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Sollte Nintendo wirklich mehr wert sein als Activision Blizzard?

Foto: Pixabay, geralt

Nachdem es fast von der Bildfläche verschwand, ist Nintendo (WKN:864009) nun wieder sehr präsent bei Investoren, da Pokemon Go die Herzen der Kinder und Investoren weltweit gleichermaßen eroberte. Seit der Veröffentlichung von Pokemon Go in Australien und den USA am 6. Juli ist die Nintendo-Aktie in nur acht Handelstagen um 89 % gestiegen. In dieser Zeit hat Nintendo seinem Marktwert 15 Milliarden US-Dollar hinzugefügt. Mit einer Marktkapitalisierung von 32 Milliarden US-Dollar ist Nintendo nun etwas mehr wert als der Erfinder von Call of Duty Activision Blizzard (WKN:A0Q4K4).

Auf den ersten Blick erscheint es nicht als unverdient, dass Nintendo Activision Blizzard im Hinblick auf die Marktkapitalisierung überholt hat. Beide Unternehmen haben in den zurückliegenden 12 Monaten 5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht. Da hören die Gemeinsamkeiten jedoch auch schon auf. Wenn man die jüngste Profitabilität und das jüngste Wachstum vergleicht, scheint Nintendos Bewertung im Vergleich zu Activision Blizzard etwas übertrieben.

Kennzahl Nintendo Activision Blizzard
Umsatzwachstum, letzten 5 Jahre (21,6 %) 1 %
Wachstum des Gewinns je Anteil, letzten 5 Jahre (31,1 %) 29,2 %
Wachstum des Cash Flows, letzten 5 Jahre (30 %) 8,3 %
Bruttomarge (TTM) 43,5 % 77,9 %
Operative Gewinnmarge (TTM) 6,7 % 26,4 %

Wieso hat Nintendo also eine solch hohe Bewertung? Obwohl die jüngste Vergangenheit von Activision viel besser war als die von Nintendo, blickt der Markt nach vorne. Momentan denkt er, dass Nintendos Zukunft viel rosiger sein wird als seine jüngste Vergangenheit. Lasst uns schauen, was Investoren vorschwebt.

Der Wirbel um Pokemon

Quelle: The Pokemon Company

Quelle: The Pokemon Company

Laut der Firma App Annie, die den App-Markt verfolgt, war Pokemon Go das Spiel, welches am schnellsten die Spitze der iOS- und Android-Charts anführte, was den Umsatz angeht. Das Spiel erreichte in Apples App Store den ersten Platz an nur einem Tag und innerhalb von vier Tagen auf Google Play.

Nintendo steht hinter Pokemon Go, aber seine finanziellen Vorteile sind unklar. Das kostenlose mobile Spiel wurde von dem Software-Entwickler-Start-Up Niantic Inc entwickelt, welches seine Ursprünge bei Google hat. Im Jahr 2015 hat Google Niantic abgespalten, aber nicht ohne eine 30 Millionen US-Dollar schwere Investition von The Pokemon Company, Google und Nintendo. Hier wird die Sache interessant. The Pokemon Company ist für die Lizenzen und das Franchisen von Pokemon verantwortlich und gehört zum Teil Nintendo, da es als gemeinsame Investition mit den Spielunternehmen Creatures und Game Freak etabliert wurde.

App Annie geht von einer potenziellen Run-Rate von 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr aus. Das wird zwischen den verschiedenen Investoren hinter Niantic und The Pokemon Company aufgeteilt und ein Teil des von Pokemon Go generierten Umsatzes wird auch an Apple gehen, welches einen Anteil an den Käufen, die innerhalb der App und durch den App Store gemacht werden, beansprucht. Brad Gibson, ein Analyst bei Macquarie Research, glaubt, dass Nintendos Anteil an Pokemon Go bei nur ungefähr 10 % liegt.

Sollte das Spiel 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr an Umsatz generieren, läge man bei einem 10 % Anteil bei 100 Millionen US-Dollar – oder 2 % der derzeitigen Run-Rate. Diese Art des Wachstums rechtfertigt kaum den Wertanstieg um 75 % von Nintendo. Jedoch bringt Nintendo auch Pokemon Go Plus heraus. Dabei handelt es sich um ein 35 US-Dollar teures Armband, welches Spieler darauf aufmerksam macht, wenn ein Pokemon in der Nähe ist. Die Vorbestellungen sind bereits ausverkauft und auf eBay (WKN:916529) fängt der Preis für das Armband bei über 100 US-Dollar erst an. Sollten ausreichend Armbänder entwickelt und verkauft werden, würde Nintendos Kurs sehr viel vernünftiger erscheinen.

