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Ideen finden, die gut und anders sind

Foto: Pixabay, ColiN00B

Als Investoren sind wir immer auf der Suche nach guten Ideen, denn so erzielt man Renditen über dem Vergleichsindex. Aber man braucht auch Ideen, die anders sind. Das liegt daran, dass in der Finanzindustrie eine Idee, die alle haben, nur noch eine durchschnittliche Idee ist.

Das Problem dabei ist, dass es schwer ist, gute Ideen zu finden. Und andersartige Ideen zu finden, ist auch schwer. Daher ist es wirklich ziemlich schwer gute Ideen zu finden, die anders sind.

Um das zu bewerkstelligen musst du dich regelmäßig außerhalb deiner Investmentkreise aufhalten, aber nicht so weit, dass du dein konsequentes Handeln und die Einfachheit deiner Strategie aufgibst. Du musst also so viele gute wie andersartige Ideen ansehen, um sicherzustellen, dass du beide Kategorien gleichmäßig durchkämmst.

Aber selbst für die ergebnisorientierten Leute ist dieser Prozess frustrierend. Wenn du es richtig machst, dann musst du immer noch viel Zeit investieren und findest trotzdem nichts.ideas1_large

Zeit verschwenden

Daher habe ich eine Menge Investmentkonferenzen besucht. Das sind Konferenzen, die von großen Banken organisiert und bezahlt werden. Dabei bringen sie Kunden, die Investoren sind und Bankkunden, die Unternehmen sind, zusammen und hoffen, dass das zu einer Transaktion führt, wobei der Investor die Aktien des Unternehmens kaufen wird und die Bank damit am Transfer Geld verdient.

Diese Konferenzen sind aber immer wieder dasselbe. Die Bank mietet ein schickes Hotel in einem Finanzzentrum und bietet zwei bis drei Tage voller Präsentationen von den Unternehmen. Diese Präsentationen sind üblicherweise 45 Minuten lang und danach gibt es eine Fragestunde und fünf Minuten Pause, falls jemand in einen anderen Raum wechseln will. Jeder kann bei diesen Präsentationen zusehen. Und bei jeder Konferenz sind es meistens dieselben Unternehmen mit denselben Präsentationen.

Das ist allgemein Zeitverschwendung, das sind fünf Tage deines Lebens (inklusive Reisezeit) um 10 Minuten Einblicke zu bekommen – wenn man Glück hat.

Die Politik dahinter

Der Sponsor der Konferenz arrangiert auch Einzelgespräche, in denen der Investor/ Kunde sich mit einem Unternehmensvertreter austauschen kann. Die Organisatoren fragen normalerweise die Investoren, wen sie gerne im Einzelgespräch treffen würden.

Da die Zeit aber begrenzt ist, sind auch nur wenige davon verfügbar. Einige diese Gespräche sind auch begehrter als andere. Die Bank löst dieses Problem dadurch, dass sie die begehrtesten ihren wertvollsten Kunden geben – also denen, die in der Vergangenheit die höchsten Umsätze für die Bank generiert haben.

Es ist nicht ungewöhnlich, auf diesen Konferenzen Investoren zu hören, die ihre Termine mit den anderen vergleichen. Sie sind stolz darauf, wenn einer von ihnen ein Gespräch mit einem großen Namen bekommt, wenn jemand anders das nicht geschafft hat. Interessanter als alles, was in so einem Einzelgespräch besprochen wird, ist zu beobachten, welche Unternehmen gerade die begehrtesten sind.

Große Namen ziehen viele Menschen an

Auf der Asien-Konferenztour ist der chinesische Internetriese Baidu historisch sehr beliebt bei den Investoren und es ist entsprechend schwer, einen Termin zu bekommen. Sie akzeptieren auch nicht viele Termine mit den Investoren und sie gehen nicht auf viele Konferenzen. Wenn sie bei einer teilnehmen, dann schicken sie meist eher die Leute aus dem unteren Management. Als Baidu vor ein paar Jahren endlich auf den Konferenzen auftauchte, war die Nachfrage natürlich extrem.

