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Warum der Brexit für diese 4 Konsumgiganten keine Bedeutung hat

Foto: Peter Roegner

Im Juni schien das Ende der Welt gekommen. Die britischen Wähler hatten sich mit knapper Mehrheit für den Austritt des Königreichs aus der Europäischen Union entschieden, die Börsen stürzten ab. Gemessen am damaligen Medienrummel ist inzwischen fast völlige Ruhe eingekehrt. Trotzdem glaube ich, dass der Brexit noch Turbulenzen bereithält – für das Vereinigte Königreich, für viele Unternehmen darin und, ja, auch für die Investoren.

Und doch es gibt Anleger, die den kommenden Ereignissen ruhiger entgegensehen können. Nämlich die Aktionäre bestimmter Konsumgüterhersteller. Und es gibt gute Gründe, wieso diese Unternehmen so sicher und stabil sind.

Die mächtigen 4

Ich habe vier Unternehmen – zwei deutsche und eineinhalb britische – ausgesucht, die charakteristisch für diesen Industriezweig sind. Aus Deutschland bieten sich der Persil-Hersteller Henkel (WKN: 604843) (auch WKN: 604840) sowie Nivea-Produzent Beiersdorf (WKN: 520000) an. Dazu kommen der britische Konzern Reckitt Benckiser Group (WKN: A0M1W6), der unter anderem die Marken Calgon und Vanish ins Leben rief, und der britisch-niederländische Riese Unilever (WKN: A0JMZB) (auch WKN: A0JNE2) mit Axe und Coral.

Warum gerade diese vier? Ganz einfach: Wir suchen Sicherheit und Stabilität, und ich sehe alle vier als groß, stabil und diversifiziert an. Die Größe können wir bei einem kurzen Blick auf die jeweiligen Umsätze schnell erkennen:

Gesamtumsatz 2015 (Mrd. EUR) Umsatzanteile 2015 in %
Haushalt Körperpflege Sonstiges
Henkel 18,1 28 21   50  (Klebstoffe)
Beiersdorf 6,7 0 83   17  (Klebstoffe)
Reckitt 12,0 60 0   33  (Healthcare)
Unilever 53,3 19 38   43  (Nahrungsmittel)

Quelle: Geschäftsberichte der Unternehmen

Mit einem Umsatz von 6,7 Milliarden Euro ist Beiersdorf das kleinste Unternehmen der Gruppe. Am anderen Ende erzielte Unilever 53,3 Milliarden Euro Umsatz. Das sind alles echte Riesen.

Warum Größe so wichtig ist? Ich finde, dass schon die Größe allein echte Wettbewerbsvorteile bieten kann. Denk einfach an Skaleneffekte, die darin zum Ausdruck kommen, dass die Kosten pro Stück mit steigender Produktionsmenge (und damit der Unternehmensgröße) sinken. Das können ziemlich dicke Bretter werden, die kleine Unternehmen bohren müssen, wenn sie gegen diese Riesen konkurrieren wollen.

Eine beliebte Branche

Neben der Größe ist es auch die Branche, die für Stabilität sorgt.

Im Angebot haben alle vier Produkte für Verbraucher, die entweder zur Körperpflege oder zur Reinigung im Haushalt (oder auch beides, wie Henkel und Unilever) gebraucht werden. Zum Teil sind die Grenzen auch fließend, wie bei der Hygiene-Marke Sagrotan von Reckitt.

Allerdings unterscheiden sich die Schwerpunkte ziemlich, etwa bei Beiersdorf, wo die Top-Marke Nivea einen erheblichen Teil des Umsatzes ausmacht. Dagegen besitzt der Marken-Multi Unilever 13 Marken, die jeweils mehr als eine Milliarde Euro Umsatz bringen, darunter Dove, Knorr und Magnum.

Gemein ist den vier vor allem eines: Sie sind im nichtzyklischen Bereich der Konsumgüter unterwegs und stellen Produkte des täglichen Bedarfs her, auch Basiskonsumgüter genannt. Nicht zyklisch deshalb, weil Hautcremes, Duschgel und Waschpulver unabhängig von der konjunkturellen Lage immer benötigt werden.

Das wird sich auch durch den Brexit sicher nicht ändern.

Das Königreich ist nicht der Nabel der Welt

Wenn wir uns um diese Unternehmen sorgen, dann deswegen, weil das Königreich groß und ein wichtiger Markt ist.

Letztlich jedoch ist Großbritannien im Weltmaßstab relativ klein. Darüber hinaus sind diese Unternehmen so diversifiziert – erinnern wir uns, dass wir diese Eigenschaft am Anfang als besonders wichtig benannt haben – dass der Umsatz im Königreich keine tragende Säule des Erfolges dieser vier ist.