Weitere mobile Monetarisierung

Pokemons Erfolg ist für Nintendo vielleicht gerade erst der Anfang. Das Potenzial, seinen jüngsten mobilen Erfolg auch für beliebte Nintendo-Charaktere wie Donkey Kong, Mario Brothers und Zelda nutzen zu können, erfreut Investoren. Das aggressive Vordringen auf dem mobilen Markt stellt für Nintendo einen Strategiewechsel dar, da es sich zuvor dem Smartphone-Gaming eher verweigerte. In einem Interview vor fünf Jahren sagte der ehemalige CEO Satoru Iwata folgendes über das Entwickeln von Spielen für Smartphones:

Wenn wir das tun würden, wäre Nintendo nicht mehr Nintendo. Es ist eine große Stärke für uns, ein Hardware-Team im Haus zu haben. Es ist die Pflicht des Managements, diese Stärken zu nutzen. Es ist wahrscheinlich die richtige Entscheidung, auch wenn man davon ausgeht, dass wir Profit machen würden, sobald wir Spiele auf Smartphones bringen würden. Jedoch glaube ich, dass meine Verantwortung nicht bei kurzfristigen Profiten liegt, sondern sich auf Nintendos mittel- und langfristige Wettbewerbsstärke konzentrieren sollte.

Bei einem Gespräche mit Investoren vier Jahre später stellte er fest, dass das Unternehmen „kein Interesse daran hat, erfolgreiche Beispiele des japanischen Smartphone-Markts zu analysieren und ihnen zu folgen“.

Basierend auf den Wachstumsaussichten für die nächsten fünf Jahre von oben kann man sagen, dass Nintendos Strategie, sich auf Konsolen zu konzentrieren, nicht funktioniert hat.

Die gläubigen Anhänger von Pokemon Go könnten vielleicht dafür sorgen, dass Nintendo verstärkt an mobiles Gaming glaubt. Das Unternehmen plant zwei weitere Spiele für Smartphones herauszubringen – aus den beliebten Animal Crossing und Fire Emblem Franchises. Man kann sich zwar schwer ein Szenario vorstellen, in dem die beiden Spiele die Popularität von Pokemon Go erreichen, aber ein Erfolg an dieser Stelle würde Nintendos Management und Investoren beweisen, dass das Unternehmen ein nachhaltiges Geschäft im Bereich Mobile Gaming aufbauen kann.

Die folgende Graphik zeigt außerdem, warum optimistische Investoren von dem Potenzial beliebter Nintendo-Charaktere begeistert sind – besonders von Mario Brothers.

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Die glorreichen Tage

Nintendo ist heute nur ein Bruchteil von dem, was es vor nur sechs Jahren war. Nintendos Umsatz hat in dem Geschäftsjahr, welches 2010 endete, über 12 Milliarden US-Dollar erreicht, was mehr als das Doppelte seiner jüngsten 12 Monate darstellt. Der EBITA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände) lag in diesem Jahr bei 2,1 Milliarden im Vergleich zu nur 410 Millionen US-Dollar heutzutage. Activision Blizzard erreichte in seinen letzten 12 Monaten einen EBITDA von 1,6 Milliarden US-Dollar.

Im Jahr 2010 hat Nintendo eine Marktkapitalisierung von etwas unter 45 Milliarden US-Dollar erreicht. Das ist wenig im Vergleich zu 2007, als der Anfang der Nintendo Wii dem Unternehmen dabei half, eine Bewertung von 85 Milliarden US-Dollar zu erreichen. Bei Zahlen wie diesen kann man verstehen, warum Investoren sich wieder über Nintendo freuen.

Jedoch steht nicht fest, dass Nintendo wieder an seine goldenen Zeiten anschließen kann. Und Activision Blizzard ist nicht faul. Am 23. Februar erwarb Activision King Digital Entertainment – den Macher von Candy Crush und Zuhause von 544 Millionen aktiven monatlichen Nutzern. Es besitzt außerdem vier der Top 10 Spiele der neuesten Konsolen – darunter: Call of Duty: Black Ops III. In seinem jüngsten Quartal sind Blizzard-Nutzer um 23 % im Vorjahresvergleich gestiegen. Das Unternehmen stellte auch fest, dass die Spieler in den letzten 12 Monaten 42 Milliarden Stunden auf seiner Plattform verbracht haben. Das ist mehr oder ähnlich hoch wie bei Netflix (WKN:552484), Facebook (WKN:A1JWVX) und allen großen professionellen Sport-Ligen in den USA zusammen.

In Anbetracht von Activisions Führungsrolle im Hinblick auf Beliebtheit und Profitabilität ist es schwer zu rechtfertigen, dass Nintendo höher gehandelt wird als sein Rivale. Pokemon Go ist ein guter Anfang, aber das Unternehmen muss bei seinen nächsten Schritten treffen, um seiner Marktkapitalisierung gerecht zu werden und sie vielleicht sogar zu erhöhen. Wenn Nintendo auf seiner Dynamik durch Pokemon Go aufbauen kann und wieder Zahlen wie in der Vergangenheit liefern kann, ist der heutige Preis vielleicht ein Schnäppchen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Activision Blizzard, Apple, eBay, Facebook und Netflix. The Motley Fool hält die folgenden Optionen: long January 2018 $90 Calls auf Apple und short Januar 2018 $95 Calls auf Apple.

Dieser Artikel wurde von Palbir Nijjar auf Englisch verfasst und am 18.7.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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