde Gileads Aktie zweifellos zusetzen.

3. Fürchterliche Übernahmen

Gilead Cash-Reserven stehen momentan bei 24,6 Mrd. US-Dollar (Zahlungsmittel, Zahlungsmitteläquivalente und marktgängige Wertpapiere). Es wäre keine große Überraschung, wenn das Unternehmen in den kommenden Monaten Teile dieser Cash-Reserven für bedeutende Akquisitionen verwenden würde. Einige Deals könnten allerdings mehr schaden als helfen.

Eine mögliche Übernahme von Medivation ist nun endgültig vom Tisch. Das große Biotech-Unternehmen war Berichten zufolge eines der Unternehmen, auf die Gilead ein Auge geworfen hatte. Obwohl Medivations Prostatakrebsmedikament Xtandi und seine Pipeline-Kandidaten Talazoparib und Pidilizumab Gileads Onkologie-Sparte deutlich aufgewertet hätten, war es letztendlich Pfizer, dem Medivation so wichtig war, dass es für die Übernahme beachtliche 14 Mrd. US-Dollar hinblätterte.

Wenn viele Bieter um ein Unternehmen buhlen, besteht das Risiko, dass der Gewinner der Auktion am Ende zu viel zahlt. Die Aktienmärkte reagieren für gewöhnlich nicht gerade freundlich, wenn ein Unternehmen für eine Übernahme einen Betrag zahlt, der höher ist, als von der öffentlichen Meinung für richtig befunden. Wenn Gilead zum Unmut der Investoren ein weiteres Unternehmen mit großem Aufschlag kauft, kannst du dich auf einen Kurseinsturz gefasst machen.

Falsche Antworten

Jedes einzelne oder alle dieser Szenarien könnten Gileads Aktie auf eine weitere Talfahrt senden. Gleichwohl glaube ich nicht, dass dies passieren wird.

Obwohl ich für die kommenden Jahre kein großes Wachstum für die Hepatits-C-Medikamente des Biotech-Riesen erwarte, glaube ich nicht, dass der Absatz einbrechen wird. Epclusa sollte für das Unternehmen ein wahrer Gewinner sein und Gilead deutlich im Wettbewerb mit Merck helfen.

Bei den Pipeline-Problemen ist jeder Ausgang denkbar. Jedoch ist Gileads Erfolgsbilanz beim Heranbringen neuer Medikamente bis hin zur behördlichen Zulassung recht positiv.

Und was ist mit schlechten Akquisitionen? Auch hier zeigt Gileads Bilanz, dass das Unternehmen bei Übernahmen stets kluge Entscheidungen gefällt hat. Viele dachten, dass Gilead 2011 zu tief für Pharmasset in die Tasche gegriffen hat. Allerdings scheint die Übernahme heute, nachdem sie zu dem Erfolg von Solvadi und Harvoni geführt hat, ein ziemlich kluger Schritt gewesen zu sein.

Ich glaube weiterhin, dass Gileads Langzeitaussichten trotz möglicher Risiken solide sind und halte deshalb langfristig an der Aktie fest. Ich bin aber auch auf einen negativen Ausgang vorbereitet.

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The Motley Fool empfiehlt und hält Aktien von Gilead Sciences. The Motley Fool hält folgende Optionen: Short Oktober 2016 $85 Calls auf Gilead Sciences.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 25.08.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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