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Alan Greenspan im Brexit-Interview: verfehltes Euro-Bashing, Gold-Nostalgie und Inflationsangst

Quelle: Wikimedia Commons

Alan Greenspan gab vor einigen Tagen ein längeres Bloomberg-Interview rund um die Themen Brexit und Weltwirtschaft. Dabei gab er viel Routiniertes im Stil eines asiatischen Zen-Meisters zum Besten, aber haute auch einige Sachen zum Euro, dem Goldstandard und anderem raus, die in mir Widerspruch hervorrufen.

„Der Euro ist eine instabile Währung“

Herr Greenspan kam in mehreren Passagen des Gesprächs immer wieder auf den Euro zu sprechen. Griechenland hätte man schon längst ausschließen sollen, die Hellenen würden toxisch wirken. Dadurch, dass die Nordländer und die Südländer eine andere Kultur haben, könne das System nicht auf ewig funktionieren. Ganz kritisch sieht er das Argument, dass die EZB – im Gegensatz zur amerikanischen Fed – kein Backup hätte, wenn es hart auf hart kommt.

Viele Professoren und Institutsleiter äußern zu Recht ähnliche Bedenken. Trotzdem ärgert mich der einseitige Angriff etwas. Jeder Währungsraum hat schließlich seine eigenen Probleme. Selbst der früher unantastbare US-Dollar ist längst verletzlich geworden.

Der faktische Bankrott von Puerto Rico und die Überschuldung vieler Gliedstaaten und Großstädte schürt Zweifel. Hinzu kommt, dass sich unglaublich große Summen an Dollar-Anleihen in den Händen von wenigen asiatischen Staaten befinden, hier lauern Turbulenzen. Noch schlimmer: Wenn die USA versuchten, sich über massive Abwertung zu entschulden, droht geradezu Krieg mit Großgläubiger China.

Den nicht wegzudiskutierenden Schwächen des Euro-Konstrukts stehen außerdem erhebliche Vorteile entgegen. Während der reisefreudige Engländer bei jedem Auslandsurlaub mehrere Prozent des Budgets an Umtauschgebühren verliert, muss sich der ebenso reisefreudige Kontinentaleuropäer von Lissabon bis Helsinki keine Sorgen darüber machen und findet auch überall auf der Welt eine Wechselstube. Für exportierende Unternehmen sind die Vorteile einer Weltwährung noch um ein Vielfaches größer. Die Zusammenlegung der Zentralbankaufgaben vieler Länder in einer einzigen Institution hat darüber hinaus große Effizienzvorteile.

Mein Schluss daraus: Solange Frankreich und Deutschland den Euro wollen, wird er eine führende und vergleichsweise verlässliche Währung bleiben. Dass sie wollen, daran besteht für mich kein Zweifel. Frankreich fürchtet die D-Mark-Rückkehr und Deutschland den Exporteinbruch.

„Wenn wir zum bis 1913 geltenden Goldstandard zurückkehrten, wären wir fein raus.“

Diese Aussage ist positiv ausgedrückt nostalgisch, aber meines Erachtens geradezu haarsträubend. Schon der alte John Maynard Keynes bezeichnete Gold als „barbarisches Relikt“ und das aus gutem Grund. Da die Geldmenge laut Definition der Gütermenge entspricht, folgt für einen global eingeführten Goldstandard, dass das weltweit verfügbare Gold wertmäßig allen produzierten Gütern entspricht.

Das gesamte bislang der Erdkruste entrissene Gold würde in einen Würfel mit 21 Meter Seitenlänge passen. Wie kann man auf die Idee kommen, dass solch ein letztlich fast unnützer Metallklotz genauso wertvoll sein könnte wie Tausende Containerschiffe voller Elektronik, Spielwaren, Maschinen und was sonst noch alles produziert wird?

Hierfür müsste der Goldwert in die Höhe schießen mit der Folge, dass wahrscheinlich Millionen Goldschürfer auf der ganzen Welt riesige Umweltschäden anrichten würden, ohne dabei etwas Sinnvolles zu schaffen. Sicherlich würde die Spekulation auch zu erheblichen Schwankungen führen. Einmal können wir für einen Goldtaler einen Golf kaufen und kurze Zeit darauf vielleicht nur noch einen Golfschläger.

Für alle Länder, die sich einem solchen Standard unterwürfen, gäbe es hingegen ein festes Austauschverhältnis der Währungen, da sie ja gleichförmig vom Gold abhingen. Kurioserweise merkt Alan Greenspan im selben Interview trefflich an, dass fixierte Währungen und Zentralbankeingriffe schlecht seien, weil Währungsschwankungen als Ausgleichsventil wichtig seien.

Mein Schluss daraus: Die Rückkehr zum Goldstandard wäre eine Katastrophe.

„Die Historie zeigt, dass eine steigende Geldmenge immer zu Inflation führt.“

Zum Thema Inflation prophezeit der Währungsmann, dass sie irgendwann plötzlich über uns hereinbrechen wird, auch wenn er nicht sagen könne, wann. Hier will ich ihm nicht widersprechen. Die aktuellen Negativzinsen sind definitiv nicht nachhaltig. Ob wie geplant eine langsame Rückführung auf Normalniveau gelingen kann, ist fraglich, denn sobald der Wind dreht, könnte die Inflation losgaloppieren.

Eine reine Betrachtung der Geldmenge halte ich allerdings nicht für zielführend. Hier kommt es doch sehr darauf an, wofür sie eingesetzt wird. Aktuell werden beispielsweise jährlich weltweit hunderte Milliarden in erneuerbare Energien investiert. Diese erfordern im Gegensatz zu Kohlekraftwerken extrem hohe Anfangsinvestitionen, welche die Bilanzen aufblähen.

Mein Schluss daraus: Inflation ist eine Variable, mit der wir rechnen müssen.

Fazit

Der Ex-Fed-Chef nutzt seine exponierte Rolle, um Aufmerksamkeit zu erregen und gibt nun den großen Warner. Es ist aber möglicherweise nicht angebracht, seinen Aussagen allzu viel Vertrauen entgegenzubringen. Da ist wohl auch Eitelkeit dabei.

Nicht vergessen sollten wir, dass Amtsinhaber Alan Greenspan keinen Finger rührte, um die verheerenden Exzesse von Bankern, Immobilienhaien und Private-Equity-Investoren einzudämmen. Dass er allen Ernstes behauptet, dass es „keinerlei Hinweise“ darauf gäbe, dass das Platzen von Blasen an den Finanzmärkten Auswirkungen auf die Realwirtschaft hätte, spricht Bände. Wie auch immer gilt auf alle Fälle: Aktien sind ein ausgezeichneter Inflationsschutz.

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