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Wells Fargo oder JPMorgan? Was ist der bessere Kauf?

Foto: Pixabay, moritz320

Die großen amerikanischen Banken genießen unter den Investoren nicht alle denselben Ruf. Obwohl viele Amerikaner immer noch Banken wie Wells Fargo (WKN:857949) und JPMorgan Chase (WKN:850628) für die Rezession 2008 und die Finanzkrise verantwortlich machen,sind die Aktionäre, die die harten Zeiten durchgestanden haben, für ihre Disziplin und Geduld belohnt worden, als die Kurse auf neue Allzeithochs gestiegen sind. Wells und auch JPMorgan haben sich dabei besonders gut entwickelt und viele ihrer Konkurrenten hinter sich zurückgelassen. Aber wenn man sich jetzt die beiden Aktien ansieht, welche ist dann aktuell die bessere?

Im Folgenden wollen wir einen genaueren Blick darauf werfen, wie Wells Fargo und JP Morgan Chase sich in letzter Zeit geschlagen haben. Dann kannst du entscheiden, welche der beiden Banken besser für deine Bedürfnisse geeignet ist.

Aktienperformance und Bewertung

Nach einer schweren Zeit, in der der Vergleichswert nicht erreicht werden konnte, zeigt der Finanzsektor endlich wieder ein paar Lebenszeichen in den letzten Monaten. Die Renditen, die die großen Banken ihren Aktionären im vergangenen Jahr beschert haben, sind gemischt ausgefallen. JP Morgan Chase ist seit August 2015 um 7 % gestiegen, Wells Fargo hat dagegen im selben Zeitraum 7 % verloren.

Trotz dieser Unterschiede scheinen beide Aktien aber relativ günstig nach traditionellen Bewertungsmaßstäben. Wenn wir uns die Gewinne ansehen, dann hat JP Morgan Chase ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11, was nur etwas weniger ist als das KGV von 12 bei Wells Fargo. Selbst wenn wir die erwarteten Gewinne berücksichtigen, dann ist JP immer noch leicht im Vorteil mit einem KGV von 10,5 verglichen mit 11,5 bei Wells.

BILDQUELLE: GETTY IMAGES.

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Die Prämie, die die Investoren Wells Fargo zugestehen, wird beim Kurs-Buchwert-Verhältnis deutlich. Wells wird mit einer Prämie von mehr als 35 % auf den Buchwert gehandelt, bei JP sind es nur 5 %. Da mehrere große Banken gerade nach KBV günstig bewertet werden, sehen diese beiden Banken hier etwas teuer aus. Aber in vielerlei Hinsicht spiegeln die KBVs auch eine größere Zuversicht in die Bilanzen der beiden Banken wider. JP Morgan ist bei der Bewertung leicht im Vorteil gegenüber Wells.

Dividenden

Die Bankaktien haben lange gebraucht, um ihre Dividenden wieder dahin zu bringen, wo sie vor der Finanzkrise waren. Während einige Unternehmen noch damit zu kämpfen haben, die Genehmigung zu bekommen, ihre Auszahlungen zu erhöhen, haben Wells und JP ihre Dividenden schon wieder auf ein gesundes Niveau gebracht. JP steht aktuell bei 2,9 %, Wells bei 3,1 %.

In Bezug auf das Dividendenwachstum ist JP aber aggressiver. Das Unternehmen hat seine Dividende gerade erst um 9 % erhöht und zahlt 0,48 US-Dollar pro Aktie, was fast das Zehnfache dessen ist, was nach der Finanzkrise ausgeschüttet wurde. Zusätzlich erwartet die Bank auch im nächsten Jahr, massive Aktienrückkäufe und will damit einen Vorteil aus dem positiven Urteil der Fed zum Kapitalplan des Unternehmens ziehen.

Im Gegensatz dazu hat Wells seinen Investoren dieses Jahr nur einen halben Penny mehr gezahlt und hat in der letzten Telefonkonferenz angemerkt, die aktuelle Auszahlungsquote läge bei 62 %. Das Unternehmen versucht, seine Auszahlungen zwischen 55 % und 75 % zu halten. CEO John Stumpf hat aber angedeutet, dass künftige Dividendenerhöhungen größer ausfallen könnten. Andererseits sagte er auch, dass Rückkäufe wichtig wären und dass die Aktionäre eine Kombination aus beidem erwarten könnten. Alles in allem haben die beiden Aktien ein ähnliches Profil bei der Dividende und bei der Kapitalrückführung.

Wachstumsaussichten und Risiko

Was die starken Banken von den schwachen unterscheidet, ihr ihre Fähigkeit, sich von Widrigkeiten zu erholen und sowohl Wells als auch JP Morgan haben dabei überzeugende Arbeit geleistet. Das ging aber auch nicht ohne Schwierigkeiten. Im zweiten Quartalsbericht von Wells Fargo fand sich ein leichter Rückgang bei den Nettoeinnahmen, da die Bank Probleme mit dem Niedrigzinsumfeld hat und damit kein höheres Nettozinseinkommen generieren kann. Das Wachstum bei den Krediten war aber beeindruckend und die Eigenkapital- und Vermögensrendite lagen deutlich über denen der Konkurrenten. Die Herausforderungen im Energiesektor haben Wells dazu gezwungen, die Kreditausfallprognosen zu erhöhen. Wells würde hier noch gerne bessere Ergebnisse erzielen und arbeitet auch daran, die Kosten zu senken und den Gewinn zu erhöhen.

Bei JP Morgan Chase sieht die Lage sogar aktuell noch besser aus. Die Bank konnte Rekordeinlagen von den Verbrauchern verbuchen wie auch starke Kreditumsatzgewinne und ein starkes Kreditwachstum. CEO Jamie Dimon bezeichnete die Bereiche Hypotheken und Gewerbeimmobilien als besonders wichtig für den aktuellen Erfolg von JP Morgan. Das Unternehmen profitiert also auch von den stabileren Finanzmärkten. JP Morgan ist auch mehr im Bereich Investmentbanking tätig als Wells Fargo und dieser Umstand arbeitet endlich zugunsten von JPMorgan nach mehreren Quartalen voller Unsicherheit aufgrund des volatilen Marktumfeldes.

Alles in allem sind Wells Fargo und JP Morgan Chase attraktive Aktien, die von einer Erholung im Finanzsektor profitieren könnten. Die leicht niedrigere Bewertung von JP Morgan, die höheren Wachstumsaussichten bei der Dividenden und die höheren Wachstumschancen geben der Bank hier einen kleinen Vorteil gegenüber Wells Fargo, aber beide haben das Potenzial, -in Zukunft starke Renditen zu erzielen.

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Motley Fool besitzt und empfiehlt Wells Fargo.

Dieser Artikel wurde von Dan Caplinger auf Englisch verfasst und wurde am 22.08.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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