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Was ist der bessere Kauf? Intel oder Qualcomm?

Foto: Pixabay, skeeze

Einer der größten Fehler, die Intel (WKN:855681)in den letzten zehn Jahren begangen hat, war die Unfähigkeit, in den Smartphone-Markt einzusteigen. Das kann zu einem großen Teil  Qualcomm (WKN:883121) zugeschrieben werden, das den Markt mit seinen Snapdragon-Chips dominiert hat und damit der größte mobile Chiphersteller der Welt geworden ist.

Aber heute stecken Intel und Qualcomm in einer ähnlichen Zwickmühle. Das Wachstum in ihrem Kernbereich hat sich verlangsamt und ihre Aktien sind inzwischen Einkommensaktien geworden anstelle der Wachstumsraketen, die sie einmal waren. Keiner der beiden Chiphersteller wird in naher Zukunft vom Markt verschwinden, aber ist einer von den beiden besser als der andere? Sehen wir uns einmal das Kerngeschäft der beiden an, ihre Wachstumsaussichten und die Bewertungen.

BILDQUELLE: INTEL.

BILDQUELLE: INTEL.

Wie verdienen Intel und Qualcomm ihr Geld?

Das meiste der Umsätze und des operativen Einkommens kommt bei Intel aus dem PC-Geschäft und der Sparte Datenzentren. Die Umsätze der Sparte Client Computing (PC und mobil) und die Datenzentren stiegen im Jahresvergleich im letzten Quartal jeweils um 2 % und 9 %. Zusammen machen sie 84 % der Umsätze aus.

Aber die langsamen Zyklen und die disruptive Wirkung der Smartphones und Tablets haben bei den PC-Chips ihre Spuren hinterlassen. Die Datencenterchips haben auch nachgegeben, da die Unternehmen in China weniger ausgegeben haben als erwartet. Der Rest der Umsätze kommt von neueren Sparten wie Chips für das Internet der Dinge, nicht-volatile Speicher, programmierbare Chips (durch die Übernahme von Altera) und Sicherheitslösungen (durch die Übernahme von McAfee). Die operativen Einnahmen in den Sparten Client Computing, Datenzentren, Internet der Dinge und Sicherheit stiegen im Jahresvergleich im letzten Quartal, aber die Sparten Speicher und programmierbare Chips haben operative Verluste erlitten.

Qualcomm generiert den größten Teil seine Umsätze mit mobilen Chips (QTC), aber der Großteil der Vorsteuergewinne kommt von den Patenten für 3G/4G-Lizenzen (QTL), was 3 bis 5 % vom Großhandelspreis eines jeden Smartphones ausmacht, das weltweit verkauft wird (mit Ausnahme von China). Aufgrund des Wettbewerbs im mobilen Chipmarkt fielen die QCT-Umsätze im Jahresvergleich um 19 % auf 3,34 Milliarden US-Dollar im letzten Quartal. Der operative Gewinn brach um 77 % auf 170 Millionen US-Dollar ein. Der Druck von den Regulierungsbehörden und den Herstellern, die Lizenzgebühren aufgrund von fallenden Smartphonemargen zu senken, führte dazu, dass die Umsätze im Bereich QTL um 12 % auf 2,14 Milliarden US-Dollar gefallen sind. Der operative Gewinn fiel um 14 % auf 1,86 Milliarden US-Dollar.

BILDQUELLE: QUALCOMM.

BILDQUELLE: QUALCOMM.

Wachstumserwartungen und Rückenwind

Intel und Qualcomm haben Gegenwind, daher werden die Umsätze und Gewinne wahrscheinlich auch in der absehbaren Zukunft schwach wachsen. Die Analysten erwarten bei Intel aktuell ein Umsatz- und Gewinnwachstum von nur 3 % in diesem Jahr. Qualcomm soll es sogar noch schlechter ergehen mit einem Umsatzeinbruch von 11 % und einem Gewinnrückgang von 12 %.

Aber die beiden Unternehmen hoffen, dass neue Chips ihr Kerngeschäft wieder antreiben werden. Bei den PC-Chips setzt Intel auf den neuen 14nm Kaby Lake Ende des Jahres und den 10n Cannonlake im nächsten Jahr. Damit soll neues Wachstum erreicht werden. Bei den mobilen Chips hofft Qualcomm mit seinen neuen Snapdragon 820-Chips und den neuen 830ern seinen Wettbewerbsvorteil gegen billigere Herausforderer wie MediaTek zu behaupten.

Die beiden Unternehmen wagen sich auch in neue Märkte, um sich etwas von den PCs und Smartphones weg zu bewegen. Diese Märkte beinhalten Gerätechips für das Internet der Dinge, Drohnen und verbundene Autos. Intel hat sich vor Kurzem aus dem Bereich mobile Chips zurückgezogen, aber auch einen überraschenden Sieg davongetragen, da einige Aufträge von Qualcomm für das nächsten iPhone errungen werden konnten.

Qualcomm wagt sich in den Bereich Datenzentren mit lizensierten Chips von ARM. Es ist noch unklar, ob diese Chips den Marktanteil von Intel von 99 % ins Wanken bringen können, aber es stellt einen anderen Wettbewerber für das Kerngeschäft von Intel dar.

Bewertungen und Dividenden

Intel wird aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,5 gehandelt, während Qualcomm ein KGV von 17 hat. Beide Kennzahlen sind deutlich niedriger als der Durchschnitt von 48 für die Halbleiterindustrie. Diese Zahlen deuten an, dass Intel aktuell billiger ist als Qualcomm, wenn man sich die Gewinne ansieht.

Was die Zukunft betrifft, wird Intel mit einem KGV von 13 bewertet, während Qualcomm ein niedrigeres künftiges KGV von 12 aufweist. Die Analysten erwarten, dass Intel seine jährlichen Gewinne in den nächsten fünf Jahren um 10 % erhöhen wird. Damit würde das Unternehmen ein 5-Jahres-Kurs-Gewinn-Wachstumsverhältnis von 1,2 erreichen. Keiner dieser Werte ergibt einen Wert von unter 1 für ein unterbewertetes Unternehmen, aber Qualcomm ist billiger verglichen mit dem Gewinnwachstumspotenzial.

Die erwartete Dividende von Qualcomm von 3,9 % ist auch höher als die 3,1 % von Intel. Beide Unternehmen haben noch viel Spielraum, um ihre Dividenden zu erhöhen – Intel hat in den letzten 12 Monaten nur 39 % seines freien Cashflows ausgezahlt, Qualcomm 45 %.

Welche Aktie ist also der bessere Kauf?

Intel und Qualcomm werden beide kurzfristig unter Druck bleiben, aber Qualcomm ist eine etwas bessere Wahl, wenn man die erwarteten Bewertungen und die höhere Dividende ansieht. Der Ruf als Marktführer bei den mobilen Chips könnte es Qualcomm auch leichter machen, in neue Märkte (wie das Internet der Dinge) zu expandieren als Intel, das vorrangig auf Stromfresser wie PCs und Datenzentren spezialisiert ist.

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Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.
Motley Fool besitzt und empfiehlt Qualcomm. Motley Fool empfiehlt Intel.

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und wurde am 13.07.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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