Da die Leute in meinem Analystenteam Baidu-Aktionäre waren, bat ich pflichtbewusst um eine Audienz – bekam sie aber nicht. Aber das machte mir diesmal nichts aus, nicht so wie noch vor ein paar Jahren und ich war auch nicht wütend wie viele andere, die auch leer ausgegangen waren.

Warum? Weil Baidu nicht die erhofften 5 bis 10 Minuten Einblick geben würde. Die Kommentare wären zu geplant, das Publikum zu groß gewesen. Ich hatte mir Folgendes notiert – vielleicht mag dir das komisch vorkommen – nämlich, dass Baidu extrem beliebt und die Stimmung sehr bullisch war, daher wäre es vielleicht zu kurzsichtig, jetzt aus Gründen der Bewertung die Aktien zu verkaufen.

Aber um mehr gute und neue Ideen zu finden, begann ich einen anderen Ansatz zu wählen.

Einzelgespräche mitden Nobodys…

Es wurde zu einem Best-Practice-Case in unserem Team, nicht mehr im Voraus um Einzelgespräche zu bitten. Stattdessen gingen wir auf eine Konferenz ohne festen Plan und baten am Empfang einfach darum, unseren Terminkalender mit den Terminen zu füllen, die niemand anders gebucht hatte. Das waren die unbeliebtesten Namen auf der Konferenz und wir wollten sie alle treffen.

Wir hatten da diese Hypothese, dass von all den Millionen von Menschen, die in der Investmentindustrie arbeiten, alle etwa genau gleich intelligent sind. Wir waren praktisch alle auf denselben Schulen, haben dieselben Kurse besucht und haben dieselben Analysetechniken gelernt. Unter der Annahme, dass das zumindest einigermaßen akkurat ist, erzielen wir auch alle mehr oder weniger dieselben Ergebnisse, denn wir sehen alle dieselben Unternehmen durch dieselbe Brille – und versuchen wie die meisten den Markt zu schlagen.

Man man sich aber von der Masse abheben, indem man diese Eignung und Techniken nimmt und sie bei anderen Namen anwendet. Daher wollten wir mit den Außenseitern reden. Sie gaben uns die Chance, anders und damit auch potenziell besser zu sein.

Es kommt auf die Ausdauer an

Mein liebster Tag auf einer Investmentkonferenz ist der dritte Tag. Das mag sich nach einer bedeutungslosen Aussage anhören, wenn du noch nie auf einer Konferenz warst, aber wenn doch, dann klingt es wie Ketzerei. Tag drei ist immerhin der letzten Tag. Es gibt keine Parties am dritten Tag. Keine Cocktails, kein Empfang, keine Manager, die mit ihren Einkaufskarten rumhängen.

Die meisten Leute – auf jeden Fall aber die A-Liste – sind dann schon heimgefahren, sowohl die Investoren als auch die Unternehmensvertreter. Die Leute, die noch bleiben, bekleiden keine höheren Posten und sind ausgelaugt. Niemand kennt die Unternehmen auf dem Plan. Die Kaffeekannen werden nicht mehr aufgefüllt. Die Anzüge sind schon zerknittert, die Krawatten nur noch optional und die Toiletten riechen übel.

Tag drei ist der Tag, an dem man die Alphatiere findet.

Es ist aber schwer. In einem 99 % effizienten Markt gibt es einfach nicht mehr so viele versteckte Schätze zu finden. Die Unternehmen, die am dritten Tag noch da sind, sind normalerweise die, die keiner haben will: Schwache Bilanzen, schlechte Geschäftsmodelle und fragwürdiges Management. Zum Beispiel war ich einmal bei einer Präsentation von einem Start-up, einem Mixed-Martial-Arts-Unternehmen, das mit dem Branchenprimus konkurrieren wollte, der UFC, die gerade für 4 Milliarden US-Dollar verkauft worden war. Sie wollten ein Teamformat mit einer Liga anstatt einzelnen Kämpfern. Am Ende der Präsentation wurden die Städte enthüllt, die für die Teams ausgewählt worden waren zusammen mit ihren Teamnamen und Logos.

