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Ist Royal Dutch Shell nach den jüngsten Quartalsergebnissen immer noch ein Kauf?

Der Ölpreis ist wieder unter die 50-Dollar-Marke gefallen und momentan geht das Barrel sogar für unter 45 US-Dollar über die Ladentheke. Dennoch steigen die Aktienkurse der großen Öl-Konzerne – Die Aktie von Royal Dutch Shell (WKN:A0D94M) stieg seit Ende Mai um 26 % auf 23,20 Euro, während BPs Aktienkurs um 21 % auf 5,12 Euro kletterte (Stand 30.7.16).

Zu einem gewissen Grad liegt diese Entwicklung auch am Brexit-Votum und dem daraus resultierenden fallenden Pfund. Öl wird in US-Dollar verkauft, weshalb der in britischen Pfund ausgewiesene Aktienpreis der zwei Öl-Riesen günstiger erscheint. Und so hat seit dem Referendum eine beachtliche Menge an Investoren — auf der Suche nach einem sicheren Anlagehafen — in diese Unternehmen investiert.

Enttäuschende Ergebnisse

Als wäre der sinkende Ölpreis nicht schlimm genug, hat Royal Dutch Shell vergangene Woche seine Ergebnisse für das zweite Quartal präsentiert – und diese fielen schlechter aus als erwartet. Der bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten sank um 72 % auf 1,045 Mrd. US-Dollar. Analysten prognostizierten in etwa das Doppelte. Auf das erste Halbjahr betrachtet fiel der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten um 65 %.

Teilweise wurden Abschreibungskosten, die in Folge von Shells 35-Milliarden-Pfund-Übernahme der BC Group im Februar entstanden, für diesen Gewinneinbruch verantwortlich gemacht. Aber auch der fallende Ölpreis und eine Verschlechterung der Downstream-Geschäftsbedingungen trugen wesentlich dazu bei – allerdings erhöhte die BC Group das Gesamtproduktionsniveau.

Nach der BG-Übernahme erreichte die Öl- und Gasförderung im zweiten Quartal ein Volumen von 3,5 Mio. Barrels Öl pro Tag – ein Anstieg von 28 % im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr. BG trug täglich 786.000 Barrels zur Produktion bei.

Der Cashflow war mit enttäuschenden 2,29 Mrd. US-Dollar relativ niedrig (im zweiten Quartal 2015 betrug er noch 6,05 Mrd. US-Dollar). Das ist nicht einmal genug, um die Dividenden in Höhe von 3,7 Mrd. US-Dollar zu decken. 1,2 Mrd. US-Dollar entfielen davon aus Scrip-Dividenden. Im ersten Halbjahr fiel der Cashflow von 13,16 Mrd. auf 2,95 Mrd. US-Dollar.

Dividenden beibehalten

Shell kündigte an, im zweiten Quartal eine Dividende von 0,47 US-Dollar pro Aktie auszuschütten, wie auch schon im ersten Quartal. Dadurch scheint es wahrscheinlich, dass die Dividende auch für das Gesamtjahr 2016 beibehalten werden kann. Bei einer prognostizierten Rendite von 6,5 % wird sie nun allerdings, nachdem das Brexit-Votum dem Pfund ordentlich zugesetzt hat, weniger wert sein.

Was bedeutet das nun für Investoren, nachdem BP vergangene Woche unerwartet schlechte Ergebnisse für das zweite Quartal präsentiert hat?

CEO Ben van Beurden sagte, dass Shell gegen diese Krise „mit Kosteneinsparungen, die mit niedrigeren und vorhersehbareren Investitionen, weiteren Anlageverkäufen und neuen profitablen Projekten erreicht werden sollen, vorgehen wird.“ Und das Unternehmen unterstrich noch einmal seine Sparziele mit einem nach unten korrigierten geplanten Investitionsvolumen für das gesamte Jahr 2016 von 29 Mrd. US-Dollar.

Die langfristige Zukunft ist vollständig vom Ölpreis abhängig und obwohl der Barrel-Preis nun unter die magische 50-Dollar-Marke gesunken ist, scheint dies eher ein kurz- oder mittelfristiges Problem darzustellen. Die Frage ist sicherlich wann – und nicht ob – sich der Ölpreis wieder auf ein langersehntes Niveau von 60-75 US-Dollar erholt. Es bleibt abzuwarten, wann es soweit ist.

Ein durchwachsener Aktienkurs

Obwohl Shells Aktienkurs nach seiner seit letztem Mai anhaltender Bergfahrt wieder leicht gefallen ist, steht die Aktie momentan gut da. Mit einer Dividendenrendite von 6,5 % können Investoren beruhigend abwarten, bis sich der Ölpreis wieder aufrappelt – vorausgesetzt, die Dividenden werden beibehalten.

Unterdessen ergänzte van Beurden noch: „Unsere Investitionspläne und unser Portfolio-Management fokussieren sich fest auf die Umstrukturierung Shells zu einem Weltklasse-Investment-Case. Dies wollen wir mit einem höheren, nachhaltigeren und wachsenden Free Cashflow je Aktie erreichen.

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The Motley Fool empfiehlt BP und Royal Dutch Shell.

Dieser Artikel wurde von Alan Oscroft auf Englisch verfasst und am 28.07.2016 auf Fool.uk veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.