Vielmehr dürften bei den Konzernen andere Regionen im Fokus stehen. Unilever gilt in Asien als sehr gut aufgestellt und Reckitt erwartet, dass Indien bald zu den Top 3 Umsatzbringern im Konzern gehört.

Für Henkel dagegen ist Nordamerika eine der weltweit wichtigsten Regionen. Zuletzt bezahlten die Düsseldorfer 3,2 Milliarden Euro für den Waschmittelproduzenten Sun Products. In den USA hatte Henkel bereits vor der Übernahme rund 20 Prozent seines Umsatzes eingefahren, nun könnte man dort dem weltweit Größten der Branche, Procter & Gamble, die Stirn bieten.

Zudem ist es unwahrscheinlich, dass der Brexit das Ende aller Handelsbeziehungen bedeutet. Wir können also insgesamt davon ausgehen, dass der Brexit für diese Konzerne keine große Bedeutung haben dürfte.

Das ist ein weiterer Beleg für die Krisenfestigkeit der Produzenten von Basiskonsumgütern. Ihre Aktien stehen bei Anlegern generell hoch im Kurs, weil sie Produkte herstellen, die wenig kosten und auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten nachgefragt werden.

Welche Aktie ist für mich die beste?

Wir haben jetzt gesehen, dass diese Unternehmen besonders groß, stabil und diversifiziert sind, und damit sehr attraktiv für Anleger, die Sicherheit und langfristig stabile Ergebnisse suchen. Welche dieser vier Aktien ist aber derzeit mein Favorit, und warum ist sie das?

Ich habe mir dazu die EBIT-Margen angesehen. Das EBIT ist der Gewinn, den das Unternehmen aus dem operativen Geschäft erzielt, also ohne Berücksichtigung von Zinsen und Steuern. Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zum Umsatz, ergibt sich die EBIT-Marge. Deren Entwicklung in den letzten drei Jahren stellt das folgende Diagramm dar:

Quelle: Geschäftsberichte der Unternehmen

Quelle: Geschäftsberichte der Unternehmen

Wir sehen, dass Henkel, Beiersdorf und Unilever etwa auf einem Niveau liegen und sich die Margen nur wenig ändern. Reckitt Benckiser dagegen sticht deutlich hervor – die Gewinnspanne liegt um zehn Prozentpunkte über der der Wettbewerber. Besonders margenstark ist Reckitt in den Bereichen Healthcare und Hygiene. In ihrem Portfolio befinden sich Marken wie Nurofen, Scholl und Sagrotan.

Diese Qualität macht sich auch bei der Bewertung der Aktie bemerkbar. Ich habe für alle Aktien den Gewinn für das Jahr 2016 geschätzt und diesen ins Verhältnis zum Aktienkurs gesetzt. Die so ermittelten Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) sehen wie folgt aus:

Gewinn pro Aktie 2016 Aktienkurs KGV 2016
Henkel Vorzugsaktien 5,40 EUR 117,8110 EUR 21,8
Beiersdorf 3,03 EUR 84,80 EUR 28,0
Reckitt Benckiser 2,30 GBP 75,60 GBP 32,9
Unilever 1,75 EUR 41,645 EUR 23,8

Gewinne 2016: eigene Schätzungen; Kurse vom 12.08.2016

Reckitt liegt beim KGV deutlich vor den anderen. Das KGV von Beiersdorf liegt etwas höher als bei Unilever und Henkel, aber die Hamburger haben durch ihre Topmarke Nivea hier traditionell höhere Werte.

Wir müssen daran denken, dass „das Beste“ immer relativ ist und wir eine Balance zwischen Qualität und Bewertung finden müssen. Wenn man zu viel für ein Top-Unternehmen bezahlt, dann können enttäuschende Renditen folgen. Aber niedrige Bewertungen alleine sind auch keine gute Lösung, wie Warren Buffett oft gesagt hat:

Ich würde lieber ein erstklassiges Unternehmen zu einem guten Preis kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem erstklassigen Preis.

Deswegen ist mein derzeitiger Favorit aufgrund der relativ günstigen Bewertung und der guten Halbjahreszahlen Henkel. Auch Reckitt schätze ich durch die Qualität des Unternehmens.

Generell gilt aber, dass alle vier Werte deinem Depot Sicherheit geben. Ihre Marken haben sich teils über Jahrzehnte bewährt und liefern hohe Renditen ab. Das macht ihre Aktien interessant, zumal in unsicheren Zeiten wie diesen, in denen Anleger defensive Werte suchen.

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Peter Roegner besitzt keine der im Text genannten Aktien. The Motley Fool recommends Procter and Gamble and Unilever.

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