Danach folgte eine glorreiche Frage- und Antwortsession.

Ein Analyst in dem fast leeren Raum – ich war’s nicht, aber ich wünschte, das wäre mir eingefallen – hob seine Hand und stellte seine Frage: „Sie haben keine Talente. Sie haben keinen Vertrieb. Was ist Ihr Geschäftsmodell?”

Der CEO antwortete: „Ich habe diese Logos und die Kids sind verrückt nach Merchandise.”

Die Kids sind verrückt nach Merchandise

Das wurde dann unsere humorvolle Erklärung für viele sinnlose Dinge, die man auf dem Markt so findet. Einen Workshop, in dem man einen Bären bauen kann? Die Kinder sind verrückt nach dem Zeug. Delia’s? Die Kids sind verrückt danach. Living Social? Die Kids sind verrückt nach dem Zeug.

Aber am dritten Tag findet man nicht nur solche Katastrophen.

Einmal war ich am dritten Tag in einem Einzelgespräch mit der Bank von Georgien. Ich wusste absolut nichts darüber, aber es war klar, warum die meisten Investoren nicht gekommen waren. Es gab etwas Aufruhr in der georgischen Regierung, die Währung schwankte stark und der große Nachbar Russland war nicht gerade um konstruktive Beziehungen zu Georgien bemüht – oder zu irgendeinem anderen Land.

Aus dem Gespräch ging aber hervor, dass es sich um eine Bank mit einer vielversprechenden Wachstumsmöglichkeit handelte, einer guten Unternehmenskultur und einer effizienten Kostenstruktur. Dieses Meeting markierte den Beginn eines gründlichen Rechercheprozesses und am Ende kauften wir Aktien der Bank, bevor die anderen Institute davon Wind bekamen.

Wie man die Schätze im Müll findet

Der Schlüssel liegt dabei darin, sich jede Menge davon anzusehen. Für jede Bank von Georgien gab es hunderte von öffentlich gehandelten Unternehmen, die hofften, die Investoren würden ihnen glauben, dass die Kids danach verrückt wären. Es ist aber harte und undankbare Arbeit. Wenn du beginnst, mehr und mehr Unternehmen zu analysieren, dann wirst du auch mehr Ideen finden. Du wirst auch immer mehr Ideen verwerfen und immer mehr von deiner Arbeit geht verloren. Für die besonders ehrgeizigen ist das der tiefste Schmerz. Trotz jeder Menge Zeit und Arbeit schafft man keinen sichtbaren Mehrwert.

Aber wenn man das richtig macht, dann sollte die Zahl der Ideen, die man sich ansieht und derer, die man wegwirft, gleich sein.
2Und doch werden hier Werte geschaffen – nur auf eine etwas subtilere Art. Egal ob du dir 10 Ideen ansiehst, oder 100 oder 1000, es wird etwas zutage treten, das vielversprechend ist. Aber was im Kontext von 10 Ideen vielversprechend wirkt, könnte im Kontext von 100 nicht so gut aussehen, oder im Kontext von 1.000.

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Wenn man dann jeden Stein einzeln umdreht und Ideen verwirft, dann steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass man auch wirklich etwas findet, das gut ist.

Lerne, den dritten Tag zu lieben

Die Lektion besteht darin, dass man nicht seine ganze Zeit damit verbringen sollte, sich diese herrenlosen Unternehmen anzusehen. Man sollte stattdessen die selbe Zeit wie für die Facebooks und Amazons dieser Welt aufwenden, um weniger bekannte Namen unter die Lupe zu nehmen. Und egal wie viele du ansiehst, behalte nur ein paar davon.

Schließlich solltest du nie ein Event vor dem Ende verlassen. Die interessantesten Dinge passieren immer erst am Ende. Selbst wenn ein MMA-Start-up keine Investmentidee wird, vielleicht kannst du darüber irgendwann später mal einen Artikel schreiben.

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Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon.com, Baidu und Facebook.

Dieser Artikel wurde von Tim Hanson auf Englisch verfasst und wurde am 07.08.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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